Full text : Die Reichsbank 1901-1925. (2)

Die  Reichsbank  im  Weltkriege  79

3  Monate  nicht  überstieg.  Der  auf  Schatzanweisungen  gewährte  Zinsfuß
"  richtete  sich  nach  der  Länge  der  Laufzeit,  indem  für  längere  Fälligkeiten  günstigere
Sätze  gewährt  wurden  als  für  kurzfristige  Schatzanweisungen.  Vorzugssätze
erhielten  Banken  und  große  Vermögensverwaltungen  bei  Abnahme  großer
Beträge  und  vor  allem  diejenigen  Käufer,  die  sich  verpflichteten,  die  Schatzanweisungen
  später  in  Kriegsanleihen  umzuwandeln.

Eine  solche  Fundierung  der  schwebenden  Schuld  hatte  die  Reichsfinanzverwaltung
  in  vollem  Einklange  mit  der  Reichsbank  von  vornherein  in  Aussicht
genommen.  In  der  Förderung  dieser  Fundierung  erblickte  die  Reichsbankverwaltung
  eine  ihrer  wichtigsten  Aufgaben.  Sie  war  deshalb  unablässig  und
mit  größtem  Erfolge  bemüht,  für  die  Unterbringung  der  Kriegsanleihen  Sorge
zu  tragen.

Um  einer  weitestmöglichen  Unterbringung  der  Kriegsanleihen  die  Wege
zu  bereiten,  mußte  vor  allem  dafür  gesorgt  werden,  daß  die  verfügbaren  Mittel
des  Marktes  in  größtem  Umfange  dem  Zwecke  der  Kapitalanlage  in  Kriegsanleihen
  unter  Erschwerung  anderer  Anlagemöglichkeiten  vorbehalten  blieben.

Die  alsbald  in  die  Wege  geleiteten  Beschränkungen  des  Börsenverkehrs
sind  unter  diesem  Gesichtspunkte  zu  beurteilen.  Die  Börse  war  in  der  ersten
Panikstimmung  geschlossen  worden.  Später  war  dann  wieder  ein  gewisser,  allerdings
  außeramtlicher  Verkehr  zustande  gekommen.  Durch  die  Schließung  erfuhr

Vorbereitung

des  Kapitalmarktes
für  die  Emission
der  Kriegsanleihen

der  für  die  Umsätze  im  Börsenverkehr,  besonders  für  die  Geschäfte  spekulativer

Art,  benötigte  Kapitalbedarf  eine  starke  Einschränkung.  Das  Ausschalten  der
amtlichen  Stelle  für  die  Vermittlung  von  Angebot  und  Nachfrage  auf  dem  Kapitalmarkt
  minderte  die  Gelegenheit  zur  Anlage.  Um  Mißbräuchen  vorzubeugen,
die  sich  in  dem  nichtamtlichen  Börsenverkehr  herauszubilden  drohten,  erließ  der
Bundesrat  die  Verordnung,  betreffend  Verbot  von  Mitteilungen  über  Preise  von
Wertpapieren  usw.  vom  25.  Februar  1915  (RGBl.  S.  111),  die  in  einzelnen
Punkten  im  Interesse  des  Effektenhandels  später  durch  weitere  Verordnungen
abgeändert  worden  ist.

Erst  seit  dem  1.  Dezember  1917  bestand  wieder  ein  wenn  auch  nur  beschränkter
  Börsenverkehr  mit  amtlichen  Kursfeststellungen.

Neben  die  Beschränkung  des  Börsenverkehrs  mit  dem  Ziel,  den  Geldmarkt
  nach  Möglichkeit  für  die  Kriegsfinanzierung  des  Reiches  freizuhalten,  trat
die  Zurückdrängung  des  langfristigen  Geld=  und  Kapitalbedarfs  der  staatlichen,