Metadata : Kriegführung und Politik.

Die  Unabhängige  Sozialdemokratie.  133

Druck  der  Masse  nicht  gefolgt.  Er  blieb  in  seinem  bisherigen  Lager
und  vertrat  weiter  unter  Verneinung  des  Vaterlandes  ohne  jede
Hemmung  die  internationale,  proletarische  Weltanschauung.  Ihm
kam  es  darauf  an,  den  Klassenkampf  mit  aller  Schärfe  fortzusetzen
und,  wie  es  später  hieß,  die  Diktatur  des  Proletariats  den  anderen
Teilen  der  Bevölkerung  aufzuzwingen.  Er  erkannte,  daß  es  sich  hier
um  eine  reine  Machtfrage  handelte,  und  daß  sie  nur  dann  zugunsten
des  Proletariats  entschieden  werden  könnte,  wenn  es  „aktionsfähig“
und  einheitlich  geleitet  gegen  den  „Feind  im  eigenen  Lande“  eingesetzt
  wurde.  „Einen  anderen  Ausweg  aus  dem  Kriege  als  die
revolutionäre  Erhebung  des  internationalen  Proletariats  zum
Kampfe  um  die  Macht  gibt  es  nicht“,  heißt  es  in  einem  Flugblatt.

Zur  Entscheidung  dieser  Machtfrage  war  die  Vernichtung  des
„Militarismus“  Voraussetzung.  In  allen  Staaten  sollte  nach  den
Ansichten  des  internationalen  Proletariats  „der  Feind  im  eigenen
Lande“  vernichtet  und  das  Proletariat  zum  Siege  geführt  werden.
Die  meisten  Staaten  waren  aber  von  vornherein  auf  der  Hut.  In
Frankreich  wurde  die  Bewegung  1917  mit  rücksichtsloser  Gewalt
niedergeworfen.  Nur  in  Österreich-Ungarn,  Deutschland  und  Rußland
  konnten  die  Gedanken  sich  ungestört  verbreiten.  Das  internationale
  Proletariat  dieser  Länder  handelte  in  gegenseitiger  Übereinstimmung.
  Es  erstrebte  als  Vorbedingung  zur  Vernichtung  des
„Militarismus"  die  Niederlage  der  bewaffneten  Streitkräfte  seines
Landes.

Die  Bestrebungen  dieses  Teiles  der  deutschen  Sozialdemokratie
deckten  sich  mit  den  Zielen  des  Feindes,  gegen  den  Volk  und  Heer
rangen.  Wir  hatten  es  also  in  Deutschland  mit  einer  hoch-,  landesund
  kriegsverräterischen  Bewegung  zu  tun,  die  unmittelbar  den
Bestand  des  Heeres  und  das  Dasein  des  Vaterlandes  bedrohte.

Die  Träger  dieser  Bewegung  sonderten  sich  erst  im  März  1916
von  der  sozialdemokratischen  Partei  ab  und  bildeten  die  sozialdemokratische
  Arbeitsgemeinschaft  und  im  April  1917  die  Unabhängige
  Sozialdemokratische  Partei  Deutschlands.  In  ihr  war  der
jüdische  Volksstamm  besonders  stark  vertreten.  Die  neue  Partei
blieb  in  engster  Verbindung  mit  der  sozialdemokratischen  Partci,