34 Sinnesorgane.
und anderes mehr unterstützen ihre Aufgabe. Ohne gesunde Sinnesorgane
keine klaren Vorstellungen in unserem Gehirn, weil die Zuleitung fehlt, und
ohne gesundes Gehirn keine Aufnahmefähigkeit des durch die Sinne Zugeleiteten.
Daher das geistige Zurückbleiben derjenigen Kinder, welche taub oder
blind geboren werden, oder die falschen Eindrücke und Vorstellungen Geisteskranker,
bei welchen das Gehirn trotz normaler Zuleitung durch fehlerlose
Sinnesorgane das Zugeleitete nicht natürlich zu verwerten vermag.
Diese Apparate sind so kunstvoll gebaut, daß beispielsweise nur das
Auge für Lichtstrahlen empfindlich ist, nur das Ohr für Geräusche, obwohl
die uns umgebende Atmosphäre von Reizen aller Art überfüllt ist und an
allen Teilen unseres Körpers nur die gleichen Nervenmassen sich befinden.
Wie schon in einem vorhergegangenen Kapitel ausgeführt wurde, kennen wir
die feineren Vorgänge der Nervenleitung noch nicht; wir verfügen mehr oder
minder nur über (durch Tatsachen noch wenig gestützte) Vermutungen. Auch
hätte eine eingehende Beschreibung der komplizierten Sinnesorgane für unser
Buch keinen praktischen Zweck; wir wollen daher nur die wichtigsten Teile
derselben anführen und den physiologischen Vorgang des Sehens und
Hörens usw. kurz erklären, damit der Leser instand gesetzt wird, sich darnach
einfache natürliche oder krankhafte Vorgänge einigermaßen verständlich zu
machen.
Die Sinnesorgane sind häufig der Sitz von Störungen, sie sind sowohl
für unsere geistige Entwicklung als für unser Fortbestehen im täglichen Kampfe
ums Dasein so wichtig, daß auch das weibliche Geschlecht klare Vorstellungen
und bestimmte Kenntnisse von ihrer Beschaffenheit und ihrer Behandlung
haben muß. Die Augenschwäche nimmt in unserer Zeit immer mehr zu,
feinen Geruch und scharfes Gehör haben nur wenige Menschen. Und warum
dies alles? Einesteils weil die Sinnesorgane häufig Bildungsfehler zeigen,
hauptsächlich aber, weil die allgemeine Nervenschwäche immer weitere Kreise
erfaßt und daher auch die Sinnesnerven an Leistungsfähigkeit einbüßen.
Gerade bei den Frauen ist es notwendig, den Zusammenhang von Blutarmut
und Nervenschwäche mit dem Versagen der Augen, der Zunge, auch des Ohres
verstehen zu lernen, weil sie so häufig darüber klagen.
Ausgesprochene örtliche Erkrankungen besprechen wir in späteren
Kapiteln.
Wir beginnen mit dem Auge. Es ist ein kleiner rundlicher Körper,
dessen vordere Fläche das Sehloch enthält, durch welches die Lichtstrahlen auf
den Augenhintergrund fallen. Dieser ist von größter Bedentung für den Akt
des Sehens, weil er die Verästelung des Sehnerven enthält, der die empfangenen
Eindrücke dem Gehirn zuleitet. Das Sehloch, auch Pupille genannt, besteht
nicht etwa nur aus einer einfachen Offnuung, es besitzt vielmehr komplizierte
Einrichtungen, wie die Regenbogenhaut u. a.