242 Geschlechtsleben.
etwas empfindlicher sind; kommt dann eine wirkliche Erkältung hinzu (siehe
Heilkunde unter „Erkältung“), ist der Stoffwechsel vielleicht kein allzu kräftiger,
oder ist die Betreffende durch zu warme Kleidung verweichlicht und hat sie
keine durch Luftbäder gestählte Haut, dann kann es allerdings zu einer akuten
Krankheit mit heftigen Symptomen kommen.
Die Erfahrung und der Volksglaube sind nicht ohne weiteres von der
Hand zu weisen! Frauen, deren Sohlen niemals unbekleidet den Erdboden
berühren, deren Haut häufig überhitzt ist, können bei plötzlicher Abkühlung
während der Periode, bei nassen Füßen u. dgl., während eines Spazierganges,
sich wohl „erkälten“. Infektionskrankheiten anzunehmen, die uns von
außen anfliegen, ohne daß wir selbst Veranlassung dazu gegeben, hat wenig
Sinn; denn es stimmt mit der Erfahrung nicht und wirkt auch nicht erziehlich.
Lehren wir aber, den Körper so zu erziehen und zu stählen, daß er
widerstandsfähiger wird, dann kümmern uns auch die Krankheitskeime mit
den verschiedenen Infektionskrankheiten nicht, weil sie ihre Macht über uns
verloren haben.
Siehe zwei Beispiele: Zwei Frauen, beide mit Menstruation behaftet,
machen einen Waldspaziergang, werden von einem Gewitter überrascht und
tüchtig naß. Die eine, verweichlicht und äugstlich, auch bei großer Hitze
mit Strümpfen und hohen Schuhen, sowie dem unentbehrlichen Korsett
angetan, sieht schon alle Todeskrankheiten vor sich, die sie sich heute „holen“
wird; die andere, abgehärtet und nicht ängstlich, hat nur Sandalen ohne
Strümpfe an, aus welchen das Himmelswasser nun ungehindert rinnt; ihre
lockere Bluse durchnäßte sofort den Rücken, weil kein schützender Panzer
darunter war. Sie lacht aber und ermahnt, nur tapfer auszuschreiten,
um kein Frösteln bei der zunehmenden Nässe aufkommen zu lassen. Es
gelingt ihr dies auch, und sie kommt trotz der triefenden Kleider warm
zu Hause an. Dort frottiert sie trocken den ganzen Körper, legt rasch
trockene Kleider an und läßt sich ihr Nachtessen in bester Laune schmecken.
Der Blutabgang war zwar ins Stocken geraten, teils durch die Erhitzung
beim raschen Gehen, teils durch das kalte Regenbad, das sie freiwillig
gerade während dieser Tage nicht genommen hätte; am nächsten
Morgen aber stellt sich die Menstruation, nachdem sie nachts infolge warmer
Bedeckung etwas geschwitzt hatte, wieder ein, und ihr Wohlbefinden blieb
ungestört.
Die Genossin kam zähneklappernd teils vor Kälte, teils vor Aufregung
zu Hause an, legte sich fürsorglich zu Bett und war fest überzeugt, nach so gräßlichem
Erlebnis krank werden zu müssen.
Und wirklich. Am nächsten Morgen nach unruhiger Nacht: schwerer
Kopf, erregte Stimmung und zunehmendes Fieber. Der Arzt wird schleunigst
geholt. — Welche schreckliche „Infektionskrankheit“ wird die Bedauernswerte
wohl erfassen? Man muß nur wissen, welch fürchterliche Krankheitskeime