126 29. Erste Forderung für die China-Expedition.
spreche ich nur den Intentionen meines Allergnädigsten Herrn. Denn Seine
Majestät der Kaiser sind überzeugt, daß in dem vertrauensvollen Zusammenwirken
aller Glieder des Reichs die Stärke unseres geliebten Vaterlandes
begründet liegt. Ich schätze mich glücklich, zu der hohen Aufgabe berufen
zu sein, in meinem neuen Amte zusammen mit Ihnen dieses Einvernehmen
zu pflegen und zu fördern, und ich spreche dabei die Bitte aus, mich hierin
mit Ihrer reichen Erfahrung, Ihrem für mich so wertvollen Rate und Ihrem
Wohlwollen zu unterstützen. Und so lassen Sie nns denn, meine Herren,
nunmehr freudig und mit gegenseitigem Vertrauen an die Arbeit gehen!
Der Königlich bayerische Gesandte, Graf von Lerchenfeld-Köfering, drückte
darauf die volle Befriedigung seiner Regierung über die Ernennung des Grafen von
Bülow und ihr Vertrauen zu dessen Person mit dem Bemerken aus, daß er im Sinne
auch der übrigen Bundesstaaten spreche.
29. Erste Forderung für die China-Expedition.
Sitzung des Reichstages vom 19. November 1900.
Zur ersten Beratung steht ein dritter Nachtrag zum Reichshaushaltsetat für das
Rechunngsjahr 1900; er enthält die erste Forderung für die Expedition nach China in
Höhe von 152 770 000 Mark, die im Wege des Kredits flüssig gemacht werden sollen;
soweit Ausgaben für diesen Zweck bereits gemacht worden sind, werden sie nachträglich
auf diesen Kredit bewilligt. So der Gesetzentwurf. Die einzelnen Positionen sind:
1. Ausgaben bei der Verwaltung des Heeres 119 800 000 Mark; — 2. bei der Verwaltung
der Marine 28837000 Mark; — 3. bei der Post= und Telegraphenverwaltung
3 800 000 Mark; — 1. Pensionen, Witwen= und Waisengelder 243 000 Mark;
— 5. Kosten einer Medaille für die Teilnehmer an der Expedition 70 000 Mark. Die
einzelnen Ansätze entsprechen dem Bedarfe bis zum 31. März 1901.
In der Begründung des Gesetzentwurfs heißt es: „Bei der Eigenartigkeit des
ostasiatischen Unternehmens und der dadurch bedingten Unsicherheit in der Schätzung
der Kosten kaun es sich zur Zeil nur darum handeln, die allgemeine Ermächtigung
zur Leistung der nötigen Ausgaben zu erlangen. Diese wird in der Form eines Nachtragsetats
nachgesucht, um wenigstens diejenige Gliederung der Ausgaben zu bieten,
die gegenwärtig möglich ist.“
Der Vorlage ist eine ausführliche Denkschrift beigefügt über die politische Notwendigkeit
der Expedition, über die Maßnahmen beim Heere, bei der Marine, bei der
Post= und Telegraphenverwaltung, über die Stiftung einer Medaille für die an den
Kämpfen in Ostasien teilnehmenden Personen und über die Finanzierung. Außerdem
sind Anlagen beigegeben über die ursprüngliche Gliederung des Expeditionskorps und
über die Kriegsgliederung des verstärkten ostasiatischen Korps; eine Uebersicht über die
voraussichtlichen Kosten des Personen= und Materialtrausportes durch die Schiffe des