Metadata : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Zweite Hälfte.

Die  Akademie  im  Jahre  1813.  663

brochen.  Doch  zum  6.  Mai  ı813  heisst  es  in  dem  Protokoll:  »Die
Sitzung  konnte  nicht  gehalten  werden  wegen  Zusammenrufung  der
gesammten  Bürgerschaft  in  Angelegenheiten  des  Landsturms«;  es
war  unmittelbar  nach  der  Schlacht  bei  Gross-Görschen,  und  unter
dem  21.  October  liest  man:  »Die  Sitzung  fiel  aus  wegen  öffentlicher
Feierlichkeiten«;  die  Schlacht  bei  Leipzig  war  geschlagen!  Die
öffentlichen  Sitzungen  sind  regelmässig  gehalten  worden:  am  3.Juli
1813  las  'IrarLLes  seine  Lobschrift  auf  LAGRANGE,  SCHLEIERMACHER
wiederholte  seinen  Vortrag  über  die  verschiedenen  Methoden  des
Übersetzens,  und  Unpen  trug  über  Iphigenie  in  Aulis  nach  alten
Werken  der  bildenden  Kunst  vor;  am  3.  August  wurde  Besser’s
Preisarbeit  über  die  Grösse  der  jährlichen  Vorrückung  der  Nachtgleichen
  gekrönt,  und  KrarrortH,  Unpen  und  Ruporpuı  lasen  Abhandlungen;
  am  24.  Januar  1814,  kurz  nachdem  die  preussischen
Truppen  den  Krieg  nach  Frankreich  getragen  hatten,  las  KLarrortH
in  der  feierlichen  öffentlichen  Sitzung  über  den  Weissstein,  BıEsTEr
über  die  Bejahungswörter  in  der  älteren  französischen  Sprache  und
Tuaer  über  die  Berührungen  der  Naturkunde  mit  der  Landbaukunde.
Uns  muthet  das  heute  etwas  prosaisch  an;  aber  ruhige,  treue  Berufserfüllung
  mitten  im  Lärm  der  Waffen  ist  auch  eine  Bewährung
des  Patriotismus.  Allen  voran  leuchtete  SCHLEIERMACHER;  sein  hohes
Vorbild  wirkte  in  der  Hauptstadt  belebend  und  beruhigend,  ermuthigend
  und  stärkend  —  er  gab  den  Zurückgebliebenen  die  Weihe,
wie  er  sie  den  Kriegern  gegeben  hatte.  Jetzt  sollte  er  auch  in
der  Akademie  die  ihm  gebührende  einflussreichere  Stellung  erhalten.
Das  Amt  des  abwesenden  AncırıLon  jun.  als  Secretar  der  philosophischen
  Klasse  hatte  im  Jahre  1813  AncıLıon  sen.  interimistisch
versehen;  im  Anfang  des  Jahres  1814  erklärte  er  aber  der  Akademie,
dass  sein  Gesundheitszustand  ihm  nicht  länger  erlaube,  statt  seines
Sohnes  zu  präsidiren  und  »dass  die  Besorgung  daher  an  Hrn.  ScuLEiEr-MACHER
  falle«.  Im  August  verzichtete  AncırLon  jun.  definitiv  auf  das
Secretariat,  weil  der  diplomatische  Dienst  ihm  nur  selten  gestatte,
in  Berlin  anwesend  zu  sein.  Die  philosophische  Klasse  schritt  demgemäss
  zu  einer  Neuwalıl  (October  1814).  Es  war  selbstverständlich,
  dass  man  SCHLEIERMACHER  wählte".

24.  Juni  1813  seine  Abhandlung  über  die  verschiedenen  Methoden  des  Übersetzens
las,  waren  nur  acht  Akademiker  zugegen.

I  Die  philosophische  Klasse  bestand  nach  dem  Tode  AncıLLon’s  sen.  und
CastıLton’s  (Beide  starben  iin  Laufe  des  Jahres  1814)  überhaupt  nur  aus  den  drei
Mitgliedern  ANcıLLON  jun.,  SCHLEIERMACHER  und  SAvIGNY.