Metadaten : Badischer Heimatdienst im Weltkrieg.

Anlage

r.  889  der  Karlsruher  Zeitung  vom  10.  Dezember  1916)

Da#mmerung  in  englischen  Köpfen.
Unter  der  berschrift  „Deutschlands  verjüngte  Kraft“

veröffentlicht  die  angesehene  englische  Wochenschrift

Nation“  eirmn  Aufsatz,  der  beweist,  daß  trotz  aller  gesckickten
  Stimmungsmache  die  Wahrheit  in  manchen  engnzischen
  Köpfen  zu  dämmern  beginnt.  Der  Verfasser  knüpft

an  die  englischen  Hoffnungen  auf  die  große  russische

Casensioe  an  und  fährt  fort:  „Als  dann  im  Augerblick
err  russiichen  Hochflut  der  französisch-britische  Ansturm  in
zene  Zesetzt  wurde  und  nach  diesem  das  italienische
Jotbringen  am  Isonzo,  und  als  schließlich  die  Streitdachi
  in  Seioniki  Rumänien  zum  Leben  weckte  und
um  Kaen#f  enfeuerte,  da  schien  die  endgültige  Niederinamg
  des  Deutschen  Reiches  mit  Riesenschritten  herummnaßen.
  Turch  einen  verzeihlichen  Gedankensprung
ahlie  unser  englisches  Volk  das  glückliche  Ende  erreicht,
ibersah  den  dornenreichen  Weg,  der  noch  übrig  blieb,
znd  14h  schon  im  Geiste,  wie  es  dem  geschlagenen  Feinde
zroßmütige,  aber  nicht  allzu  großmütige  Friedens-Wr
  ngungen  auferlegte.
es  ist  der  27.  Monat  des  Krieges  und  der  4.  Mohat
  der  2  Okte#####  der  Alliierten  —  der  5.,  wenn  wir  den
1.  Monat  der  russischen  Offensive  mitrechnen  —  2  Mohaie
  ist  es  schon  her,  daß  die  Alliierten  eine  Verstärkung
chielten,  die  c#Aes  in  allem  genommen  ungefähr  1  Milion
  Mann  belrug.  Vier  Monate!“
And  als  deren  Ergebnis  muß  festgestellt  werden:
Die  Deutschen  haben  !  Ostfront  nicht  allein  wiederurgestellt;
  sie  ist  mit  solcher  Kraft  gefestigt,  daß  alles  ge-Gichte

  und  heroische  Hämmern  unseres  russischen  Bun-#genossen

  kaum  dazu  führt,  auch  nur  ein  wenig  an  ihr

6  zu  rütteln.  Die  deutschen  Gegenangriffe  im  Westen  sind
wieder  häufiger  und  heftiger  geworden.  .  .  .  Was  uns

nachdenklich  stimmen  muß,  ist,  daß  Deutschland  in  dem

Augenblick,  wo  wir  den  Höchstdruck  auf  alle  seine  Fronten
ausübten,  imstande  ist,  eine  neue  Offensive  vorzubereiten

  und  zu  entwickeln.

Unsere  Siegesstimmung  in  England  während  der
letzten  paar  Monate  hat  uns  dazu  gebracht,  die  Tatsache
zu  vergessen,  daß  der  Feind  gegenwärtig  mehr  Landgebiet

  der  Entente  in  seiner  Hand  hat,

als  er-jemals  beanspruchte  oder  auch  nur
zu  beanspruchen  dachte.  Er  hat  in  seinem  Besitz
den  Korridor  nach  dem  Osten,  der  Berlin  mit  Bagdod

verbindet,  er  behauptet  Kurland,  Polen,  Teile  des
eigentlichen  Rußland,  Belgien  (  abgesehen  von  einem  winzigen

  Streifen)  und  einen  wichtigen  Teil  des  indu—
striellen  Frankreich.  Anderseits  halten  wir  seine  ganzen
Kolonien,  seinen  Handel  und  seine  Nahrungszufuhr.
Wenn  er  in  seine  gesamte  Front  wieder  jenen  Zustand
der  standhaltenden  Kraft  bringt,  die  uns  so  wenig  vorrücken
  läßt,  wie  dies  im  südlichen  Teil  der  Ostfront  und
gegenwärtig  in  Frankreich  der  Fall  ist,  so  ist  Deutschland
  in  der  Lage,  einen  Frieden  kraft
seiner  Faustpfänder  zu  erzwingen,  und
dies  würde,  wie  immer  die  Bedingungen  sein  mögen,
einen  erheblich  anderen  Einfluß  auf  die  künftige  Entwicklung
  Europas  haben,  als  ein  Friede,  bei  dem  Deutschland
  nichts  in  Händen  hat.“

Ahnliche  Versuche,  die  Dinge  ohne  die  Brille  englischer

  Hertschsucht  zu  sehen,  sind  in  letzter  Zeit  in  England

  nicht  mehr  vereinzelt.