Wassernutzung. $ 9. 463
gehört dem Privatrecht an, eine Einwirkung der Regierung auf sie
besteht nur in dem Umfange, in dem eine solche gegenüber allen
privatrechtlichen Korporationen stattfindet. Die öffentlichen
Genossenschaften dagegen werden durch einen Besclıluß der staatlichen
Beliörde, also durch einen rechtsbegründenden Verwaltungsakt, in
das Leben gerufen®. Sie haben gegenüber ihren Angehörigen
obrigkeitliche Befugnisse, namentlich kann der Vorstand Anordnungen
gegen einzelne Mitglieder der Genossenschaft durch Androhung von
Geldstrafen erzwingen oder die von ihnen zu prästierenden Leistungen
auf ihre Kosten durch andere Personen ausführen lassen; Beiträge
und Strafen werden im Wege der administrativen Exekution beigetrieben.
Anderseits unterliegen die öffentlichen Genossenschaften
einer eingehenden Aufsicht des Staates. Die öffentlichen Genossenschaften
2® sind nicht identisch mit Zwangsgenossenschaften; vielmehr
bestehen sie, ebenso wie die freien Genossenschaften, regelmäßig aus
freiwillig zusammentretenden Personen; nur zum Zweck von Bewässerungen
und Eintwässerungen ist eine zwangsweise Bildung
zulässig, wenn die Mehrheit der Interessenten es wünscht, wenn es
im öffentlichen Interesse liegt oder wenn der Zweck auf andere
Weise nicht erreicht werden kann.
1: Wassernutzung '.
g 99.
Die öffentlichen Gewässer stehen im Gemeingebrauch?,
gleichgültig in wessen Eigentum sie stehen. Der Gemeingebrauch
erstreckt sich auf die Wasserwelle und auf das Bett. Die anliegenden
Grundeigentümer haben keinerlei rechtliche Vorzüge hinsichtlich der
Benutzung; dagegen sind sie tatsächlich allerdings in der Lage, so
weit ihre Grundstücke reichen, die allgemeine Benutzung unmöglich
zu machen, indem sie anderen Personen die Betretung untersagen.
Allgemein freigegeben ist die Benutzung der öffentlichen Gewässer
zur Schiffahrt, Flößerei mit verbundenen Hölzern, Trinken, Schöpfen,
Baden, Viehtränken, während die Entnahme von Sand, Kies, Eis usw.
aus dem Fluß teils freigegeben, teils von einer Erlaubnis abhängig
>82 Die Bestimmungen über die \Vassergenossenschaften sind cnthalten in
den Wassergesetzen. - Schenkel, Art. Wassergenossenschaften, R.L. 3, 1257;
Hermes, Art, Wassergenossenschaften, W,? 2, 868; Anschütz, Art, Wassersenossenschaften,
H.d.St.? 8,615; Rosin, Öffentliche Genossenschaften S. 79. —
Sehling, Die preußischen Wassorgenossenschaften, 1912; Bochalli, Wassergenossenschaften
nach dem neuen preußischen \Wassergesetze, 1918.
23 \Vassergenossenschaften können auch errichtet werden zur Reinhaltung
der Gewässer, zur Entwässerung von Mooren, zur Anlegung von Stauanlagen,
Talsperren, Sammelbecken u. dgl. — Die \Vassergenossenschaften können ihre
Aufgaben mit Zwangsgewalt durchführen, Vgl. Floiner?S. 348,
I Schenkel, Art. Wasserbenutzung, R.L. 8, 1248. .
® Fleinor? S. 346; Schoen, Enzyklop.? 4, 286. — Über den gesteigerton
Gemeingebrauch an öffentlichen Gewässern vgl, Fleiner®
8. 958 44, Die Grenze zwischen gesteigertem Gemeingebrauch und der Sondernutzung
ist schwankend und flüssig. Auch verschiebt sio sich von Staat zu
Stant. — Über Sondernutzungsrcechte vgl. Fleiner? S. 354.