Sr Jahrgang
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iDer „Rosenheimer Anzeiger“ milt dem textlich und islustraliv relch ausgestatteten achtselllgen
„Rosenhelmer oessuat erschelnt täglich nachmiitags 4 Uh
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Nr. 95
Freitog. 24. Ahril 1914
Rosenheimer Anzeiger
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Ros enheimer Tagblakt
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Die heutige Hummer umfasit 6 Selten.
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Aus den täglich erscheinenden „Nosenheimer
Anzeiger“ milt selnem achtselilgen
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Reues vom Tage
22. April.
Die 43. Wanderversammlung bayerischer Landwirte
sindet vom 23. bis 27. Mai in Erlangen
s#al#t.
Der sozialdemokratische Parteilag für Bayern
wird vom 11. bis 13. Juli in Neustadt a. H.
abgehalten. Auch die bevorstehenden Gemeindewahlen
sichen auf der Tagesordnung.
In der badischen zweiten Kammer erklärte der
Kultueminisiter, daß die badische Regierung
der Aufhebung des Jefsuitengesehes nicht zustimmen
lönne.
Die Merilaver haben die Stadt Veracruz vollständig
geränmt. Die ganze Stadt ist von
den Truppen der Vereinigten Staaten besetzt.
Die Amerikaner haben auch Truppen in “
biso gelandet und das Zollamt beiehzt. Die
Verbindung mit der Stadt Merilo ist wieder
hergestellt.
Aus der Fremdenlegion lind zwölf Legionär:
mit einem Korporal in voller Ausrüstung
entwichen. Sie sind schon eingeholt und umungelt
worden.
Elal der Staaksbauverwallung.
Kammer der Abgeoroneten.
München. 22. April.
Bei schwach besetztem Hause ging heute die
Dekalte über den Etal der Staatsbauverwal-=lung
weiter. Dabei kamen eine Reihe von
Wünschen hin. ihtlich des Kulturbauwesens u
zum Vortrag. S# forderte Abg. Säckler (Soz)
Gölt#n Dämon.
12 NRoman von Nichard Marsh.
Hinter den Portieren, die den Eingang in sein
Enpzimmer schützten, zögerte ich einen Moment,
um zwischen den schweren Fallen durchzuspähen.
Fräulein Moore stand ungesähr in der? Niue des
Zimmers. Eiwas im Ausdruck ihres Gesichts
und in ihrer Siellung ließ mich zögern. Ich hielt
auch Fräulein Adair und Hume zurück, die mir
nachdrängten.
„Warien Siel“" flüsterte ich. „Ich möchte
sehen ges sie jetzt beginnt.“
wäre leber allein gewesen; besonders
Oumas n Gesellschalt hälle ich ganz gerne entbehrt.
Aber ich lonnte ihn gite gut zum Weggehen
zwingen, ohne das Mädchen zu stören. Und
dazu spürte ich ployzlich nicht die geringste Neigung
mehr. Auf all' und jede Gefahr hin mate ich
Klarhrit haben, um sie wieder in den vollen Besit
ihres Verstandes setzen zu können. Ein
kurzer Blick genügte, um zu sehen, daß sie in
ihrer jetzigen Umgcbung eine Art Krisis durchmachen
lönnte, welche den von mir so heiß ersehmen
Ersolg brächte. Der Konstabler war uns
ins Zimmer gefolgt. Er schien uns zum Rückzug
auffordern zu wollen. Ich nahm ihn bei
der Schulter.
„Seien Sie still, Mann; Sie tun ihre Rflicht
jetzt gu u wenn Sie Ihre wgen Mund halten.“
Er sah ein, daß ich Recht hatte. Er schwicg,
während ich ihn an der Schulter festhielt.
Fräulein Moore sah sich um, als berührte
elwas im Aussehen des Zimmers eine Saite
ibres Gedächtuisses, ung sie kemühte sich zu entdecken,
was es war. Sie füh rle die Kand mit
der mir schon belannten enlüenn an die Stirn:
vermehrte Verwendung von banerischem Sand.
stein, Granik und Marmor zu Staatobauten,
sragte nach der Errichtung eines neuen Wüczburger
Hafens und besprach weiter noch Arbriterfragen.
Abg. Giehrl (.Rr.) forderte den Allban
der Traßlager im Kesseltal im Ries für Staatsbauarbeiten,
Abg. Dr. Schtiltenbauer (.##tr.)
trat für rasche Enlwasserung der Ilmwiesen
bei Vohburg ein, Abg. Walz (lons.) wünschle
vermehrte Verwendung von Treuchtlinger Marmor
bei den Bauten, um diese darniederliegende
Industrie zu unterstügen. Abg. Körner (Soz.)
münschte insbesondere Auslunft, warum der Entscheid
der Regierung hinsichtlich des Ludwigshafener
Kanalisationsprojeltes jahrelang auf sich
warten lasse, und kritisierte heftt j;6. dab ie Regierung
die Konzessionserteilung für die Kaiterslauterner
Straße nbahn davon abhängig gemacht
habe, daß in dem Vertrag Bestimmungen über
bie Gewährung der Koalitionsfreileil und der
Bildung von Arbeilerausschüssen wieder herausgenommen
werden. Abg. Dr. Dirr (lib.) sorderte
vond er Regierung eine bündige Erklärung,
wann der Staat die von der Stadt Aug#burg
für die Lechkorrektion aufgewendeten Summen
zurückzahle. Weitere Wünsche teils lotaler Natur,
teils die vorliegenden Petitionen und Arbeiterwünsch:
betreffend, brachten noch mehrere
Abgeordnete. In Beantworlung der vorgebrachten
Anregungen nahm Ministerialdirellor
von Reverdy Anlabß, zu erklären, daß zu seinem
Bedauern das Finaniministerium wegen des
Würzburger Hafens auf die Anfrage es Minisieriums
des Innern noch nicht geantwerirt
hade. Vezüglich des Kanalisationsprojelten der
Stadt Ludwigshafen bestünden keine eertlichen
Bedenken mehr. Der Maindurchstich bei
Vollach erfordere zu gewaltige Mittel und sei
nicht vordringlich. Der Stadt Augsburg mürce
hinjichtlich der Entschödigungsangelegenhell der
Vorschlag der Regierung demnächst vorgelegl.
Im übrigen würden die Anregungen nach Möglichteit
berücksichtigt. In der weiteren Delatl#
erklärte schließlich noch Minister Frhr. v. Soden
auf wiederholle Anfrage von jozialdemalraü#scher
Seite, daß ihm von dem erwähnten Eingreifen
der Regierung bei der Kaiserolanterner
Strastenbahnangelegenteit absolut nichis blannt
sei. Darauf fand der gamze Etat Genel#-migung.
Am Donnerstag-Vormiltag folgt 2ie
Elektrizitäteversorgung.
Vom Kulluselak.
München, 22. April.
Vei der Fortsehung der Beratung des Kultusetals
im Finanzausschuß hob Kuliusminister
von Knilling die anerkennenswerte Milarbeit
der Geistlichleit und der Lehrer an der Herausgabe
des baerischen Dialektwörterbuches hervor.
Bemerlkenswert sei, daß die nolwendigen Mittel
für ein hinorisches Musenm zur Erforschung der
Landesgeschichte Bayerns nicht flüssig gemacht
werden lönnen. Allgemein werde der Wunich
aus ge eiprochen, daß dieses Museum, wir solche
in anderen Bundesstaaten schon langst“ bestehen,
mögl: ichst bald ins Leben tritt. Die Foreerungen
für die meteorologische Station auf der Zu *⅞*7“
spine, fur das Generalkonservatorium der wi ijsenichaftlicen
Sammlungen des Staales un für
den Bolanischen Garten werden nach eingehender
Begründung durch den Kuliueminister genebmigt,
wobei von seiten der Staatsregierung
zugeiichert wurde, daß das Areal des kleinen
bolanischen Gartens in München nicht veräußert
werden soll. Abg. Dr. Pichler findet es für
unerläßlich, daß eine Denkschrift über die notmendig
werdenden Räume für die Unterbringung
der staatlichen Sammiüungen vorgelegt
weorde. da di: derze itigen Verhältnüse durchaus
unzreichend jeien. Reserent Siben regte eine
intemire Förderung der banerischen Staatsbibliothek
an, damit der Ruf des in Deutschland
an zweiter Steile frehenden Instilutes erhalten
bleint. Eine Mehrforderung von 20 000 Mark
murde auf weirere Empf ehlung durch dea Kor—
refaznten Dr. Dirr für diesen zweäl genehmigt.
Tie Beitrage an die Slaatsbibliotheien, gelehrten
Gei sellschaften us. wurden ohne besondere
Erörterung in der bisherigen Höhe genehmigt,
eben'io die Forderung der Atademie der bildenden
Künste.
Polikische RKundschau.
Gavern
Die Dauer der Landtagsseission.
In Kuchen der bayerischen Abgeordnelenwurde
die Frage lebhaft erörtert, ob nicht zur
Bewälligung der noch zu erledigenden La#r 10.
tagsarbeiten eine Nachiesiion nolwenbig wird
denn bei dem jetzigen Stand und Gang der Ge'
schäfte sei nicht daran zu denken, daß die noch
ausstehenden Gegenstände in den drei Monaten
erledigt werden, die noch übrig sind, wenn der
Landtag, wie in den letzten Sessionen, im August
nach Hause gehen will. Hierzu schreibt die „M.
Z#tg.“ „Die Regierung hat bisher alle Versuche,
eine Nachl'ession zu erreichen, abgelehnt, und sie
hatie allen G□ rund azu; vor allem tam die Rülsicht
auf die gör erung der Geichäfte in den Ministerien
in Betracht, die naturgemäß zu einem
Teil iegen bleiben, solange das Budget nicht
erlediot in un die Minister und ihre Räte im
Parlament zur Vertretung der sonstigen Vorlasen
anwesend sein müssen. Dann tritt aber bei
einer Nachsession die Diatenfrage in die Erscheinung,
ein Punkt, der bei der jeyigen Finanzlag:
des Staates schwerer als sonst ins Gewicht
seilt. Außerdem in zu bedenken, daß, venn
mit einer Nachsession einmal der Anfang gemacht
itt, späteren Wünschen nach einer solchen viel
scwcriger Widerstand zu leisten ist. Der Lundlag
kann, wenn er will, mit seinen Arbeiten ganz
gut ohne Zuhilfenahme von Nachsessionen fertig
werden. Der Weg dazu ist ihm schon wieder--holt
gezeigt worden. Er hat nur nötig, sich
den Reichstag und andere Parlamente zum
Vorbild zu nehmen und keine Verhandlungen
straffer als seither zu lonzentrieren. Ein gut Teil
dessen, was in der Prannerstraße geredet wird,
ist überflüffig.“
Die Lehrerdenkschrift.
In der Finan#ausschußsihung wurde mitgeteilt,
daß der erse Teil der Lehrerdenk'chrift
ferliggestellt sei. Im zweiten Teil wird eine Art
Programm für die Entwilung der Frage auigesiell:
das zwar nicht jetzt und augenbliklich
realisier: werden kann, aber Richtlinien des Ausbaues
für die Zukunft aufstellt, die. wie man
hört, für die Lebrerschaft sehr günftig sein dürften.
Bayerisches Bier in Norddeutschland.
Gegen Entrichtung der Uebergangsabgabe
wurden in das norddeutsche Brausteuergebiet
1913 insgesamt 1 836 531 Heltoliter. davon
aus Banern 1755 847 Hektoliter eingeführt
Der Betrag der erhobenen Uebergangsabgabe
belrug insgesamt im NRechnungsjahr 1913
5336 Mk., davon treffen auf Bayern
— —
Ich war schon cimmer in diesem Zimmer —
ganz scher. Ich scheinc alles ganz gut zulennen:
aber ich habe slene“ A wann ich es sah,
oder wie. Ich lann es nicht begrei
Sie blickte mit erstamten Mgea um sich,
als suchte sie einen belannten Gegenstand, der ihr
zur Losung des Nätsels behilslich sein könnc.
Endlich fesselte elwas ihre Aufmerlksamkeit: es
war der verräterische Fleck auf dem Teppich. Sie
stand ein oder zwei Meter von der Sielle entsernt,
wo ich Lawrence liegend gesunden hatte.
er Körper war sort, aber sein Bliu war geblieben
— ein schmuyiger Fleck aul dem schönen
Teppich. Sie starrie darauf nie
„Was ist das?“ Sie bückte sh- sie berührte
ihn mit den Fingerspitzen; ein seltsames Zinern
bemächtigte sich ihrer Stinme. „Es ist krocken.
Warum ist es trocken! Was — was ist es?“
Noch luicend bedeckte sic ihr Gesicht mit den
Händen, wie um ihrem schlasenden Gedächtnis zu
Hilse zu lommen. .Es scheint mich an etwas
zu erinnern. Eiwaos'— elnas u Was
lann es nur sein? Ob#l“
Sie fuhr mit einem kleinen Schrei in die
Höhe. Ein neuer Ausdruck trat in ihr Gesicht;
ein Zug der Furcht, des Schreckens. Sie war
plögzüch ganz auf dem Sprung, wie in der Erwartung
von etwas Fürchtert hem
ier wurde Horr Edwin Lewirnce getötet —
getötel- Wieder dieser verwirrte Blick. „Tas
best. daß er ermordet wurde! Ermordet! So
l
cie machte eine hastige Bewegung, als wolle
e sich der Länge nach zu Boden wersen, die so
Kcalistilsh war, da schen.
um sie vor einem bewahren.
war nur Verstellung; i veer nächsten —
stand sie schon wieder auf ihrem früheren —.
„Laß mich sehen, wie war es. Er stand hier
und t dal!“
ing von einem Platz zum andern, als
bemühte sie sich, eine Szene zu wiederholen, in
der sie eine Rolle gespielt hatte. Bruchstückweise
schien es ihr wieder aufzudämmern.
sagte: „Ich werde sie töten“; weil ich
eue W müßte ihn töten. Und dann — dann
lachte Er : 5Töten Sie uuchl- Was
men das?" Und das machlte mich noch
Ich entschloß mich — ihn zu töten.“
Sie hielt iune. Mich schauderte, krampshaft
hielt ich die * noch sester. Obgleich ich
mich nicht nach ihnen umwandte, wußte ich, daß
ein Zenes auf den Gesichtern von Fräulein
Adair und Hume lag- daß selbst der Konstabler
ein ehn Interesse empfand.
nde Rlelr mir leise zu:
7 Sie sie an, daß sie nicht fortfährt!.
Ein E twas saß in meiner Kehle, so daß
meine Stimme ganz heiser llang, als ich ebenso
leise antwortete:
„Nein, ich will leinen Versuch dazu machen.
Sie soll alles sagen, was sie zu sagen hat. Ich
bin nicht bangel-Ich
fühlee, daß sie mich am Aermel zupste,
ungefähr wie ein Hund es tut, um seine Freundschaft
zu k beseugen.
nützt an
wütender.
adchen drinnen suhr fort. Sie hatte
wieder die Hand an die Stirn gelegt und schien
mit ihren schtaseren Fähigkeiten zu lampfen.
Während all des Folgenden war ich mir, tro
der Erregung, die mir fast die Kehle zuschnürte,
doch ihrer eigenartigen Schönheit bewußt, die mit
ihrer wachsenden Aufregung noch zunahm
sam kontrastierte mit dem i
Worte die Mienc vollster Unschuld, mit der sie
sic bealei#tete. Sie malte mit der Einfachheit eines
Kindes. das von der Wichtiigkeit des gebeichteten
Verbrechenr leine Abnung hat, aus, wie sic eine
Hauptrolle bei dieser entsetzlichen Tragödie gespiell
hatte-Habe
ich ihn getötet? Ich? Nein, nicht da,
nein, da nicht. Dann lam er berein, und es fing
alles wieder von vorne an, ganz von vorne,
und — wir zankten uns. Wir sagten beide, wir
wollten ihn lören, wir alle beidr, und er lachte.
Je öfter wir sagten, wir wollten ihn töten. desto
mehr lachte er. Und das — das machte uns
toller. Dann — dann sam es herein. Es!
Sie schauderte. Ein ganz adnormes Ent.
segen prägte sich in ihrem Gesichte aus. Sie
bedeckte 1 Augen und schrie in panischem
Schrecken auf:
Dechene iiht Ich will nicht! rch will
nichu Lassen Sie mich! Lassen Sie mich! GCs
soll mir nicht nahe kommen! Es soll mich nicht
berühren! Ich kann es nicht aushalten, daß es
mich berührte! Ohl-Mit
berchendrun Atem, die Augen weit offen,
starrte sic gsest. auf etwas, das sich vor ihr zu
befind en
Was ist es? Ich fürchte mich nicht. Warum
sollte i bange sein? Es ist nichts los. So
leicht bin ich nicht zu erschrecken. * | sagte, ich
saellt ihn töten, !* nicht so, nicht so. Sagte
ich würde ihn töten a. S
1. tat es. Aber ich Se es nicht Wollte ich
7 Ich weiß nicht. Vielleicht wollte ich es.
sagt, ich wollte es, und vielleicht weiß er es.“
(Fortsetzung folgt.)