Die Reichsbank im Weltkriege 79
3 Monate nicht überstieg. Der auf Schatzanweisungen gewährte Zinsfuß
" richtete sich nach der Länge der Laufzeit, indem für längere Fälligkeiten günstigere
Sätze gewährt wurden als für kurzfristige Schatzanweisungen. Vorzugssätze
erhielten Banken und große Vermögensverwaltungen bei Abnahme großer
Beträge und vor allem diejenigen Käufer, die sich verpflichteten, die Schatzanweisungen
später in Kriegsanleihen umzuwandeln.
Eine solche Fundierung der schwebenden Schuld hatte die Reichsfinanzverwaltung
in vollem Einklange mit der Reichsbank von vornherein in Aussicht
genommen. In der Förderung dieser Fundierung erblickte die Reichsbankverwaltung
eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Sie war deshalb unablässig und
mit größtem Erfolge bemüht, für die Unterbringung der Kriegsanleihen Sorge
zu tragen.
Um einer weitestmöglichen Unterbringung der Kriegsanleihen die Wege
zu bereiten, mußte vor allem dafür gesorgt werden, daß die verfügbaren Mittel
des Marktes in größtem Umfange dem Zwecke der Kapitalanlage in Kriegsanleihen
unter Erschwerung anderer Anlagemöglichkeiten vorbehalten blieben.
Die alsbald in die Wege geleiteten Beschränkungen des Börsenverkehrs
sind unter diesem Gesichtspunkte zu beurteilen. Die Börse war in der ersten
Panikstimmung geschlossen worden. Später war dann wieder ein gewisser, allerdings
außeramtlicher Verkehr zustande gekommen. Durch die Schließung erfuhr
Vorbereitung
des Kapitalmarktes
für die Emission
der Kriegsanleihen
der für die Umsätze im Börsenverkehr, besonders für die Geschäfte spekulativer
Art, benötigte Kapitalbedarf eine starke Einschränkung. Das Ausschalten der
amtlichen Stelle für die Vermittlung von Angebot und Nachfrage auf dem Kapitalmarkt
minderte die Gelegenheit zur Anlage. Um Mißbräuchen vorzubeugen,
die sich in dem nichtamtlichen Börsenverkehr herauszubilden drohten, erließ der
Bundesrat die Verordnung, betreffend Verbot von Mitteilungen über Preise von
Wertpapieren usw. vom 25. Februar 1915 (RGBl. S. 111), die in einzelnen
Punkten im Interesse des Effektenhandels später durch weitere Verordnungen
abgeändert worden ist.
Erst seit dem 1. Dezember 1917 bestand wieder ein wenn auch nur beschränkter
Börsenverkehr mit amtlichen Kursfeststellungen.
Neben die Beschränkung des Börsenverkehrs mit dem Ziel, den Geldmarkt
nach Möglichkeit für die Kriegsfinanzierung des Reiches freizuhalten, trat
die Zurückdrängung des langfristigen Geld= und Kapitalbedarfs der staatlichen,