Full text : Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

71  allersschwach  —  Amen.

berg  461,  30;  das  goldne,  silberne,  eherne  alter;  ein
alter  gunpt  und  trube  lagerte  sich  auf  die  welt  Uhland
Ged.  9.  Als  Bestimmung  einer  Längstvergangenheit  in
Formeln:  gedenk  an  deine  gemcine,  die  du  vor  alters
erworben  Ps.  74,  2;  da  duftets  wic  vor  alters  Goethe
Div.;  du  kennst  von  alters  ber  meine  art  Werther;
galt  von  altersher  für  unruhig  Treitschke  3,  522;  wie
mhd.:  daz  was  von  alder  ber  ir  sit  livl.  Chron.  2368.
Auch  als  Zeitbestimmung  für  Berufsverhältnisse,  vgl.
dienst-,  amtsalter.  3)  Bejahrtheit,  Gegensatz  zur  jugend:
dein  alter  sei  wie  deine  jugent  5.  Mos.  33,  25;  in  gutem
alter  1.  Mos.  15,  15;  alter  schutzt  vor  thorheit  nicht;
das  alter  druckt  Freytag  Wald.  2,  2;  alle  seine  zuge
batten  den  ausdruck  des  höchsten  müden  alters
Niebuhr  kl.  Schr.  1,  77.  4)  Gesamtheit  bejahrter  Leule:
verachte  das  alter  nicht  Sir.  8,  7;  er  kommt  dem  alter
in  diesem  traurigen  vorrecht  zuvor  Schiller  2,  394;
solches  ist  des  weisern  alters  recht  Br.  v.  Mess.  790.  —
Zusammensetzungen:  altersschwach,  schwach  vor  Bejahrtbeit;
  dafür:  doch  jetzt  ist  mein  gedächtnis  alterschwach
Uhland  Ged.  176.  Altersschwächc,  k.  Altertum,  n.
früher  Bejahrkheit  (Stieler),  jetzt  längstverflossene  Zeit;
Zeit  vor  dem  Mittelalter;  häusig  auch  Gegenstand,  Einrichtung
  längstverflossener  Zeiten:  cin  altertum  besitzen,
kaufen;  das  altertbum  war  aus  clem  stein  geschnitten
Keller  Sinnged.  386;  namentlich  anch  Plur.:  altertümer
  des  deutschen  rechls;  dieser  mann  welcher  mit
den  alterthumern  so  wenig  zu  thun  gchabt  hatte
Winckelmann  2,  27.  Dazu:  Altertümler,  m.  der
solche  sammelt  oder  erforscht;  altertümlich,  aus  alter  Zeit
stammend  oder  in  ihrer  Art,  altertümliche  gegenstande,
einrichtung;  Altertumssorscher,  -freund,  -kenner,  m.
Altertumskunde,  (.,  u.  a.

Iler,  Compar.  von  alt  (s.  d.),  als  erstes  Glied  von
Zusammensetzungen  in  Verwandtschaftsnamen,  cinen
Grad  mehr  als  alt-  auszudrücken:  Alterahn,  in.;  Altermutter,
  f.;  Aktervater,  m.;  dann  allgemein  wie  lUrahn,
Urmutter,  Urvater.

Altern,  neuer  für  alten  (s.  d.),  alt  werden:  er  altort.
schon  Steinbach;  sic  mag  wobl  vor  der  zeit  gealtert
haben  Schiller  M.  Stnart  2,  9;  ein  alterndes  fräulein
Heyse  Par.  2,  318;  alternde  bäume  Klopstock;  denn
schwindet  der  älteste  wein  aus  dem  fasz,  8o  altern
dagegen  die  jungen  Goethe  1,  138.  Mit  Umlant
ältern:  die  altornde  vernunft  Schiller  6,  266,  jetzt
verschwunden.

Am,  Verschmelzung  der  Präp.  an  mit  dem  Dat.  dem
des  masc.  oder  neutr.  Artikels:  wechselnd  mit  an  dem,
anßer  in  sesten  Fügungen,  namentlich  in  der  Verbindung
  mit  dem  Superl.,  am  meisten,  besten,  schönsten,
und  in  zeitlichen  Formeln,  am  sonntag,  montag  u.  s.  w.

Amboß,,  meiserner  Hämmerblock  einer  Schmiede,  ahd.
anapoz,  mhd.  ancböz  (eigenklich  worauf  man  Hammerschläge
  fübrt,  mhd.  anc  hogen,  schütternd  auf  etwas
stoßen):  ein  schmid  der  mus  bei  seinem  ambos  sein
Sir.  38,  29;  sprichwörtlich  hammer  oder  ambosz,  schlagen
oder  geschlagen  werden;  leiden  oder  triumphieren.  amhosz
  oder  bammer  scin  Goethe.  In  der  Patrone  des
Hinterladers  ambos  für  das  zündhütchen  (Instr.  78).

Amcisfe,  f.  das  bekannte  Insckt,  ahd.  ameizr,  mhd.
ameizc  und  cmeze,  auch  ags.  amette,  engl.  emmet,  vielleicht
  nach  ihrer  Betriebsamteit  genannt,  vgl.  emsc  und

#

emsig;  Bild  des  Fleißes:  gehe  bin  zur  emmeiszen  du

fauler  Spr.  Sal.  6,  6;  der  Unruhe:  gleich  der  beweglichen

  schaar  ameisen  Gocthe  10,  359;  der  Kleinheit:

wir  menschen  stchen  vor  dem  universum,  wic  die  amcise
vor  einom  groszen  majestätischen  palaste  Schiller  2,
341.  —  Amrcisenlansen,  u.  in  der  Heilkunst,  Krankheitserscheinung,
  Gefühl  wie  wenn  Ameisen  den  Rücken  hinauf

iesen.
Amen,  biblische  Schlußformel  bei  Gebeten,  nach
hebr.  Adv.  amon  wahrlich,  so  sei  es,  in  die  griech

dem
Hlat.

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Kirchenspr.  und  von  da  ins  ahd.  mhd.  übernommen:
in  freier  Anwendung:  zu  etwas  amen,  auch  ja  und  amen
sagen;  das  ist  so  gewisz,  wie  amen  in  der  kirche;  als
subst.  Neutr.  sein  amen  zu  etwas  geben,  sagen,  von
Herzen  einwilligen.

Ammc,  k.  die  das  Kind  einer  andern  sängt,  auch
Ziehmntter;  ahd.  amma,  mhd.  amme;  auch  span.  portug.
ama  Amme,  bask.  ama  Mutter,  altnord.  amma  Großmutier,
  wohl  ans  dem  Naturlaut  des  verlangenden
Kindes  gebilden.  da  es  über  so  viele  z.  Teil  unverwandte
  Sprachen  geht:  wie  eine  amme  jrer  kinder
plieget  1.  Thesf.  2,7;  verächtlich  der  amme  kaum  entlaufen
  sein,  von  einem  jungen  oder  ganz  unselbständigen;
geb,  geb!  du  bist  deiner  amme  entlaufen,  weil  sie  dir
mit  der  rutbe  gedrobt  hat  Schiller  Räub.  3,  2;  bildlich:
  aus  gemeinem  ist  der  mensch  gemacht,  und  die
gewohnbeit  nennt  er  seine  amme  Wallenst.  Tod  1,  1.
amm  für  Mutter  in  der  Kinderspr.  des  schwäb.  Landvolks
  (Schmid  20)  und  danach:  ja  wer  micb  nun  mit,
meinem  bündel  da  in  einem  hui  zu  ammen  nacb  bause
trug!  Wieland  Perv.  1,  151.

Ammer,  f.  1)  ein  Singvogel,  spät  ahd.  amero,  mhd.
amer:  weiter  gebildet  ämmerling,  ahd.  amerinch;  in
Beziehung  geglaubt  zu  ahd.  amar  Sommerdinkel,  als
Vogel  der  gern  solchen  frißt.  2)  eine  Kirschenart,  aus
mlat.  amaraætlium,  im  1.1/15.  Ih.  auch  schon  amarellen,
ambrell,  ammerheerc  (Dief.);  der  mlat.  Name  selbst
wohl  eine  frühe  Entstellung  aus  armensacum,  weil  die
Frucht  aus  Armenien  tam.

Ampel,  s.  Hängelampe;  ahd.  ámpulla,  ampla,  mhd.
ampcle,  ample,  aus  lat.  ampulla,  Olgesäß;  wie  alle
Namen  für  solche  Geräte  von  den  Römern  entlehnt,  in
lirchlichem  Gebrauch,  als  Lampe:  (der  Uhu)  wont  gern

in  den  kirchen  und  trinket  daz  öl  auz  den  ampeln
„Megenberg  173,  8;  auch  als  Gefäß  für  das  Salböl:
in  weltlichem,  Leuchte,  so  noch  dichterisch:  tief  im  schoosze
des  Kyffhäusers  bei  der  ampel  rothem  schein  sitzt
der  alte  kaiser  Friedrich  Geibel  1,  91.  Auch  bängendes
Gesäß  für  Blumen:  schlingpflanzen  in  ampeln  zichen.

Ampfer,  m.  Pflanzengattung  von  sauerm  Geschmack,
ahd.  amphero,  mhd.  ampfer,  auch  ags.  ampre  und  ompre:
vielleicht  wegen  der  Schärfe  der  Blätter  zu  altnord.  apr
scharf,  beißend  gebörig.

Amsel,  k.  ein  Singvogel,  ahd.  amisala,  amsala,  mhd.
amsel  (ungewisser  Herkunft,  es  wird  in  Beziehung  zu
lat.  mernla  aus  moesola  gebracht):  lerchenwirbel,  amselschlag!
  Uhland  Ged.  37.  ç

Amt,  n.  Dienst  und  seine  Obliegenheiten;  altes  gemeingerm.
  Wort,  über  alle  Dialekte  gleichmäßig  verbreitei,
  dennoch  nicht  unwahrscheinlich  aus  dem  Keltischen,
wo  amhactus  (in  latinisiertem  Gewande)  eine  gewisse
dienstpslichtige  Klasse  armer  Leute  bezeichnete  (ambactos
elientesquc  Cäs.  bell.  gall.  6,  15).  Solche  Hörige  mit
den  ihnen  eigenen  Namen  haben  die  Germanen  von
den  Kelten  übernommen  unter  früher  Umdeutschung  des
Wortes,  goth.  andbahts  Knecht,  andbahti  Knechtsdienst,
ahd.  ambaht.  m.  Knecht,  Diener,  ambabt,  n.  Dienst:  nur
das  letztere  setzt  sich  in  der  Spr.  fort  unter  allmählicher
Veredlung  seiner  Bedentung,  als  mhd.  ambabte,  ambehte,
  ambet,  ampt,  ammet,  uamt.  Plur.  alt  wie  Sing.
(die  umbt  Dan.  3,  12  u.  ö.),  jetzt  nur  ämter.  1)  amt,
wie  Dienst  im  allgemeinen  und  was  dabei  zu  thun:
in  einer  gescllschaft  das  amt  des  einschenkens  ubernebmen:
  Sprichwort:  was  deines  amts  nicht  ist,  da
lasz  deinen  fürwitz  (Sir.  3,  21);  ieb  lasse  mir  niobt  in
mein  amt  greisen  Isfland  Herbstt.  2,  9;  frei:  dank  es
dem,  der  ihm  flugel  gicbt  und  die  füszc  ihrer  ümter
entsetzt  Schiller  Ficsko  I,  7;  die  beisze  tageszeit  vertritt
  das  amt  der  nacht  in  diesem  land,  und  wird
verschlummert  und  verträumct!  Wieland  Ob.  11,  3.
25  össemtliches,  obrigkeitliches  Dienstverhältnis  und  das

dabei  zu  Erfüllende:  weltliches,  öffentliches,  geistliches,

Amme  —  Amt.