Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

60.  Jahrgang

Rosenheimer  Anzeiger

253

 

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und  Feiertage)

-ert,  14  Pfg.  monatlich.  —

 

Der  „Heshee  m  dem  kexilich  und  Uustratto  1r,  rusgeseee  achtseltigen
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Es#icl  1.  November  1914

 

 

39  Pfenro;  bei  Wiederholungen

 

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Rosenheimer  Tagblalt

Amtlliches  Publikalsions--Organ

E—  Veter  Nosend#m,  Müncchen

nn  für  Aufnahme

 

Nürnder,  Berlin,  Vern,  Themutg  Dr##rfurt,  Granftu#t  #.  E————————————
#bdie  lausende  Toges#####  nicht  mehr  garunfiert  werben.  Fü##  chlechtgeschricben  Man#ustript  wird  leine  Berumortung  ab#######.G

Der  Krieg  zwischen  der  Türkei  und  Rußland.

Das  Ningen  um  dixmuldcn.  —  Das  erschöpfte  Decr  der  verbündetcn.  —  vortreiriicher  Gelundheltszustand  unferer  Truppen.  —  die  verteidigung
  Tlingtaus.  —  denislion  des  erstcn  Lords  der  englischen  Admiralitdt.  —  74000  Gelangenc  in  Oesterrcich.  —  dic  vernichtung  des
rulTischen  Rreuzcrs  „Schemischuy“.  —  Kampflosc  Gelangennahme  elnes  ferbischen  Keglmems.  —  Serbien  vor  dem  friedensschluß.  —  die

Fcindrellgkeiten  zmischen  der  Türkel  und  Rußsland.

Das  große  NRingen  um  da:  belgisch  französische
  Kuftengebiet  dauert  immer  nog  an.
Die  blutigen  Kämpfe  werden  mit  unvermin
derter  Kampfeswut  unsererseite  fortgesent.  Es
geltt  langsam  vorwärts,  aber  täglick  lönnen
wir  neue  Ersolge  verzeichnen.  Der  letzte  Vericht
  aus  dem  Großen  Hauptquarkie:  ist  abermals
  cine  Beslätigung  dafür.

Sehr  bemerkenswert  sind  die  Vorgänge  bei
Verdun.  Der  militärische  Mitarbeiter  des
„Berl.  Lok.-Anz.“  urlieilt  über  diese  Erfolge:
Wir  haben  es  wiederum  mit  einem  verunglückten
  Entsahversuch  zu  tun,  dessen  Scheitern
für  die  Franzosen  um  so  unangenehmer  sein
muß,  als  die  Hauptitellung,  aus  der  diese
Belätigungen  kamen,  nunmehr  genonenen  und
damit  unschädlich  #r  gemacht  wurde.  Der  moralische
  Einfluß  dieses  verunglückten  Entsatzversuches
  wird  in  Verdun  besonders  groß  sein,
wenn  man  erfährt,  wie  sehr  der  Verkuch  scheilerte
  und  daraus  die  Schlußfolgerung  zieht,
daß  meitere  Entsatzversuche  nunmehr  wohl  vollig
  aussichtslos  und  damit  auch  unwahrschein:
licher  sind  als  je  zuvor.  Daß  jenzt  noch  aus
der  Richtung  des  Argonnenwaldes  Aursicht
auf  Unterstützung  sei,  kann  der  Verteidiger  von
Verdun  kaum  annehmen,  denn  auch  dort  hat
die  deutsche  Offensive  einen  immer  entschiedeneren
  Charakter  angenommen.  Waren  unsere
Leute  anfänglich  zujrieden,  wenn  es  ihnen  im
heißen  Kampfe  gelang,  einige  Fuh  Gelände  zu
crobern,  so  nahmen  sie  vor  einigen  Tagen
Schützengräben  mit  Gefangenen  und  beschenlien
uns  jetzt  schon  mit  Schützengräben  und  Maschinengewehren.
  Die  Schlußfolgerung  liegt  auf
der  Hand.  Unser#  Offensive  in  dem  Waldgebirge
  wird  energischer,  die  Defensive  des  Feindes
  lahmer.  Was  diese  Tatsache  für  das  belagerte
  Verdun  bedeutet,  wird  deien  Kommandant
  wohl  wissen.  Es  bedeutet  nämlich:  Ebensowenig
  Auesicht  auf  Entsatz  vom  Westen  wie
vom  Osten  und  damit  dase  Ende  aller  Emssatz
aussichten,  da  Touls  Entsatzversuche  vom  Süden
  her  längst  gescheitert  lind.

Vom  östlichen  Kriegsschauplatz  liegen  nähere
  Meldungen  nicht  vor.  Die  Neugruppierung
der  deutschen  und  österreichischen  Heerc  ist  noch
im  Zuge.  Die  Besorgnis  um  Warschau  veranlaßte
  das  russische  Oberkommando,  mit  allen
rerfügbaren  Kräften  im  Raume  Iwangorod=Warschau
  eine  Entscheidung  erzwingen  zu  wollen
  und  zu  diesem  Zwecke  an  verschiedenen
Stlellen  der  Weichsel  überzusetzen.  Die  deutschen
  und  österreichischen  Armeen  batten  sich  daher
  zu  entschließen  und  die  Schlacht  in  einem
Raume  anzunehmen,  denen  ihnen  der  hier  an
Jahl  überlegene  Gegner  diktierte,  dder  aber
die  Truppen  rechtzeitig  zurückzunehmen,  un
später  in  einem  ihnen  mehr  sagenden  Gebiet
den  Feind  zur  Schlacht  zu  zwingen.  Sie  entschieden
  sich,  bevor  die  beiderseitigen  Hauptkräfte

 

Rumänien  und  bulgarien.

sich  noch  ineinander  verbeißen  konnten,  zu  leterer
  Mahnahme.  Die  Neugruppierung  der
deutschen  und  öflerreichischen  Heere  im  Weich
selgebiet  vor  Annahme  der  Entst=  cheid  unge
schlacht  war  also  aus  höheren  Kratensschen  und
taktischen  Rücksichten  eine  gebotene  Not'erdin
leil.  Sie  zeugt  von  ciner  weisen  Voraussiücht,
mit  den  zur  Verfügung  siehenden  Kräften  10
lange  haus  zuhalten,  bis  deren  rücsichte  Aluoles
Einsetzen  ein  unabwendbares  Muß  wird.

Im  Vordergrund  stehen  weiter  oi#e  Ercigniise
  auf  dem  Schwarzen  Meere.  Di:  Meldung
der  Petersburger  Telegraphen-Agentur,  daß
türlische  Schifse,  friedliche  Schifse  und  friedliche
  Städte  plötzlich  überfallen  und  zusammen:
geschossen  haben,  dürfte  wohl  eine  lleime  o#
geschichte  haben,  die  die  russische  Telegrapt  en
Agentur  aus  begreiflichen  Grunden  ihren  Ft4
sern  vorenthält,  denn  ohne  jeden  Grund  werden
die  würlischen  Schisse  die  russischen  Hafen  %
beschossen  haben.  Man  wird  nicht  jehlner
wenn  man  annimmt,  daß  das  BZ#  d
nicht  der  Anfang  einer  Altion,  jondern  die
Folge  einer  vorhergegangenen  Aliion  ist.  Daß
die  tfürlische  Flotie  den  Bosporu=  verlien,  das
Schwarze  Mocer  durchquerte  und  in  der  Nähe
der  Straße  von  Kertsch,  die  zum  Asomschen
Meere  führt,  einen  Angriff  gegen  Rußland
ansetzte,  dann  noch  die  Asiatische  Küfsie  ##
drohte,  sbberrascht  außerordentlich.  Man  mutte
darnach  annehmen,  daß  dic  russische  Schwar:e
Meerflotte  als  der  türlischen  Flolte  uscht  92#
wachsen  und  daß  die  Dardanelleniperre  ale  u
bezwinglich  für  englisch  französische  Kriegen
schisse  angesehen  wird.

Noch  eine  Stimme  aus  Englano  sei  hier
angeschlossen.  Ein  Franzose  richtete  deutliche
Worte  an  die  Engländer  wegen  ihrer  schwa
chen  Hilfe;  den  betreffenden  Brief  haben  wir
bereilo  veröffentlicht.  Nunmehr  schreibt  die
Londoner  „Morningpoft“:  „Deutschland  L  ei
nig  und  entschlossen,  auszuharren.  Es  führt
alle  seine  Hilfoquellen,  die  gewaltig  und  wohl
organisiert  sind,  in  den  Kampf.  Seine  Truv
pen  sind  diszipliniert,  gut  ausgebildet  u.  gut
bewaffnet.  Ihre  Tapferkeit  i#t  wunderbar.  Gegen
  eine  Nation,  die  augenscheinlich  bereit
ist,  einen  hohen  Preis  für  den  Sieg  zu  zahlen
  für  die  Herrschaft  zu  Lande,  Wasser  und
in  der  Luft,  werden  die  Verbündeten  schmer  für
den  Erfolg  zahlen  müssen.  Wenn  Deutschland
die  Linie  der  Verbündeten  zwischen  oer  Schweiz
und  dem  Meere  nicht  brechen  und  die  russuchen
Heere  nicht  erschöpfen  lann,  unterliegt  es.  Fur
die  Verbündeten  sind  Geduld  und  Ausharren
die  Losung,  für  England  die  unermüdliche  Anstrengung,
  die  Vermehrung  seiner  Streitlläfte

vorzubereiten.  Aber  die  Regierung  kann  die
Männer  nicht  in  einem  schnelleren  Tempo
aufrusen,  als  sie  organisiert,  ausgevildet  u.

ausgerüstet  werden  können.  Wir  jind  gegen- 



wärtig  kaum  in  der  Lage,  die  Amegu  2  in
dem  PBriese  des  Franzosen  anzunehmen.  Die
Zeil  mag  lommen,  wo  ein  allgemeiner  Aufruf
zu  den  Waffen  noimendig  wäre,  aher  auch)
eine  solche  Maßregel  muß  vorbertite:  werden.
woinu  biesher  keine  Zeit  war,  obwohl  wir  dar
auf  vertrauen,  daß  sie  erwogen  und  geplant
wurde.  Die  augenblickliche  Ausgabe  ist  die  Ausrüüung

  und  Ausbildung  einer  großen  Zahl
Männer,  die  best  organisier:  und  gedrilll  werden.“


Die  Engländer  lassen  es  alio  beim  alten.
Sie  führen  eben  den  Krieg  mit  dem  Mund
viel  lieber,  als  durch  die  Tat.  England  läßt
andere  Nationen  für  sich  kämpfen  und  schickt
Musterproben  von  Völlerstämmen  des  Zanzen
Erdballs  vor  sich  her  in  den  Krieg.  Es  mobilisiert
  die  Arbeitolosen,  die  Söôlolinge  werden
  und  Felddienst  lieber  tun  wollen  als  hungern.

  Aber  die  allgemeine  Wehrpflicht  fur
England:  nein,  das  tut  England  nicht.  Frankreich
  kämpft  ja  für  England!  Die  meiiten

Petersburger  Blätter  beginnen  in  menig  freundlichen
  Worten  über  die  egoistische  Art  der
Kriegführung  Englands  zu  protestieren.

2#  6

Der  russisch  kürkische  Krieg.

Wien,  30.  Okt.  Die  Wiener  Allgemeine
Zeilung  meldet:  Die  türlische  Floite  hatte  eine
Uebungsfahrt  im  Schu  ur:en  Meer  unternommen
und  uurde  voan  russischen  Kriegsschiffen  angegrissen.
  Daraus  entiprang  das  türlische  Vorgehen
  gegen  die  rufsischen  Hasenstädte.  Die
Türken  uaren  sonach  durch  das  provozierende
Verhalten  der  Russen  zur  Abnehr  gezwungen.

(I.)

Köln,  30.  Olt.  Nach  einer  Meldung  der
Kölnischen  Zeitung  sind  die  türlischen  Kriens
schisse  in  den  Hafen  von  Odessa  eingelaufen
und  erbeuteten  die  dortigen  russischen  Schisfe.

(3.)

Berlin,  30.  Okt.  Die  erste  Mitteilung
über  das  Auftreten  der  türlischen  Flolte  im
Schwarzen  Meer  stammt  bekanntlich  von  rufsischer
  Seite  und  siellt  daher  die  Vorfälle  einseitig
  und,  wie  es  scheint,  unrichtig  dar.  Nach
den  hier  vorliegenden  Berichten  von  turlischer
Sei.  ###e  wi  durchaus  Glanten  sschenlen
dürfen,  hat  die  russische  Flotte  am  Eingang
des  Bosporus  die  Feindseligkeiten  eröffnet  und
dadurch  den  Zusammenstoß  hervorgerufen,  der,
niie  bekannt,  für  die  Russen  unglücklich  auslief.
Rußland  und  die  Dreiverbandsmächte  haben
ja  seit  langen  Wochen  son  ohl  durch  diplomatische

zuweisen.

 

—  Hbbruch  der  diplomatischen  Bezichungen.  —  Französisch-ruflischer  druckh  auf

Schkritte,  uie  auch  durch  das  Erscheinen  der
russischen  Flotte  vor  dem  Vosporus  und  der
fran:bsischen  und  englischen  vor  den  Dardanellen,
  den  Zusammensloß  vorbereitet  und  herausgefordert.
  Welchen  Umfang  der  sich  zunachst
Arischen  Rußland  und  der  Türlei  abspielende
Konflikt  annehmen  wird,  läßt  sich  gar  nicht  absehen.
  Man  wird  jedenfalls  mit  der  Möglichkleit
  rechnen  konnen,  daß  der  Umfang  ein  ungeheurer
  wird  und  daß  sjeine  Wirkung  durch
mehr  als  einen  Erdteil  zu  spüren  sein  wird.
(M.  N.  N.)

Rom,  30.  Olln.  Die  „„Agenzia  Stesani““
meldet:  Das  italienische  Ministerium  des  Aeu-Lbern
  erhielt  aus  Konstantinopel  die  Nachricht,
daß  der  russiscke  Botschafter  in  Konstantinopel
von  dort  abgereist  sei  und  den  Schug  der  russischen
  Staatsangehorigen  der  italienischen  Regierung
  übertragen  habe.  Die  Abreise  des
englischen  und  französischen  Botschafters  gelte
als  bevorslehend.

Berlin,  30.  Okt.  Aus  Genf  wird  dem
Lokal-Anzeiger  gemeldet:  In  Begleitung  der
Minister  Ribot  und  Millerand  in  Paris  eingetroffen,
  erfuhr  Prasident  Poincare  von  dem
Bombardement  auf  Fcodosfia  und  von  der  Ent
schlossenheit  der  Pforte,  die  Aufforderung  zur
Oeffnung  der  duardanellen  kategorisch  zuruck-Nach
  telephonischer  Verständigung  mit
Vordeauxr  uurden  oie  den  Umständen  entsprechenden
  diplomatischen  und  militärischen  Matßznahmen
  getroffen,  die  angeblich  darauf  ab
#ielen,  Rumanien.  Griechenland  und  Bulgarien
zu  Erklärungen  fur  oder  wider  die  Pforte  zu

noligen.  Welchen  Erfolg  dieser  Verzweiflungsversuch
  von  seiten  der  drei  „Friedensmächte“,

  den  europäischen  Krieg  zu  verallge
meinern,  haben  wird,  bleidt  abzuwarten.

Eine  gemeine  Tal.

Berlin,  30.  Okt.  Die  preußische  Staatsbalnverwaltung
  macht  der  „Voss.  Ztg.“  zufolge
belannt:  Bei  Entladung  eines  von  einer  deutschen
  Zeche  an  eine  Geschoßfabrik  abgesandten
Waggon=  Kollen  im,  mitien  zwischen  den  Kohlen
  verflet,  ein  geladenes  Artilleriegeschoß  gejunden
  morden.  Vermutlich  war  ein  Anschlag
geplant.  Es  ist  daher  größte  Vorsicht  geboten,
das  beteiligte  Personal  ist  zu  unterrichten,  die
GEnterabsertigungen  haben  auch  die  von  ihnen
bedienten  wichtigen  Privatbetriebe  zu  warnen.