Volltext : Deutsche Heerführer im Kriege 1914. Band 1. (1)

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Reicheltwiese  mit  Führer  und  Gespann  versunken  sein  soll,  ohne  daß  je
wieder  etwas  davon  zum  Vorschein  gekommen  ist.  ·

Weshalb  nun  aber  all  die  folgenden  Spukgestalten  ½  erscheinen
müssen,  ob  sie  ungesühnt  Freveltaten  begangen  haben  oder  ein  Unglück
sie  betroffen  hat,  darüber  konnte  ich  nichts  Bestimmtes  erfahren  und
zähle  sie  deshalb  nur  kurz  auf.  Auf  der  Straße  zwischen  Th.  und  Ehr.
erscheint  dem  einsamen  Wanderer  ein  übergroßer  Mann  und  bringt  ihn
vom  Wege  ab.  Auf  der  Brücke  über  den  Greifenbach  zwischen  Gey.
und  Ehr.  kann  der  Mensch  nachts  12  Uhr  nicht  vorwärts,  bei  Gornau
in  der  Nähe  von  vier  alten  Linden  erscheinen  Irrlichter  und  ein  Leichenzug,
bei  Di.  läßt  sich  nachts  12  Uhr  ein  Ziegenbock  sehen,  der  aber  verschwindet,
wenn  der  Wanderer  ein  Vaterunser  betet,  bei  Kö.  erscheint  ein  Fuhrmann,
  der  mit  der  Peitsche  knallt,  im  Wäldchen  beim  Haselbrunnen  tanzen,
wenn  der  Wind  geht,  schwarze  Herren  mit  weißen  Damen  (Nie.  Mitt.
II,  319),  auf  den  Elendwiesen  bei  Th.  erscheint  ein  Leichenzug,  auf  dem
„Richterbluter“  in  Drehbach  ein  Gerippe,  im  Harthauer  Steinbruch  eine
Frau  mit  blauem  Kopftuch,  im  Saubach  und  im  Hofbusch  bei  Schl.,
sowie  an  den  Brünlasteichen  und  vielen  anderen  Orten  kommen  Reiter
ohne  Kopf  des  Weges  daher,  nach  der  Volksmeinung  unbeerdigt  gebliebene
Soldaten  aus  dem  großen  Kriege  und  Ritter,  die  hartherzig  gegen  ihre
Mitmenschen  waren;  in  der  Bergschenke  bei  Klaffenbach  kommt  ein
Pferd  ohne  Reiter,  auf  dem  alten  Raubschloß  Katzenstein  sieht  man  bei
hellem  Mondenschein  eine  alte  Frau  klagend  die  Mauerreste  abkehren,
bei  der  Ruine  Niederlauterstein  bei  Zö.  mitttags  12  Uhr  eine  weiße  Frau,
die  Wäsche  aufhängt.  Auf  dem  Hüttenfelde,  einer  Waldlichtung  bei
Zö.  springt  dem  einsamen  Wanderer  nachts  12  Uhr  ein  schwarzer  zottiger
Hund  mit  feurigen  Augen  und  heraushängender  Zunge,  im  Volksmunde
der  „Hüttenmatz“  genannt,  auf  den  Rücken  und  läßt  sich  eine  Strecke
Wegs  tragen.  Schwere  Krankheit  ist  die  Folge  davon.  Ebenso  erkrankt
der,  dem  im  Thesenbusche  bei  Zö.  der  weiße  Hase  erscheint.  Auf  dem
Kreuzwege  beim  Huthaus  im  Hüttengrunde  bei  Ma.  liegt  der  „Bergminch“,
  ein  schwarzer  Hund  mit  feurigen  Augen.  Zwischen  Sehma  und
Cunersdorf  steht  eine  vom  Blitz  getroffene  Fichte,  in  der  ein  weißer
Pudel  wohnt.  Dieser  zeigt  das  gleiche  Gebaren  wie  der  Hüttenmatz,
doch  läßt  er  sich  bis  zum  nächsten  Kreuzweg  tragen.  Lange  bleiben
die  Spuren  seiner  Krallen  sichtbar.

Als  Aufenthaltsorte  der  ruhenden  Seelen  dachten  sich  unsere
Vorfahren  im  allgemeinen  die  Berge  und  Wälder,  Flüsse  und  Quellen;
denn  nicht  immer  fuhren  die  Seelen  der  Gestorbenen  im  Winde  einher,
auch  sie  waren  gleich  den  Menschen  der  Ruhe  bedürftig.  Und  auch
heute  noch  ist  für  den  Deutschen  die  ganze  Natur,  seine  nächste  Umgebung
mit  Lebewesen  erfüllt,  denen  er  eine  im  allgemeinen  von  ihm  nicht  viel

1)  Vgl.  hierzu:  Sagenbuch  des  Königreichs  Sachsen.  Von  Dr.  A.  Meiche.
Leipzig  1903.  Das  Werk  ist  eine  völlig  umgearbeitete  dritte  Auflage  von  Gräßes
„Sagenschatz  des  Königreichs  Sachsen“.  Reuschel,  „Über  die  Volkssagen  des  Königreichs
  Sachsen“  (Wissenschaftl.  Beilage  der  Leipziger  Zeitung  1903,  12.  13.).  Sagenbuch
  des  Erzgebirges.  Von  Dr.  Köhler.