Full text : Regierungsblatt für das Königreich Württemberg vom Jahr 1843. (20)

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so  muß  sie  unter  Beihülfe  besonders  zu  verpflichtender,  der  Zeichensprache  kundiger,  Männer
geschehen,  deren  wo  möglich  zwei  beizuzlehen  find.
Art.  126.

Die  Vernehmung  bat  sich  nicht  bloß  auf  alle  Umstände  der  That,  sondern  auch  auf  vie
persönlichen  Verhältnisse  des  Verdächtigen  zu  erstrecken.

Steht  ein  zu  letzteren  gehörender  Gegenstand,  z.  B.  das  Gewerbe,  der  letzte  Aufenthaltsort,
  mit  der  Anschuldigung  in  besonderem  Zusammenbang;  so  sind  alle  darauf  sich  beziehenden
Umstaͤnde  genau  zu  erforschen.

Auch  muͤssen  Landstreicher  und  berüchtigte  Verbrecher  über  ihren  früheren  Lebenswandel
umständlich  befragt  werden.  .

Art.  127.

Das  Verhör  über  die  Sache  selbst  kann  damit  eingeleitet  werden,  daß  der  Verdächtige
zunächst  im  Allgemeinen,  z.  B.  nach  den  Gründen,  aus  welchen  er  vorgeladen  oder  verhaftet
worden  seyn  möge,  nach  seinem  Wissen  von  dem  Vorfalle  überhaupt,  nach  einzelnen  mit  dem
gegen  ihn  vorliegenden  Verdacht  in  Verbindung  stehenden  Umständen,  befragt  wird.

Art.  128.

Ist  der  Verdächtige  hievurch  nicht  zu  vermögen,  sich  auf  die  Beschuldigung  einzulassen;
so  soll  ihm  solche  zwar  namhaft  gemacht,  jedoch  von  den  Umständen  der  That  nur  so  viel  angegeben
  werden,  als  unumgänglich  nöthig  ist,  um  ihn  von  der  Beschuldigung  in  Kenntniß  zu
setzen.

Art.  129.

Läßt  sich  der  Verdächtige  zu  einem  Bekenntnisse  an;  so  soll  er  aufgefordert  werden,  den
Vorgang  umständlich  und  zusammenhängend  anzugeben.  Der  Untersuchungerichter  hat  ihn
biebei  so  wenig  als  möglich  zu  unterbrechen,  nach  geendigter  Erzählung  aber  denselben  zur
etwa  nöthigen  Aufklärung  und  Ergänzung  aller  in  jener  noch  bemerkbaren  Unbestimmtheiten,
Dunkelheiten  und  Lücken  anzuhalten,  und  mit  dem  Verhör,  wo  möglich  Unausgesetzt,  bis  zu
Erschöpfung  ver  Sache  fortzufahren.

Art.  150.

Erfolgt  bei  der  ersten  Vernehmung  ein  unumwundenes,  vollständiges  und  glaubwürdiges
Bekenntniß  der  Schulo;  so  bedarf  es  keines  weiteren  Verhörs,  um  ein  wiederholtes  Geständniß
  zu  erhalten.  "