Paulus Diaconus, aus England, wo er großen Einfluß.
besaß, den gelehrten Alcuin und andere mehr. Er selbst
gründete nicht nur Klosterschulen, welche vor der Entstehung
der Universitäten die wichtigsten, ja die einzigen
Pflanzschulen der Bildung waren, sondern ging selbst
in diese Schulen, belobte selbst die Fleißigen und tadelte
die Faulen. An seinem Hofe bestand eine Akademie,
unter deren Mitgliedern auch er sich befand. Aber nicht
nur diese, sondern auch alle Elemente der Kultur nahm.
Kaiser Karl zusammen. Er erneuerte den Kirchengesang,
von dem alle Musik ausging. Er erneuerte die Baukunst,
die Malerei usw.; kurz er war ein Riesengeist, dessen
Aufmerksamkeit das Kleinste wie das Größte nicht entging.
Resümieren wir die leitenden Ideen, die seinem Jahrhunderte
zugrunde liegen, so sind es in Kürze folgende:
l. Vereinigung von Kirche und Staat, 2. Bildung der
Nationalitäten, 3. Verbindung des gesamten Europa,
4. Gründung der Kultur auf dieser Unterlage, und zwar
dergestalt, daß sie auf einer Seite die Antiquität umfaßte,
jedoch auch dem modernen Elemente Gerechtigkeit
widerfahren läßt. Karl der Große fühlte sich überhaupt
als guter Deutscher, der, indem er das eine Moment der
Kultur festhielt, das andere darüber nicht vergaß.
Nur einem so eminenten Geiste, wie Karl der Große
war, konnte es gelingen, die einander widerstrebenden
Flemente, nämlich auf der einen Seite das Kaisertum und
die verschiedenen Nationalitäten, auf der anderen Seite
die geistliche und weltliche Gewalt, diese Keime künftigen
Zwiespaltes zusammenzuhalten. Seine Nachfolger
waren dazu nicht mehr imstande. Nach dem Tode seines
Sohnes, Ludwigs des Frommen, waren drei Söhne vor:
handen, unter welche das Reich geteilt werden sollte.
Die Idee der Geistlichkeit war es, das Kaisertum unter
alien Umständen aufrechtzuerhalten, und diese Idee
drang bei dem Teilungsentwurf vom Jahre 817 durch.
Lothar, der älteste der Söhne Ludwigs des Frommen,
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