282 Geschichte ler Akademie unter Frieprıch dem Grossen (1740-1746).
und sich endlich aus den Fesseln der Vergangenheit befreien. Aber
daneben waltete auch der Gegensatz des bescheidenen, kleinbürgerlichen
Betriebs der Wissenschaft — der mit geringen Erfolgen und
geringem Lohne zufrieden war — und ihrer Ausbildung in freien,
vornehmen Formen, in der Sphäre der europäischen Gesellschaft
und getragen von dem Beifall der aristokratischen Kreise Kein
Zweifel — wenn Leigxız wieder erstanden wäre, er hätte sich auf
VON SCUMETTAU’S Seite gestellt, aber er hätte ilın auch klar gemacht,
dass die Wissenschaft nieht erst von gestern ist, dass Philologie
und Geschichte auch Wissenschaften sind, dass man Kosmopolit
und Patriot zugleich sein kann, und dass aller Radiealismus sich
durch Rückschläge rächt.
Ein Compromiss wurde wirklich geschlossen. Das endgültige
Statutenproject, wie es die zehn Commissionsmitglieder am 20. December
1743 unterzeichnet haben, ruht ganz auf dem Entwurf
von Jarıses. Es bezeichnet die zu begründende Königliche Akadeinie
der Wissenschaften als die »vereinigten Societäten« und umgeht
damit die Frage nach der Aufhebung der alten Societät. Die Vorschläge,
nur zwei Klassen (Mathematik und Physik) beizubehalten,
sind zurückgewiesen und der Akademie so die umfassenden Aufgaben
gelassen, die ihr Lrisnız gestellt hat. Ausdrücklich heisst
es, dass die neue Gesellschaft »alle die Vorwürfe zusammenfassen
soll, womit die zu London und Paris aufgerichteten Societäten
und Academie’s des sciences, des inseriptions et des belles lettres
beschäftigt sind«; aber ausgeschlossen werden die geoffenbarte
Theologie, die bürgerliche Rechtsgelelrsamkeit, die blosse Poesie
und Beredsamkeit. Was die Mitglieder der neuen Akademie betrifft,
so schwieg man über die feste Zahl von 24 Ordinarien; man
reichte vielmehr dem Könige eine Liste ein, auf der man kurz
die einzelnen Mitglieder beider Societäten charakterisirte, ihm die
Auswalıl überlassend. In Wahrheit aber machte man doch einen
Vorsehlag: man hatte sich nämlich zu folgendem Compromiss vereinigt.
Von den 14 Mitgliedern der alten Soecietät, die nicht zugleich
Mitglieder der neuen litterarischen waren', stellte man sechs
in die Hauptliste ein, nämlich GriscuauU, WAGNER, HERING, KÜSTER,
Heınıys und STUBEXrRAUCH, und erklärte sie damit als der Aufnahme
würdig; die fünf Medieiner Bupneus, LUDOLFF sen., SPROEGEL,
SCHAARSCHNIDT und Parras bezeichnete man als solche, die lediglich
! Vjerzehn ohne DES VIGXOoLEs.