108—109. 1611 265
können: denu der Hofrat des Erzherzogs Leopold, Hans Jakob Harmb,!
der von Prag zu ihm geschickt worden war, habe ihm mitgeteilt, dass
der Kaiser sich endlich entschlossen habe, die Passauer abzudanken,
und dass der böhmische Kammerpräsident Dohna Mittel zur Bezahlung
des Volkes vorgeschlagen habe.
Am andern Tag bat der Herzog durch Wensin mich nochmals
zu sich rufen lassen und gesagt: er hoffe, dass E. M.' mit seinen
Erklärungen und Erbieten zufrieden sein werden; das Verfahren des
passauer Volkes sei ihm ganz misfällig gewesen, es sei ein weitaussehendes
Werk mit böser Konsequenz; er bleibe E. M.' mit treuer
Iiebe zugetan, meine es mit Derselben nur ganz treuherzig und
aufrecht und versehe sich, dass, wenn ihm etwas widerwärtiges zustiesse,
Sie ihm gleichfalls beispringen werden. Mit Salzburg habe
er keine ‚„intrinseca familiaritas;“ der Erzbischof werde E. M.' mehr
respektieren, doch wolle er ihm schreiben.
Der Herzog übergab mir endlich beiliegendes Handschreiben und
bemerkte nochmals, dass er bei dem bleibe, was er jüngst durch
Casal E. M.! habe andeuten lassen.?
Am Sonntag, acht Tage vor meiner Ankunft, ist der junge Fürst
von Neuburg nach München gekommen und vom Herzog selbst stattlich
einbegleitet, auch bis Mittwoch hier traktiert worden.” Er soll sich
sehr beklagt haben, dass sich Sachsen und Brandenburg’ wegen
Jülich mit einander verglichen und ihn ausgeschlossen hätten;
daneben hielt er um Interzession beim Kaiser an, damit seinem Vater
die Administration von Kurbrandenburg [!] bestätigt werde. Geben
Wien den 19. martii a. 1611.
Wi,IA 1, Ka. 2989; Or. eigh.‘
109. Bericht von der Pazifikationshandlung zu
Jüterbogk.
Man muss bedauern, dass der Kurfürst [von Brandenburg] hier
nicht besser mit wolgeeigneten Räten versehen ist und dass er
keinen „rechten, verfassten und bestelten rat“ hat; ‚ja man möcht
wol sagen, dass gar kein rat diess orts zu finden, würt alles unordentlich
verrichtet und obenhin. Bei I. chfl. Gn. ist wenig
ı Am 3. März wurde der erzherzogliche Hofrat Hans Jakob Harmb
von Eyers an Erzherzog Maximilian beglaubigt (Ib, Ambraser Akten,
Missiven vom März 1611, no. 36; Or.); auf der Reise hatte er auch den
Herzog von Balern angesprochen (Kurköln an Herzog Maximilian am 31. März
in Ma.,39,9, £.17; Or.). Leider habe ich das Schreiben des Herzogs an den
Kurfürsten, worin jener seine Resolution an Harmb mitteilt, nicht gefunden.
? Vgl. oben no. 61, S. 132, Anm. 3 und no. 72,
® Vgl. oben no. 92 und Anm. 2 auf 8. 203; darnach war Schröttl
etwa am 18. März in München angekommen.
* Ein dankendes Antwortschreiben des Königs vom 26. März aus Prag
in Wi., a. a. O.; Kpt.
März 19.
März 19.