Full text : Deutsche Geschichte. Erster Band. (1)

Albrecht  Dürer.  Sodann  Füchart.  609

fi  der  vieljeitig  Gebildete:  er  jchrieb  über  Mepfunft  1525,  über
Befejtigungsfunft  1525,  von  den  menschlichen  Proportionen  1528.
Am  6.  April  1528  ift  er  geftorben,  nachdem  er  noch  in  einem
bochberühmten  Doppeltafelmwerfe,  die  Apoftel  Betrus  und  Baulız
und  die  Evangeliiten  Markus  und  Sohannes  darftellend,  feinem
evangeliichen  Glauben  ein  Flare8  Denkmal  gejebt  Hatte.

Ein  anderer  Mann  war  der  Dr.  jur.  Sodann  Kıildhart,  der
jeine  Hauptwirfjamfeit  zwilchen  1570  und  90  entfaltete  und  eine
Zeitlang  in  Straßburg  als  freier  Gelehrter  lebte.  Er  war  dort
einer  der  Vorfämpfer  des  WBroteftantismus,  deffen  Schielale  er
auch  in  den  außerdeutjchen  Ländern,  in  Frankreich,  mit  Aufmerfjamfeit
  verfolgte.  Seine  Satire,  indem  fie  das  Leben  jener  Zeit
auf  mannigfache  Weife  Ypiegelt,  zeigt  jene  verhältnismäßig  neue
Kraft,  die  in  Luther  und  in  anderer  Weile  in  Hutten  fräftig  fich
ausspricht  —  den  deutjchen  Patriotismus,  die  nationale  Gefinnung,
die  fünftighin,  |pät,  den  religiöjen  und  theologischen  Eifer  ergänzen
oder  auch  erjeben  jollten.  Mit  Vergnügen  folgt  man  ihm,  wenn
er  in  jeinem  Gediht  „Das  glüdhaffte  Schiff"  ein  Stüd  Bolfsleben
am  Oberrhein  ung  vorführt:  wie  im  Suni  des  Jahres  1576  die
Sungmannjhaft  von  Zürich,  der  altberühmten  Stadt,  von  der
Stadt  Straßburg  zu  einem  „Schießen“,  einem  Schügenfejt  alfo,
eingeladen,  eine  „ehrliche  Gejellichaft”  von  vierundfünfzig  Berjonen,
ein  Schiff  rüftet,  da3  an  einem  Tag  von  Zürich  nad)  Straßburg
fahren,  einen  Hirs,  Hirfenbrei,  in  einem  großen  Topf  noch  warm
nach  der  befreundeten  Stadt  bringen  jol.  Am  20.  Brachmonats
brechen  fie  auf,  nacht®  zivei  Uhr,  in  guter  Stimmung,  der  ©ee
hallt  wieder  vom  Schall  der  Mufif,  der  Trommler  und  Trompeter
  an  Bord.  Die  Sonne  geht  auf,  e8  wird  ein  heißer  Tag
werden;  Die  Nuder  heben  und  jenfen  fi),  dag  Schiff  fliegt  dahin,
aus  der  Limmat  geht’3  in  die  Yar  und  in  den  Rhein:  „srilch
dran,  ihr  lieben  Eydtgenofjen“,  ruft  er  ihnen  zu:  aber  mit  folchen
Männern  hat  e3  feine  Not,

mit  solchen  forcht  man  kein  meerwunder

und  kein  wetter,  wie  sehr  es  tunder,
©.  Zäger,  Teutfche  Geihichte.  I.  39