Full text : Fürst Bülows Reden. 1. Band 1897-1903. (1)

März  1901.  197

wie  der  Kaufleute  und  Handeltreibenden  bei  erster  sich  darbietender  Ge—
legenheit  wieder  in  die  ernstlichste  Gefahr  geraten  sollten;  und  es  war
meines  Erachtens  auch  vollständig  in  der  Ordnung,  daß  dieses  Mal  die
wirklichen  Schuldigen  gefaßt  worden  sind,  und  wenn  es  auch  Mandarinen
mit  so  und  soviel  Knöpfen  waren
(Heiterkeit),

und  nicht,  wie  früher  häufig  bei  ähnlichen  Anlässen,  an  den  Ereignissen
gar  nicht  beteiligte  unschuldige  Strohmänner.

Was  die  Art  und  Weise  der  Bestrafung  betrifft,  so  muß  man  sich
da  richten  nach  den  Sitten  und  Gebränchen  der  verschiedenen  Länder.
China  besitzt  nun  einmal  besondere  Eigentümlichkeiten  und  besondere
Traditionen  auch  auf  dem  Gebiete  des  Justizwesens

(Heiterkeit),
und  man  muß  sich  vor  allem  richten  nach  den  Vorschlägen  und  nach  den
Anschauungen  derjenigen,  die  an  Ort  und  Stelle  die  Verhältnisse  kennen
und  in  der  Lage  sind,  die  Verhältnisse  an  Ort  und  Stelle  richtig  beurteilen
  zu  können.

Mit  der  Frage  der  Bestrafungen  hängt  zusammen  die  Frage  der
Errichtung  eines  Sühnedenktmals  für  unsern  ermordeten  Gesandten,
den  Freiherrn  von  Ketteler.  In  dieser  Bezichung  sind  bereits  die  Vorarbeiten
  für  die  Errichtung  des  Denkmals  in  Peking  an  der  Stätte  des
Mordes  eingeleitet  worden.

Die  chinesische  Regierung  hat  sich  ferner  bereit  erklärt,  eine  Sühnemission
  unter  Führung  eines  Kaiserlichen  Prinzen  ohne  Verzug  nach
Berlin  zu  senden.  Wir  haben  es  indessen  abgelehnt,  den  Prinzen  zu
empfangen,  bevor  nicht  die  Ordnung  der  Verhältnisse  in  China  selbst
erfolgt  ist.  Ich  habe  in  dieser  Beziehung  vor  einigen  Tagen  das  nachstehende
  Telegramm  nach  Peking  gerichtet:

Seiner  Majestät  ist  Prinz  Tschun  genehm
—  das  ist  der  für  die  Leitung  der  Mission  in  Aussicht  genommene
Prinz  —
auf  Grund  von  Eurer  Hochwohlgeboren  über  die  Stellung  des
des  Prinzen  gegebener  Aufflärung.  Die  Sühnemission  kann
aber  selbstredend  erst  zur  Ausführung  kommen,  nachdem  China
sich  den  Kollektioforderungen  der  Mächte  konformiert,  d.  h.  dieselben
  entweder  ausgeführt  oder  die  Ausführung  sichergestellt
haben  wird.  Es  würde  eine  Rücksichtslosigkeit  von  chinesischer
und  —  was  für  uns  noch  mehr  in  Betracht  kommt  —  von
deutscher  Seite  gegenüber  den  anderen  Mitkontrahenten  sein,