Contents : Preußische Geschichte. Erster Band. (1)

142  Erstes  Buch.  Die  Elemente  deo  preußischen  Staates  (bis  1590).

Siegmund  gelang,  den  rheinischen  Kurfürstenbund  zu  sprengen.
Keinem  seiner  Verbündeten  hatte  er  das  Schuldige  geleistet:
alle  wünschten  ihm  das  heimzuzahlen.  Die  Gelegenheit  dazu
fand  sich  bald.

Auf  Grund  der  Ehe  seines  ältesten  Sohnes  Friedrich  mit
Barbara,  Herzog  Rudolfs  Tochter,  nahm  er  nach  dem  kinder—
losen  Tod  von  Rudoljs  Bruder  Albrecht  von  dem  Herzogtum
Sachsen  Besitz.  Siegmund  aber  verlieh  es  im  Januar  1425
Friedrich  von  Meißen.  Sollte  der  Hohenzoller  an  die  Waffen
appellieren?  Dann  wären  mit  dem  Wettiner  von  Meißen  und
dem  Kaiser  alle  seine  Widersacher  im  Felde  erschienen.  Die
Pommern  und  die  Mecklenburger  würden  sich  beeilt  haben,  ihre
Unabhängigkeit  sicher  zu  stellen.  Dabei  konnte  er  auch  auf
Polen  nicht  mehr  rechnen.  Eilte  Wladislaw  II.  doch  das  Unrecht,
das  er  durch  Begünstigung  der  Hussiten  begangen,  durch  ein
Bündnis  mit  Siegmund  wieder  gut  zu  machen.  So  stand  dieser
an  der  Spitze  einer  Koalition,  die  alle  norddeutschen  Gegner
Friedrichs  mit  dem  Polenkönig  und  Erich  von  Pommern  einigte.
Und  schon  war  der  schlaue  Luremburger  dabei,  mit  dem  polnischen
Verlöbnis  den  letzten  Rückhalt  Friedrichs  zu  Fall  zu  bringen.
Da  suchte  dieser  einen  Ausweg  (Jannar  1424)  durch  Anschluß
an  den  Bingener  Bund  der  Kurfürsten,  der  zwar  Siegmund
im  Reichsregiment  von  sich  abhängig  machen,  aber  doch  auch  im
Interesse  des  Hussitenkrieges,  der  über  alle  diese  Wirren  ganz
in  Stillstand  geraten  war,  zwischen  ihm  und  dem  König  ver—
mitteln  wollte.  Aber  Siegmund  verlangte  Auflösung  des  pol—
nisch-brandenburgischen  und  des  Bingener  Bündnisses  und  Auf—
hebung  des  polnischen  Verlöbnisses,  das  heißt  Unterwerfung  auf
Gnade  und  Ungnade.  Als  Friedrich  das  ablehnte,  ließ  er  ihn
wegen  seines  Streites  mit  Ludwig  von  Bayern-Ingolstadt  vor
das  Hofgericht  laden  und  machte  —  ein  Akt  ärgster  Perfidie!  —
dem  Polenkönig  und  seinem  litauischen  Vetter  die  bisher  ge—
heim  gehaltenen  Urkunden  über  die  Belehnung  Friedrichs  mit
der  Mark  bekannt,  um  zu  beweisen,  daß  der  Hohenzoller  gar
nicht  Herr,  sondern  nur  Pfandbesitzer  derselben  sei  und  jeden
Tag  wieder  daraus  entfernt  werden  könne.

Alles  schien  sich  gegen  Friedrich  verschworen  zu  haben.