Full text : Schwerin und Bleichröder.

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an  Se.  laiserlich  Königl.  Hoheit  den  damaligen  Kronprinzen
Friedrich  Wilhelm;  letzterer  erklärte,  daß  er  zu  seinem
höchsten  Bedauern  nichts  thun  könne,  da  eine  Immidiat—
Eingabe  an  Se.  Majestät  bereits  abschläglich  beschieden
sei.  Herr  von  Schwerin,  dieser  Mann,  gegen  den  auch  nicht  das
Geringste  vorlag,  war  somit  sozusagen  dem  Hungertode  überliefert,
und  die  jüdischen  Feitungen,  d.  h.  mit  wenigen  Ausnahmen  die
Seitungen  überhaupt,  sorgten  dafür,  daß  er  auch  dem  Miß—
trauen  und  der  Schande  vor  der  Welt,  seinen  Verwandten
und  Standesgenossen  überliefert  wurde.

Seine  Mutter  starb  vor  Gram.  Seine  An—
gehörigen  zogen  sich  von  ihm  als  einem  Geächteten  und
Ausgestoßenen  aus  der  menschlichen  Gesellschaft  zurück!
Jal  hätte  er  geschwelgt,  gehurt,  Bauernfängerei  getrieben,  und
dabei  den  Juden  treu  gedient,  was  würde  er  dann  jetzt  sein  d  —
Als  zähe  pommersche  Natur  erlag  er  aber  nicht  gleich.  Er
wandte  sich  in  den  verschiedensten  Schreiben,  die  die  gröblichsten
Beleidigungen  enthielten,  an  den  Holizeipräsidenten  von  Madai,
um  noch  einmal  verklagt  zu  werden,  und  hierbei  Gelegenheit  zu
haben,  die  Wahrheit  zu  beweisen.  Er  drang,  da  ihm  Audienzen  verweigert
  wurden,  gewaltsam  bis  zum  Dolizeipräsidenten  von  Madai,
schließlich  auch  bis  zum  Chef  des  Geheimen  Civilkabinets  Seiner
Majestät  des  Kaisers,  von  Milmowsky,  vor.  Er  wurde  hinausgeworfen,
  aber  trotz  aller  seiner  ZBemühungen  nicht  verklagt.
Als  Herr  von  Madai  einmal  zu  einer  Audienz  bei  Gr.
Majestät  den  Kaiser  Wilhelm  I  fuhr,  fuhr  von  Schwerin
ohne  Weiteres  nach  und  drang  mit  Herrn  von  Madai
zugleich  in  das  Dalais  ein.  Dem  dienstthuenden  Flügeladjutanten
  erklärte  er  in  Gegenwart  des  olizeipräsidenten,  daß
er  um  eine  Audienz  bitte,  um  sich  über  den  Dolizeipräsidenten
zu  beschweren.  TCeider  konnte  an  diesem  Tage  Seine  Wkajestät
weder  den  Dolizeipräsidenten  noch  Derrn  von  Schwerin  empfangen,
  da  soeben  Ihre  Majestät  die  Kaiserin  von  einer  Reise
zurückgekehrt  war.

Alle  späteren  Dersuche,  ein  Schreiben  in  die  Hände  Seiner
Majestät  des  Kaisers  gelangen  zu  lassen,  schlugen  vollständig  fehl.
Dieselben  wurden  Anfangs  aus  dem  Geheimen  Ciodilkabinet,  gez.
von  Wilmowsky  oder  Anders,  und  geschrieben  höchst  wahr-