— 213 —
Vater und Sohn, schienen es mit den Fürsten aufnehmen zu können;
unser Verzeichniss nennt nicht weniger als zwanzig Personen ihrer
Umgebung. — Dazu kamen endlich die zahlreichen Botschaften
von Fürsten und Städten; nennt auch unsere Quelle nur die bevollmächtigten
Botschafter selbst, so ist doch glaublich, dafs
wenigstens die fürstlichen Vertreter ausser der Dienerschaft auch
noch Begleiter höheren Ranges gehabt haben werden, dazu Rechtsgelehrte
und Schreiber. Irgend welche Gesamtschätzung derer;
welche der Reichstag im Gefolge der Stände und Botschaften nach
Speier geführt haben wird, — um zu geschweigen von solchen,
welche durch die Neugier oder um irgend welche Dienste anzubieten
und mit tausend Hoffnungen auf Zeitvertreib, Gewinn oder
Anstellung herbeigeführt wurden, — lässt sich natürlich nicht anstellen,
und wenn wir angeben, dafs ein Verzeichniss, welches lediglich
die Besucher des Reichstages selbst und das höhere Gesinde
derselben berücksichtigt, im Ganzen rund tausend Namen nennt, so
wollen wir es jedem überlassen, zu schätzen, mit welcher Zahl er
diese Summe vervielfältigen zu müssen denkt, um auf die mutmalsliche
Gesamtzahl derjenigen zu treffen, welche aus Anlafs
des Reichstages nach Speier kamen; eine stattliche Reihe von
Tausenden dürfte es jedenfalls gewesen sein, und man begreift, dafs
die Städte die Ehre, einen Reichstag in ihren Mauern zu sehen, zu
schätzen wulsten; ein solcher war vielleicht die ergiebigste Einnalmequelle,
die sich ihnen eröffnen konnte.!) Freilich erwuchsen dem
Magistrat, der die ganze Schaar der Reichstagsbesucher unterzubringen
und in Ordnung zu halten hatte, aus diesen Obliegenheiten
gewils keine geringen Mühen, Lasten und Sorgen. Wir erfahren,
dals es sich die Obrigkeit in Speier angelegen sein liels, feste
Taxen aufzustellen, nach denen sowohl die Inhaber öffentlicher
Herbergen, wie auch diejenigen Bürger, welche privatim Fremde
bei sich aufnahmen, ihre Forderungen normieren sollten?2). Im
!) Die Stadt Speier hatte sich daher auch, nachdem die für Martini
1524 dort angesetzte Versammlung hinfällig geworden war, um Ersatz für
dieselbe bemüht; vgl. Schreiben des Kurfürsten von der Pfalz an Speier,
d. d. Heidelberg Abend nativ. Mariae (7. Sept.) 1525. Orig. in Speier St. A.,
Fasz. 333. Und das Reichsregiment hatte schon Ende 1524, wie oben
S. 24, 1 vermerkt wurde, dem Erzherzog gegenüber die Notwendigkeit betont,
Speier für die vereitelte Versammlung durch Ansetzung einer neuen
dorthin zu entschädigen.
2) Eine Abschrift dieser Taxe im Weimarer G. A., Reg. E. Einige
sonstige Veranstaltungen der Stadt sind verzeichnet im Speirer St. A.,