Full text : Archiv für öffentliches Recht. Band 22 (22)

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„Privatmann“,  wenn  er  bei  der  Thronbesteigung  ein  Manifest  erlässt,  wenn
er  den  Landtag  mit  einer  Thronrede  eröffnet,  wenn  er  seine  Abdankung
unterzeichnet  u.  s.  w.  Da  nach  der  Meinung  des  Verf.  alle  staatlichen
Rechte  und  Pflichten  auf  die  physische  Person  des  Monarchen  zurückgehen
(S.  25),  so  macht  ihm  das  „Wesen  der  Thronfolge“  Schwierigkeiten  und  er
setzt  uns  auseinander,  dass  die  Thronfolge  das  Mittel  sei,  um  „die  längere
Lebensdauer  des  Staates  in  Uebereinstimmung  zu  bringen  mit  der  kürzeren
des  Monarchen,  in  dem  sich  der  Staat  verkörpert“.  „Vorgänger  und  Nachfolger
  sind  nur  als  physische  Menschen  verschieden,  staatsrechtlich  sind
sie  eine  und  dieselbe  Staatspersönlichkeit  des  Monarchen.“  Derselbe
Satz  wird  S.  26  nochmals  wiederholt,  ohne  dadurch  einleuchtender  zu  werden.
  In  ähnlicher  Weise  wird  von  der  Regentschaft  gesagt  (S.  36  a.  E.):
„Der  Regent  bildet  mit  dem  Monarchen  staatsrechtlich  eine  Person.  Wie
der  Unvollkommenheit  menschlichen  Lebens  entsprechend  die  Staatspersönlichkeit
  des  Monarchen  sich  in  verschiedenen  physischen  Personen  vermöge
der  Thronfolge  fortsetzt,  so  wird  hier  eine  andere  menschliche  Unvollkommenheit
  dadurch  überbrückt,  dass  die  Staatspersönlichkeit  des  Monarchen
  nach  Recht  und  Ausübung  sich  auf  zwei  verschiedene  physische
Personen  gleichzeitig  verteilt“.  Wie  man  sieht,  muss  sich  die  Staatspersönlichkeit
  des  Monarchen  vieles  gefallen  lassen  und  ihre  Zusammenkoppelung
mit  einem  physischen  Menschen  hat  noch  mancherlei  andere  rechtliche
Unbequemlichkeiten  für  sie  zur  Folge.  8.41  erklärt  der  Verf.,  nach  meiner
Ansicht  mit  Recht,  das  Gebiet  für  einen  selbständigen  Gegenstand  der
Staatsherrschaft,  aber  ohne  mit  einem  Worte  anzudeuten,  dass  dies  sehr
bestritten  und  wohl  kaum  die  gegenwärtig  herrschende  Ansicht  ist.  S.  47
heisst  es:  „Jeder  Angehörige  eines  Einzelstaates  ist  gleichzeitig  Angehöriger
  des  Reichs.  Anfangs  fand  auch  das  umgekehrte  Verhältnis  statt“.
Was  das  bedeuten  soll,  ist  mir  völlig  unverständlich.  Ebenso  unverständlich
ist  die  Bemerkung  8.  170  bei  Erörterung  der  Reichsgesetzgebung:  „das  für
einzelne  Fälle  bestehende  Veto  des  Königs  von  Preussen  entstammt  einer
früheren  Phase  der  Verfassungsbildung,  in  der  es  überhaupt  noch  kein
Kaisertum  gab“.  Dazu  wird  als  Beispiel  ein  Fall  aus  dem  Jahre  1882  (!)
angeführt.  Mit  einer  mit  der  sonstigen  Kürze  nicht  ganz  übereinstimmenden
  Ausführlichkeit  wird  die  Verleihung  von  Titeln  und  Orden  (S.  87  ff.)
behandelt.  Die  Begründung  des  Staatsdienstverhältnisses  erfolgt  nach  Ansicht
  des  Verf.  S.  118  durch  die  einseitige  Anstellung  seitens  des
Staates.  Warum  es  beim  Staat  anders  sein  soll  wie  bei  der  Anstellung
der  Beamten  der  Gemeinden,  Standesherren,  Aktiengesellschaften  u.  s.  w.,
wird  nicht  erwähnt.  Wenn  eine  Privatbahn  verstaatlicht  wird  und  tausende
von  Beamten  in  ihrer  Stellung  und  ihrem  Dienstverhältnis  einfach  bleiben,
ändert  sich  da  stillschweigend  das  zweiseitige  Rechtsverhältnis  in  ein  einseitiges?
  Aufgabe  der  Dogmatik  ist  es  doch  m.  E.  gleichartige  Erscheinungen
  des  Lebens  unter  einen  einheitlichen  Gesichtspunkt  zusammenzu-Archiv
  für  öffentliches  Recht.  XXI.  1u.  2.  20