Wieder in Potsdam als Referendar 43
Bismarck um die Erlaubnis zum Ubergange nach Stettin; die
Regierung in Potsdam fand nichts zu erinnern.
Bismarck schildert diese Episode in Potsdam nicht gerade
in rosigen Farben (an Scharlach 9. Januar 1845): „Im Fruͤhjahr
machte ich einen sechswöchentlichen Versuch, eine andere Krankheit,
eine an Lebensüberdruß grenzende Gelangweiltheit durch
alles, was mich umgiebt, zu heilen, indem ich mich durch besondere
Vergünstigung eines unserer Minister als Volontär
wieder im Staatsdienst beschäftigen ließ, und die angestrengte
Arbeit in der insipiden und leeres Stroh dreschenden Schreiberei
unserer Verwaltung, als eine Art von geistigem Holzhauen betrachtete,
um meinem theilnahmlos erschlafften Geist wieder etwas
von dem gesunden Zustande zu geben, den einförmige und regelmäßige
Thätigkeit für den Körper herbeizuführen pflegt. Aber
theils war mir die krähwinklige Anmaßung oder lächerliche Herablassung
der Vorgesetzten nach langer Entwöhnung noch fataler,
als sonst, theils nöthigten mich häusliche Verhältnisse. .. die Verwaltung
meiner Güter wieder selbst zu übernehmen.“ Aus allem
darf man schließen, daß am 17. Juni die Sachen nicht ganz glatt
verlaufen sind, da Bismarck bei keinem seiner Vorgesetzten persönlich
erschien, sondern den schriftlichen Weg wählte. Die Sage
berichtet, der tüchtige, aber despotische Oberpräsident von Meding
habe Bismarck, als er um Urlaub zu erbitten gekommen war,
nach seiner Weise warten lassen, woraufhin Bismarck dem alten
Portier den Auftrag gegeben: „Sagen Sie dem Herrn Oberpräsidenten
von mir, ich wäre fortgegangen, aber ich käme auch
nicht wieder.“ Auch wurde erzählt, kurz nachher sei Bismarck
bei einem Berliner Essen als erster Gast erschienen, als zweiter
Meding. Auf die Frage des Wirtes: „Ich weiß nicht, ob sich
die Herren kennen“, habe Bismarck versetzt: „Ich habe nicht
die Ehre“ und nach der Vorstellung zu seinem hohen Vorgesetzten
lächelnd gesagt: „Freut mich sehr“.
Im August desselben Jahres ging er gesundheitshalber nach
Norderney. Auf der Hinreise hoffte er seinen alten Freund
Scharlach wiederzusehen. Er fand ihn aber am 4. August nicht
in Hannover und schrieb deshalb nach Hildesheim: „Aus dem