Volltext : Lesebuch für die katholischen Volksschulen des Regierungsbezirks Düsseldorf. Zweiter Teil: Mittelstufe. (2)

—  202  —

Wohltäter,  weil  er  den  Wiesenboden  von  schädlichem  Ungeziefer  reinigt.
  Die  aufgeworfenen  Haufen  sind  leicht  wegzuschaffen.  Aber
der  Maulwurf  legt  sein  Bergwerk  auch  unter  Gärten  an,  und  hier
bereitet  er  großen  Arger,  weil  er  durch  sein  Wühlen  die  Beete  verwüstet
  und  die  Pflanzen  zerstört,  für  die  der  Gärtner  mit  Liebe
sorgt.

198.  Vom  jungen  Kuckuck.  Von  Ernst  Walther.

W#  die  andern  Vögel  ihren  Nestbau  vollendet  haben  und
mit  dem  Eierlegen  beginnen,  denkt  auch  das  Kuckucksweibchen
  daran,  für  seine  Kinder  zu  sorgen.  Aber  selber  ein  Nest
zu  bauen,  die  Eier  auszubrüten  und  die  Jungen  großzuziehen
wie  die  andern  Leutchen  aus  der  Vogelwelt,  fällt  ihm  nicht  ein.
Das  überläßt  es  andern.  Zu  diesem  Zwecke  huscht  das  Kuckucksweibchen
  still  und  unauffällig  durch  Strauchwerk  und  Gebüsch.
Da  findet  es  ein  Nest,  worin  mehrere  Eier  liegen.  Der  Besiter
des  Nestes,  eine  Grasmücke,  ist  eben  auf  Nahrungserwerb  ausgeflogen.
  Rasch  setgt  sich  das  Kuckucksweibchen  auf  das  Nest,
legt  ein  Ei  hinein  und  verschwindet  eilig.  Den  übernächsten
Tag  sucht  es  das  Nest  einer  andern  Grasmücke  auf,  um  ein
Gleiches  zu  tun  wie  früher.  Da  trifft  sich's  aber,  dabß  die  Besitzer
in  der  Nähe  weilen.  Schnell  kommen  sie  herangeflogen,  und  mit
Geschrei  und  Schnabelhieben  verjagen  sie  den  Eindringling,  der
sich  sofort  entfernt,  um  nach  einiger  Zeit  leise  und  heimlich
zurückzukehren  und  im  unbewachten  Augenblicke  doch  sein  Ei
abzulegen.  So  macht  es  das  Kuckucksweibchen  noch  mehreremal.
  Einmal  geschah  es  dabei,  daß  es  ein  solches  Nest  an  einer
ihm  unzugänglichen  Stelle  im  engen  Astloch  einer  alten  Weide
antraf.  Die  Offnung  war  zu  schmal,  um  hindurchzuschlüpfen.
Da  legte  es  sein  Ei  auf  den  Erdboden,  nahm  es  in  den  Schnabel
und  schob  es  vorsichtig  hinein  in  das  Gelege.  So  brachte  das  Kukkucksweibchen
  im  Laufe  des  Sommers  bis  an  die  20  Eier  unter,
jedes  in  einem  andern  Grasmückenneste.  Nun  überließ  es  die
ganze  Sorge  für  die  Jungen  den  Grasmücken.  Diese  brüteten
  zunächst  das  fremde  Kuckucksei  mit  aus.  Eigentümlicherweise
  verließ  der  junge  Kuckuck  als  der  erste  das  Ei,  etwa  einen
Tag  Später  erst  kamen  die  jungen  Grasmücken  zur  Welt.  Gegen
sie  benahm  sich  nun  der  Pflegebruder  recht  ungebührlich.  Er
zeigte  sich  überaus  gefräßig,  schrie  und  stellte  sich  ungebärdig,
wenn  die  Eltern  mit  dem  Futter  kamen.  So  erhielt  er  fast  alle