Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

Nummer  207

leu  und  sonstigen  Angaben,  Zielbezeichnungen,
Fachausdrücke.  Und  bedenkt  ferner,  wasr  für
weitere  Schwierigkeiten  und  Fehlerquellen  ent-Itehen
  können,  falls  der  Mann,  der  nie  Soldat
  war,  im  Feuer  ängstlich  wird,  salsch  versteht,
  falsches  weitergibt  und  wichtiges  fortläßt!
  Das  verlangt  auf  die  Dauer  stärkere
Neren,  als  das  schlimmste  Feuer,  denn  kontrollieren
  könnt  Ihr  ihn  nicht  immer  und  nicht
ganz!

Es  sind  meistens  levantische  Juden,  Griechen
usw.,  die  eine  französische  Schule  besucht  haben,
  und  die  vor  dem  Krieg  meistens  Kaufleute
waren.  Gröhtenteils  sprechen  sie  französisch,
griechisch  und  türkisch,  einzelne  auch  deutsch.
Große  Helden  sind  sie  begreiflicherweise  meislens.
nicht,  aber  gut  zu  brauchen  auch  auf  dem  Büro.
Natürlich  darf  man  nie  deutsche  Begriffe  und
Anforderungen  zu  Grunde  legen!  Junge  Türken
  oder  Deutsche  als  Dolmetscher  sind  natürlich
sehr  rar.  Es  gibt  auch  eine  Anzalil  türkischer
Offiziere,  die  ganz  gut  deutsch  oder  frankösisch
sprechen.  Aber  die  sind  natürlich  lediglich  für
Dolmetscherdienste  in  der  Front  zu  lostbar.

Kurz,  nicht  einmal  das  ist  einfach  hier,  was
in  Deutschland  als  irgendwie  schwierig  überhaupt
gar  nicht  in  Frage  kommen  würde.  Vom  ersten
bis  zum  letzten  Schritt  tauchen  hier  Schwierigkeiten
  auf,  die  man  zu  Hause  gar  nicht  ahnt!
Natürlich  müssen  sie  überwunden  werden  und
sie  werden  auch  tatsächlich  überwunden,  aber
so  kostet  auch  das  scheinbar  Einsachite  von  der
Welt  schon  sehr  viel  Mühe,  Arbeit  und  Nerven.
  Umso  mehr  Anerkennung  gebührt  daher
dem  Bedeutenden,  was  trotzdem  geleistet  und  erzielt
  wurde!  C.  W.

 

 

Die  Frage  der  Frledensvermitlung
durch  die  Schwelz.

Bern,  22.  Dez.  Im  Nationalrat  legte
Wreulich-Zurich  namens  der  sozialdemokratischen
Fraktion  folgende  Interpellation  vor:  Gedenkt
der  Bundeerat  allein  oder  mit  den  Regierungen

,  anderer  Länder  den  Kriegsührenden  seine  guten
Dienste  anzubieten  zur  baldigen  Herbeiführung
eines  Wafsenstillstandes  und  zur  Einleitung  von
Friedensverhandlungen?  Als  Ches  des  politischen
  Departements  antwortete  Bundesrat  Hofsmann
  auf  die  Interpellation  mit  folgender  Erktlärung:
  „Wir  verstekhen  das  tiese  Friedensredürfnis,
  das  in  unserem  Volle  empfunden
wid,  und  teilen  die  sonstigen  Wünsche  nach  einer
  baldigen  Beendigung  des  schrecklichiten  Krieges,
  den  die  Weltgeschichte  lent.  Unser  Land
leidet  gewaltig  unter  dessen  Folgen.  Es  ist  indessen
  nicht  allein  oder  auch  nur  an  erfier  Stelle
unser  eigeneo  Interesse,  das  den  Beißen  Wunich
nach  Frieden  hervorruft.  Wir  sehnen  ihn  herbei
aus  rein  menschlichem  Empfinden  im  Anblick
des  unsagbaren  Elends,  das  der  Krieg  verursacht,
  und  der  Wunden,  die  er  geschlagen,  sowie
des  unbarmberzigen  Zeritörungswerles,  das  er
an  einer  Kultur  vollbracht  hat,  auf  die  wir  bis
vor  kurzem  so  stolz  gewesen  sind.  Wir  achten
also  die  Gefühle,  aus  denen  die  Anfrage  der
Interpellanten  hervorgegangen  ist,  und  erkennen
  gerne  die  mahvolle,  ron  humanem  Geist
getragene  Vegrundung  der  Interpellation  an.
Soweit  sie  dagegen  dahin  zielt,  eine  direlte
Friedensaktion  des  Bundesrate  erbeizuführen,
müssen  wir  unsere  Vorbehalte  machen.  Ein  solcher
  Schritt  ist  zum  voraus  dem  Mißerfolg  geweiht
  und  der  Mißdentung  ausgesetzt,  menn  und
solange  nicht  auf  beiden  Seiten  der  kriegsührenden
  Parteien  die  dem  Friedensbedürfnis  entgeenstehendgen
  Widerstände  durch  eine  im  eigenen
Land  vollzogene  Wandlung  der  offentlichen
Meinung  ohne  fremdes  Zutun  überwunden  sind.
Ist  diese  Wandlung  noch  nicht  vollzogen,  so
müssen  nicht  nur  alle  fremden  Interventionsbestrebungen
  auf  dürres  Erdreich  fallen,  sondern
werden  geradezu  als  lästige,  wenig  freundschaftliche
  Einmischung  empfunden  und  loônnen  der
Sache  des  Friedens  sowohl  als  auch  den  zwischenstaatlichen
  Beziehungen  zum  Schaden  gereichen.
  Es  ist  eine  Sache  der  individuellen  Auffassung,
  ob  der  Wille  zum  Frieden  kräftig  ein.
gesetzt  und  zu  einem  auoreichenden  Ergebnis
geführt  hat.  Der  Bundesrat  hält  dafür,  daß
das  heute  noch  nicht  der  Fall  ist.  Man  wird
ues  verstehen,  wenn  er  in  der  Darlegung  der
Gründe,  die  zu  dieser  Auffasung  der  Sachlage
führen,  an  diesem  Orle  noch  nicht  eintreten  kann.
Dessen  aber  dürfen  wir  Sie  versichern,  daß  wir
mit  gespannter  Aufmerksamkeit  die  Entwickelung
der  Dinge  verfolgen  und  uns  glücklich  schäen
würden,  wenn  unser  kleines  Land,  getragen  von
den  Sympathien,  die  es  mit  den  kriegführenden
Nationen  verbinden,  getreu  seiner  traditionellen
neutralen  Stellung,  in  völliger  Uneigennügigleit
  auch  nur  in  bescheidenem  Maß  dazu  beizutragen
  vermöchte,  den  ersehnten  dauerhaften
Frieden  herbeizuführen.“  Ueber  die  Antwort
des  Bundesrates  sand  leine  Erörterung  statt.
Greulich  erllärte  sich  von  der  Antwort  des  Bundesrates
  befriedigt.

Berschiedene  Nachrchlen.

Münster,  22.  Dez.  In  der  Zweigstelle
des  hiesigen  Artilleriedepols  brach  gestern  abend
ein  Feuer  aus.  Dabei  explodierte  auch  eine  An-Lahl
  der  dort  lagernden  Geschosse.  Da  sich  die

 

 

——

einzeln  lagernden  Geschosse  naturgemäß  erst  allmählich
  erhitzten,  zogen  sich  die  Erplosionen
durch  mehrere  Stunden  hin;  dabei  zersprangen
in  den  angrenzenden  Stadtteilen  zahlreiche  Fensterscheiben.
  Auch  wurden  einige  umliegende
Baulichkeiten  leicht  beschädigt.  Menschenleben
sind  nicht  zu  bellagen.

Konstantinopel,  21.  Dez.  Die  Presseleitung
  teilt  über  eine  millags  im  Lager  von
Explosiostoffen  bei  Haslöi  am  Goldenen  Horn
erfolgte  Errlosion  solgendes  mit:  Einc  gewisse
Menge  von  Dynamit,  die  dadurch  rerdorben
war,  daß  sie  ine  Wasser  gefallen  ist,  ist  zusällig
xplodiert.  5  Soldaten  und  10  Jivilpersonen
aus  einem  der  lenachbarten  Häuser  wurden  getötet,
  eine  Anzahl  Jivilpersonen  verletzt,  die
meisten  leicht  durch  Glassplitter.  Infolge  der
Explosion  entstand  ein  Brand,  dem  jedoch  nur
ein  einziges  Haus  zum  Opfer  siel.

Sei-  und  Persondlnachrichlen.

München.  22.  Dez.  Der  König  hat  den
Wunsch  ausgesprochen,  es  möchte  mit  Rücksicht
auf  den  Ernst  der  gegenwärtigen  Kriegszeiten
die  Feier  seines  Geburtsfestes  am  7.  Januar
1916  ausf  Feitgotteesdienste  beschränkt  werden.
Auch  soll  mit  Nücsicht  darauf,  daß  das  Ceburtesest
  des  Königs  mit  dem  Jahreswechsel
zeitlich  sehr  nahe  zusammentrifft,  von  der  Darbringung
  gesonderter  Glückwünsche  zu  jedem  dieser
  beiden  Feste  abgesehen  werden.

münchen,  22.  Dez.  Erbprinz  Albrecht  ist
in  Begleitung  des  Hoffaarschalls  Grafen  zu
Pappenbeim  und  des  Hauptlehrers  Breg  zum
Besuch  seines  Vaters,  des  Kronprinzen  Rup-Frechl,
  nach  dessen  Hauptquartier  am  wesllichen
Kriegsschauxlatz  abgereist,  um  dort  die  Weihnachtstage
  zu  verbringen.

Münchener  Neuigkeilen.

München,  22.  Dez.  Wir  brachten  jüngst  die
Mitteilung,  daß  eine  Haushälterin  aus  der
Erkschaft  ih#res  verilorbenen  Dienstherrn,  eines
Steinmetzmeisters,  mehr  als  80000  Ml.  unterschlagen
  habe.  Die  Voruntersuchung  ist  nun
atgeschlossen.  Die  Verhandlung  gegen  die  Haushältecin,
  ihren  Vater,  einen  Bäckermeister  in
Reichertshofen,  der  das  Geld  in  seiner  Wohnung
versleckt  hielt,  und  gegen  einen  Rechtsanwalt  in
München,  der  gegen  ein  Honorar  von  20100
Mark  einen  Bansschein  auf  400½010  Ml.  sälschte,
nürfte  Mitte  Januar  vor  dem  Langgerichte
München!  stattfinden.  Das  Gebaren  der  Haushälterin
  ist  um  so  verwerflicher,  als  ihr  der  verstorbene
  Erblasser  außer  einigen  Oypotheken  ein
Haus  in  der  Daiserstraße  und  20  11)0  Ml.  bar
schenkte.

Bayerische  Nachrichten.

Weitnau,  22.  Dez.  Vergangene  Nacht  ist
die  Schule  in  Eitensberg,  Gde.  Weitnau,  abgebrannt.
  Die  Schule  wurde  voriges  Jahr  vollsiändig
  umgelaut  und  erweilert.  Man  nimmt
an,  daß  das  Feuer  durch  einen  Schaden  des  Kamins
  entstanden  ist.  Sehr  zu  bedauern  ist  die
Lehrerin,  der  nahezu  ihr  ganzes  Mobiliar  verbrannte,
  darunter  namenllich  ein  Klavier,  dassie
  sich  erst  kurzlich  neu  angeschafft  hatte.

Geschworeneuliste  für  den  Amisbezlks
  Rosenheim.

Rosenheim,  23.  Dezember.

Für  das  Jahr  1916  sind  im  Amtsbezirk
Rosenheim  als  Geschworene  vorgeschlagen:

Schrettenseger  Joses.  Architelt  in  Rosenheim,
Paul  Benedilt,  Kaufmann  in  Neubenern.  Dettendorfer
  Johann,  Bauer  in  Haus.  Feicht  Jobann,
  Bäckermeister  in  Fischbach.  Wendl  Georg.
Gastwirt  in  Nosenheim.  Keindl  Josef.  Gastwirt
in  Niederandorf.  Krichbaumer  Mar,  Gastwirt
in  Rosenheim.  Vodermeier  Andreas,  Gastwirt
in  Persdorf.  Gariner  Josef.  Bauer  in  Rachelsberg.
  Wiesbock  Georg.  Bauer  in  Hotlzham.
Straßer  Josef,  Gastwirt  in  Riedering.  Gralichler
  Johann,  Gastwirt  in  Rosenheim.  Waller
Josef,  Gastwirt  in  Reisach.  Habbach  Josef,
Konditor  in  Rosenheim.  Lernbecher  Franz,  Privalier
  in  Rosenheim.  Obinger  Georg,  Bauer  in

ingkuch.  Sonnendorser  Josef,  Bauer  in  Lauterbach.
  Danner  Georg,  Bauer  in  Hintersleinlerg.
  Kiener  Georg,  Bauer  in  der  Au.  Ebner
Lorenz,  Privatier  in  Rosenheim.  Berger  Josef,
Bauer  in  Bamham.  Eder  Jalob,  Gaftwirt  in
Rosenheim.  Kalteio  Wunibald,  Spediteur  in
Rosenheim.  Darlberger  Johann,  Bauer  in
Darllerg.  Holzner  Christoph.  Mühlbesizer  in
Krotlenmühl.  Garnreiter  Josef.  Bauer  in  Wieden.
  Schmidt  Josef,  Privatier  in  Rosenheim.
Haimerer  Josef,  Oekonom  und  Sägwerksbesiter
in  Rohrdorf.  Göpfert  Simon,  Kaufmann  in
Rosenbeim.  Loferer  Sebastian,  Bauer  in  Aigen.
Fürst  Josef,  Maurermeister  in  Söchtenau.  Stufser
  Michael,  Sägwerksbesiher  in  Siegharting-Luber
  Johann,  Bauer  in  Friesing.  Werdalh
Setastian,  Jiegeleibesitzer  in  Thannsau.  Niedermeier
  Baltliasar,  Bürgermeister  in  Aising.
Stöckl  Georg,  Bauer  in  Haidbichl.

 

 

 

 

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—.—
Kommunales.

Sitzung  des  Kolleglums  der  Gemeinse#=Bevollmächtigten
  in  Noseng###mam
  Mittwoch,  den  22.  Dezember  1915,

vormitlage  120  Uhr.
Anwesend:  17  Mitglieder.

Vorsitzender:  GB.  Finsterwalder.
Vermächtnie  zum  Bürgerspital.
Die  Stationsmeisteronitwe  Magdalena  Seesried
  hat  dem  Bürgerfpital  4000  Mk.  vermacht,
  unter  der  Bedingung,  daß  ihr  Grab  40
Jahre  unterhallen  und  gerflegt  wird.  Wie  der
Magistrat  nahm  auch  das  Kollegium  dieses

Vermächtnis  mit  Dank  an.

Stiftung  eines  Nagelungs-Wahrzeichens.


Der  Vorsitzende  teilte  den  Magiitratsbeschluß
über  die  Stiftung  eines  Nagelungs-  Wahrzeichens
  mit  und  lud  das  Kollegium  ein,  dem
Magistratsbeschluß  beizutreten.  Kosten  für  die
Stadt  seien  nicht  damit  verbunden.

GB.  Göxfert:  Wir  enthalten  uns  dieser
Maßnahme,  in  der  wir  nur  überschwenglichen
Patriotiomus  sehen.  Es  gebe  viele  Leute,  die
nicht  in  der  Lage  wären,  da  mitzumachen.  Die
Sliflung  eines  eisernen  Wahrzeichens  sei  nicht
notwendig,  da  jeder  für  sein  Leben  genng  an
den  Krieg  erinnert  werde  und  die  Geschichte
die  schwere  Zeit  mit  blutigem  Griffel  feithalte.
Auch  gebe  es  gar  viele,  die  sich  nicht  in  das
„Eiserne  Buch“  eintragen  könnien,  im  Kriege
aler  vielleicht  mehr  erduldet  hätten  als  andere.

Ohne  weitere  Debatte  wurde  dann  mit  allen
gegen  drei  Stimmen  dem  Magistratsbeschluß
zugeslimmt.

Bildung  der  Armenräte.

Die  am  1.  Januar  in  Kraft  tretende  neue
laperische  Armengesetzgebung  macht  die  Bildung
  von  Armenräten  eriorderlich  an  Stelle
der  bisberigen  Armenpflegschaftsräte.  Auch  die
Heranziehung  von  Frauen  in  den  Armenrat  lt
sestgelegt.  Nach  dem  Beschluß  des  Stadtmagistrates
  sollen  je  drei  Magistrats=  und  Kollegiumsmitglieder
  dem  Armenrat  angehören.  Die
aus  den  Wohltätigfeitsvereinen  der  Siabt  zu
wälllenden  Mitglieber,  darunter  auch  Frauen,
sollen  acht  betragen  und  noch  vor  Jahresschluß
in  einer  Kumulativfizung  beider  Kollegien  gewählt
  nerden.  Mit  diesen  Vorschlägen  iit  das
Kollegium  einveritanden.  Der  Magiitrat  wählte
aus  seinen  Reiben  N.  Kürzinger  und  die
Magistratsräte  Grabichler  und  Kollmann  als
Mitglieder  des  Armenrates.  Für  das  Koilegium
  der  Gemeindebevolimachtigten  brachte  der
Vorsitzende  die  bisberigen  Armenrilegschaftsräte,
  GV.  Schmidt,  Schrettenseger  und  Schustetier
  in  Vorschlag.  GB.  Göpfert  meinte,  daß
am  besten  als  Armenrat  auch  ein  Arbeiter  in
Betracht  kommen  sollte  und  brachte  GB.  Geistaller
  in  Vorschlag.  GB.  Geynmayr  häll  diestaller
  in  Vorschlag.  GB.  Geymeyr  hält  dieergab,
  daß  die  GB.  Schmidt  und  Schrettenseger
  mit  17  und  Schustetler  mit  11  Stlimmen
gewählt  wurden,  natrend  auf  den  GB.  Oeistaller
  5  und  auf  GB.  Vreitenhuber  1  Slimme
entsiel.

Anschluß  an  das  Gasrohrneh.

Hauptlehrer  Schneller  unterbreitete  ein  Gesuch
  um  Anschluß  seines  Anwesens  Prinzregentenstraße
  59  an  das  Gasrohrnetz.  Insbesondere
  fragte  er  nach  der  Hôhe  der  Garantie,
die  er  für  den  Anschluß  zu  übernehmen  häne.
In  der  Kommission  war  beantragt,  eine  Garantie
  für  Gasabnahme  in  Höhe  von  jährlich
6  Ml.  auf  die  Dauer  von  drei  Jahren  seftlzusetzen.
  Dieser  Antrag  wurde  jedoch  in  der
Kommission  mit  Stimmenmehrheit  abgelehnt.
Dagegen  hat  der  Magistrat  mit  allen  gegen
eine  Stimme  diesem  Antrag  zugestimmt,  mit
der  Maßgale,  daß  die  erforderlichen  Mittel  in
Höhe  von  60/0  Mk.  aus  laufenden  Mitleln  gedecit
  werden.

GB.  Wendl  erwähnt,  daß  die  jetzigen  Interessenten
  für  Gas,  damals,  als?  die  Leitung
zum  Baumann-Anwesen  gelegt  wurde,  nichts
davon  wissen  wollien.  In  der  Kommission  sei
man  davon  ausgegangen,  daß  über  kurz  oder
lang  auch  der  Anschluß  der  Häuser  in  der  Hohenzollernstraße
  solgen  wurde.  GB.  Schmidt
meint,  daß  man  zustimmen  müsse,  wenn  man
lonsequent  bleiben  wolle,  nachdem  man  auch
die  Zuleitung  des  Gases  in  die  Dr.  Hesner=Straße
  genchmigt  Lale.  Die  Werle  lönnten
aber  nicht  dauernd  unrentabel  arbeiten,  man
müsse  mit  diesen  Arbeiten  auch  ein  Geschaft
machen.  Deshalb  empfehle  er,  die  gesorderte
Garantiesumme  für  Gas  von  611  auf  80  Mk.
und  die  Zeil  von  drei  auf  fünf  Jahre  zu  erhöhen.
  GB.  Göpfert  sprach  ebenfalls  fur  eine
Rentabilität  der  Werke.  In  diesem  Sinne  ging
die  Debatte  noch  länger  hin  und  her,  bis  schließlich
  GB.  Schretlenseger  meinte,  um  Beträge  von
mehreren  Lundert  Mark  würde  man  stunden-.
lang  debattieren,  wo  es  sich  aber  um  Tausende
bandele,  sei  man  in  einigen  Minuten  sertig.

Schließlich  wurde  der  Antrag  Schmidt  mit
12  gegen  5  Slimmen  angenommen.

Freitag,  24.  Dezember  1915

Etatsvariant  des  Gaswerkes.

Das  Gaswerk  reichte  ein  Gesuch  um  Genehmigung
  verschiedener  Beträge  als  Etatsvarianut
ein.  Zunächst  ist  in  der  Abnahme  des  Teerseit
  dem  Krieg  eine  Aenderung  eingetreten,  da
hauptsächlich  das  Straßen-  und  Flußbauami
Abnehmer  wurde.  Infolge  dieser  Aenderung
war  die  Anschaffung  von  Teerfässern  nötig,  für
welche  jetzt  200  Mk.  verlangt  werden.  Ein  Teil
der  ursprünglichen  Anschaffungskosten  ist  be
reits  wieder  durch  Verkauf  von  Fässern  herein
gebradtt.  Ferner  sind  für  vermehrten  Kohlen
lezug  4200  Mk.  ersorderlich,  welcher  Betrag
aber  durch  Mehreinnahmen  aus  Gas  und  Kolreick
  lich  gedeckt  erscheint.  Für  Aushilfe  fur  die
ertranltten  Maschinisten  sind  450  Mt.  für
Schmier=  und  Beleuchtungsmaterial  infolge  erhöhter
  Preise  450,  für  die  Hydrantenunterhaltung
  350,  für  die  Unterhaltung  der  Anschluh
leitungen  du)  Mk.  mehr  ersorderlich.  Ine
gesamt  ergibt  sich  ein  Mehrbetrag  von  60/57)
Mark.  GB.  Schrettenseger  meinte,  daß  man
den  Betrag  für  die  Fässer  ablehnen  sollte,  da
nach  dem  bisherigen  Verkaufemodus  die  Fässer
vom-  Verbraucher  zu  liesern  wären.  Indelssen
murde  die  Gesamtlumme  als  Etatsvariant  genehmigt.


Etatsvariant  der  Stadtgärtnerei.

Die  Stadtgärtnerei  legte  einen  Eiatsvarian!
über  zwei  Beträge  vor.  Einmal  sollten  19
Mark  für  die  Unterhaltung  der  Gewächshäufser
uĩw.  nachgenehmigt  werden,  dann  540  Mar.
für  Beheizung,  insgesamt  also  730  Ml.  GB.
Schmidt  verweist  darauf,  daß  am  25.  Mär:
1014  die  Abhör  der  Rechnung  der  Stadtgärt
nerei  vom  Jahre  1912  und  die  Beralung  de-Voranschlages
  für  1914  ausgesetzt  wurden,  bis
entixrechende  Aufllarungen  vorlagen.  Diese
Ausllärungen  lamen  dann,  wurden  aber  nicht
für  entsprechend  gehalten  und  dann  ein  scharser
Protest  angenommen,  der  besagte,  daß  die  Be
amtan  dungen  ausrecht  erhalten  werden  mußten.

"  Zing  zum  Etat  1914  habe  bis

—:  ..  2  5

Die  Rückäuße  1  .

«  «  --’«  H  ndebe
dessen  aium  der  Gemei  —

jetzt  indessen  das  ##  “.  Mon  hae

vollmäck  ligten  noch  nicht  errei--  vache  1#
also  lein  liares  Bild  über  die  panze  —  bꝛ
lommen.  Leute  noch  liege  eine  Rechnung  urdas
  Jahr  1913  nicht  vor.  dabei  beginne  baidas
  Jahr  1916.  Diese  Zustände  seien  unhalthar.
  Was  bleibe  aber  zu  tun  übrig,  wenn  da-(beld
  sclon  ausgegeben  sei:  Wenn  man  de.#
Beick  iug  vom  25.  März  1914  konfequen!  blei
len  wolie,  mußzte  man  auch  jent  den  Betrag
aklehnen,  nachdem  die  Verwarnung  seinerzeit
ergangen  sei.  Er  emrfehle  aber.  Gnade  fur
Recht  ergehen  zu  lassen,  und  umerbreitete  folgenden
  Äntrag:  Der  Etatsvariant  wird  unter
den  gegebenen  Verhältnisien  genehmigt.  da  die
Elatsrositionen  für  1910°  aller  Voraussicht  nach
gleich  gelieben  stud  wie  1914  und  1515.  Es
wird  aber  bestimmt  erwartet,  daß  die  Stadigarienverwaltung
  unter  allen  Umntänden  dis
Etatsosilionen  einhält,  da  sonn  leine  Genelmigung
  durch  das  Kollegium  erfolgen  dürfte.

(6B.  Goxfert  und  (6B.  Geifstaller  sehen  in
diesem  Vorschlag  eine  lare  Geschichte,  während
B.  Schmidt  darauf  Binweist,  daß  der  Siadi
gärtner  bereito  den  ordnungsgemaßen  Weg  ein
geschlagen  habe.  Schließlich  uurde  der  Anirag
Schmidt  angenommen.

Maßnahmen  zur  Beschafligung  von
Arbeitern.

Fruheren  Anträgen  gemäß  hat  das  Siadt
bauamt  eine  Reihe  von  Projelkten  ausgearbeiter.
die  teils  als  Notstandsarbeiten  durchgeführ:
werden  lönnten,  teilo  leim  Zuruckiluten  der
Trurpen  aus  dem  Felde  in  Betracht  lämen.
Für  heute  beschäftigte  sich  das  Kollegium  mit:
den  Plänen,  welche  als  Notstandsarbeiten  im
lommenden  Frühjahr  profeltiert  sind.  Beschluß
darüber  war  jeßgt  noch  zu  fassen,  da  die  Re
gierung  von  den  Gemeindererwaltungen  Be
richt  uber  Beschluffe  in  dieser  Richtung  ein
sordert.

Nach  den  Proielten  des  Stadtbauamtes  sollen
  für  das  Frühjahr  1916  genehmigt  werden:
1.  2650)  Mk.  für  die  Verbreiterung  der  Luilrolditraße
  bei  der  Einmündung  in  die  Salinstraße;
  2.  1211,)  Mt.  für  vordringliche  Kana.
lisationsarbeiten  (der  Gesamtbetrag  siellt  sic)
aus  2450  MlI.  „  3.  213  Ml.  für  Herstellung
eines  Fußweges  über  den  Reutergrund  von  der
Münchnerstraße  zum  Rohkader;  J.  2350  Mk.
für  vordringliche  Baureraraturen  im  Kaiser.
bad  (Entfernung  der  allen  Kegelbahn,  Neu
einzäunung,  Rexaraturen  an  Ballons  ufw.:
5.  771½  Mk.  für  Erneuerung  der  Stladtbachrrücke
  beim  Haclanwesen  am  Salzitadel;  6.
2450  Mk.  für  den  Einbau  von  Zimmern  im
ersten  Stock  des  flädi.  Armenbauies.  Die  Be
träge  für  die  ersten  fünf  Politionen  sollen  bei
den  entsrrechenden  Titeln  im  Voranschlag  für
1916  eingesetzt  werden,  der  sechste  Posien  würde
aus  Stiftungsmittein  gedeckl.  Die  Erneuerung
der  Rathaussassade,  für  die  bis  jetzt  700,0  Mk.
zur  Verfügung  stehen,  soll  so  lange  noch  zurückgestellt
  bleiben,  als  die  Sanierungsanstalt  dem
Bangewerbe  bier  Arbeit  gibt.  Bezüglich  der
Pflasterung  der  Friedhofwege  will  man  ent
(rrechenden  Anträgen  der  Friedhofkommission
entgegensehen.

Der  Magistrat  ist  seinerzeit  diesen  Beschlüssen
leigetreten.  Heute  sollte  das  Kollegium  der
Gemeindebevollmächtigten  darüber  schlüssig

4

 

werden.  —  4—  —