Full text : Sagenbuch des Königreichs Sachsen

—  823  —

1009.  Woher  der  Name  Crottendorf  stammt.
Aach  dem  „Glückauf“,  Bd.  XVI,  S.  103  ff.

Die  heidnischen  Slaven  hatten  in  Crottendorf  das  furchtbare
Bildnis  ihres  Götzen  Crodo  aufgestellt,  und  ein  fanatischer  Heiden—
priester  waltete  hier  seines  Amtes.  Diesem  war  eines  Tages  der
heilige  Conradus,  der  als  Prediger  des  Evangeliums  ins  Erzgebirge
gekommen  war,  in  die  Hände  gefallen,  und  er  beschloß,  ihn  in
Gegenwart  des  Volkes  an  der  Kultstätte  des  Crodo  diesem  zu
opfern.  Aber  gerade  in  dem  Augenblick,  als  der  tödliche  Streich
geführt  werden  sollte,  zuckte  es  hell  am  Himmel  auf,  und  vom
Donner  und  Blitz  zerschmettert  lag  das  Götzenbild  samt  dem  Priester
zu  Boden.  Die  Umstehenden  betrachteten  das  als  einen  Fingerzeig
des  Himmels,  sie  fielen  zitternd  aufs  Angesicht  und  ließen  sich  be—
kehren.  Der  gerettete  Conradus  versammelte  die  Gemeinde  auf
dem  nahen  Liebensteine  um  sich,  taufte  sie  und  reichte  ihr  das  vom
Heilande  eingesetzte  Liebesmahl.  Von  Stund'  an  nannte  man  die
Felsengruppe  nordöstlich  von  Crottendorf  Liebenstein,  und  das  Dorf,
in  dem  das  Crodobild  verscharrt  wurde,  Crodosdorf.

1010.  Ursprung  und  Name  von  Elterlein.

Gräße,  Bd.  1,  Nr.  529;  Köhler  a.  a.  O.,  Nr.  528;  Lindner,  Wanderungen

durch  die  interessantesten  Gegenden  des  sächsischen  Erzgebirges,  Heft  1,  Annaberg

  1844,  S.  57;  Grundig,  Meue  Versuche  nützlicher  Sammlungen  usw.,

Bd.  1,  1750,  S.  99;  Joh.  Poeschel  im  „SElückauf“",  Jahrbuch  für  das  Erzgebirge,
  1884,  S.  168  usw.

Die  Stadt  Elterlein,  welche  vor  ihrer  Zerstörung  durch  die
Hussiten  im  Jahre  1429  Quedlinburg  am  Walde  geheißen  haben
soll,  empfing  ihren  jetzigen  Namen  angeblich  von  einer  Kapelle  am
Ausgang  des  sächsisch-böhmischen  großen  Waldes,  in  welcher  täglich
ein  Pater  aus  dem  Zisterzienserkloster  zu  Grünhain  eine  Dankmesse
für  die  Reisenden  wegen  glücklicher  Zurüchlegung  des  gefährlichen
Weges  durch  den  Wald  am  dortigen  Altärlein  lesen  mußte.  Bald
erhoben  sich  dort  auch  wieder  einige  Häuserlein,  die  Schutz  und
Aahrung  gewährten.  Sie  hießen  die  Häuser  am  Altärlein  und

 

(An  die  Verehrung  eines  Götzen  mit  diesem  oder  ähnlichem  Mamen
ist  natürlich  in  Crottendorf  nicht  zu  denken.  Vgl.  auch  Sage  Ar.  582.