Metadata : Dokumente aus den russischen Geheimarchiven.

—  172  —

ist,  diesem  neuen  Auftllanınien  von  Deutschfreundlichkeit  die  größte  Aufmerksawmkeit
  zu  widmen.  Das  sicherste  Mittel  der  Gögenwirkung  gegen  die  deutschen
Intriguen  in  Rumänien  wäre  die  schleunigste  Festirrung  der  Ordnung  im  Innern
Rußlands  und  gleichzeitige  Erfolge  an  unserer  Iront,  Die  rumänische  Zensur
läßt  sehr  weni  Nachrichten  aus  Rußland  durch.  Im  aligemeinen  äußern  die
nicht  zahlreichen  Zeitungen  keine  eigene  Meinung.  Sie  drucken  jedoch  aus  der
englischen  und  französischen  Presse  die  Mitteilungen  ab,  nach  welchen  das  neue
Regime  in  Rußland  einen  voch  stärkeren  Schlag  gegen  Deutschland  vorbereiten
soll.  Durch  Vermittlung  Bratianus  versorge  ich  die  rumänische  Presse  mit
allem  Material,  soweit  ich  dasselbe  aus  oflizielen  Quellen  erhalte  und  es  für
die  Veröffentlichung  geeignet  ist.  Es  wäre  wünschenswert,  daß  das  Ministerium
  mich  möglichst  ausführlich  über  die  Lage  in  Rußland  informieren  würde,
damit  ich  dieselbe  bei  der  rumänischen  Regierung  und  der  schwach  informierten
rumänischen  Presse  ins  richtige  Licht  setzen  kann.

(Prawda  vom  2.  Februar  1918.)

Geheimtelegramm  des  Gesandten  in  Rumänien
vom  11.  April  1917.  Nr.  464.

Die  rumänische  Regierung  verfolgt  aufmerksam  und  nicht  ohne  Unruhe
den  Widerhall,  den  die  Petersburger  Märztage  in  der  Stimmung  in  Rumänien
finden.  Man  fühlt  «lie  Befürchtung;  daß  die  verstärkte  germanophile  Propaganda
  die  gegenwärtig  erhöhte  Nervositiit  der  Bevölkerung  dazu  beuutzen
könnte,  Aufruhr  im  Lande  anzustiften.  Ein  sichtliches  Resultat  dieser  Befürehtungen
  der  Regierung  ist  die  Rede  des  Königs  an  die  Soldaten  der  2.  Armee
in  Bakau,  die  die  Agentur  an  die  russische  Presse  weitergegeben  hat.  Der
König  hat  in  dieser  Rede  feierlich  das  bereits  im  Jahre  1914  gegebene  Versprechen
  wiederholt,  indem  er  sagte:  »Ihr  werdet  Land  erhalten,  ich  werde  der
Erste  sein,  um  in  diesem  Sinne  ein  Beispiel  zu  geben.  Ihr  werdet  gleichfalls
eine  ausgedehnte  Teilnahme  an  öffeutlichen  Angelegenheiten  erhalten.«  Die
Presse  und  die  öffentliche  Meinung,  die  konservative  nicht  ausgeschlossen,  die
sich  einstweilen  ablehnend  gegen  die  projektierte  Bodenreform  verhält,  begrüßten
  die  Rede  des  Königs  sympathisch  und  erkannten  an,  daß  sie  zeitgemäß
sei.  Aus  vielen  Gesprächen  mit  Bratianu  und  anderen  Mitgliedern  der  Regierung
  schließe  ieh.  daß  sie  Unruhen  in  Bälde  nicht  erwarten,  ernstlich  jedoch  für
die  Monate  Mai  und  Juni  fürchten,  wenn  Rußland  bis  dahin  Rumänien  mit
Lebensmitteln  nicht  zu  Hilfe  gekommen  ist.  da  die  Regierung  voraussieht,  daß
ılie  Bevölkerung  dann  zu  hungern  aufangen  wird,  wodurch  die  Hungertypbusepidemie,
  die  bereits  jetzt  bei  den  rumänischen  Truppen  und  bei  einem  Teil  der
Bevölkerung  wütet,  noch  verstärkt  werden  würde:  diese  Tefürchtungen  sind  in
diesem  Fall  um  so  mehr  begründet,  als  die  Regierung  sich  machtlos  fühlt,  «er
deutschen  Propaganda,  die  sich  bemüht,  im  Lande  Unruhen  zu  stiften,  Widerstand
  zu  leisten.  Ich  nehme  an,  daß  die  Ruhe  an  der  I’ront  hauptsächlich  von