Volltext : Die Jesuiten und das Deutsche Reich.

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daß  Ignatius  als  Dank  dafür  in  diesem  seinen  einflußreichsten  Gönner
hatte.  Wenn  Ignatius  nicht  auf  Einführung  der  Inquisition  auch  in
Deutschland  besteht,  so  nur,  wie  er  selbst  schreibt,  „weil  sie  über  die
Fassungskraft  Deutschlands,  wie  es  einmal  bewandt  sei,  zu  gehen  scheine.“

Gegen  die  Hexenprozesse  haben  zwar  spätere  Jesuiten  geschrieben.
Allein  erst  nachdem  ihnen  diese,  beispielsweise  in  Würzburg  und  Trier,
die  erwünschtesten  Dienste  zur  Ausrottung  der  Ketzer  geleistet  hatten.
Nachdem  es  dort  keinen  Ketzer  mehr  gab,  waren  die  Hexenprozesse
in  den  Augen  der  Jesuiten  allerdings  nur  vom  Ubel.  Floß  doch  das
Vermögen  der  hingerichteten  Hexen  nicht,  wie  bei  den  Ketzerhin—
richtungen,  in  die  Kasse  der  Kirche,  sondern  in  diejenige  des  be—
treffenden  Landesherrn!

Wenn  die  Jünger  Loyolas  heutzutage,  namentlich  in  Deutschland,
  im  Lande  Luthers,  wo  sie  trotz  alledem  des  Protestantismus
noch  nicht  Herr  zu  werden  vermocht  haben,  es  absolut  nicht  wahr
haben  wollen,  daß  Ignatius  den  Orden  begründet  habe  zur  Bekämpfung
des  Luthertums,  so  ist  auch  das  echt  jesuitische  Sophistik.  In
der  Tat  hat  der  hochmütige  Spanier,  dessen  Ignoranz  in  kirchlichen
Dingen  zunächst  eine  absolute  war,  bei  der  Gründung  seiner  „Genossenschaft"
  nicht  an  die  deutschen  Protestanten  gedacht.  Er  wollte,  wie
wir  wissen,  ursprünglich  nach  Jerusalem,  um  jene  Mohammedaner  zu
bekämpfen  und  zu  bekehren,  die  er  von  seiner  heimatlichen  Halbinsel
her  als  Ungläubige  und  Bekehrte  aus  eigener  Anschauung  genugsam
kannte.  Als  er  notgedrungen  an  das  europäische  Festland  gefesselt
blieb,  hat  er  dann  sein  Augenwerk  zunächst  auf  die  romanisierten
Länder,  auf  Spanien  und  Portugal  und  deren  Kolonien  in  beiden
Weltteilen,  auf  die  beiden  „Indien“  gerichtet.  Seine  Jünger  und
Sendboten  haben  dementsprechend  in  Asien,  bis  nach  China  und  Japan
hinein,  und  in  Südamerika  am  frühesten  und  festesten  Fuß  gefaßt.
Da  gab  es  freilich  keine  „Lutheraner"  zu  bekehren.

Indes  Rom  liegt  in  Europa  und  fühlte  sich  am  unmittelbarsten
und  gefährlichsten  durch  das  Luthertum,  durch  die  deutschen  Protestanten
bedroht.  Was  halfen  alle  Bekehrungen  und  Eroberungen  in  den
anderen  Weltteilen,  wenn  die  römische  Papstkirche  am  Tiber  selbst
zusammenbrach?  Unterlag  sie  auch  nur  in  Deutschland,  so  war  sie
in  ihrer  Hauptdomäne  getroffen,  so  war  der  Verlust  durch  keine  noch
so  großen  Erfolge  jenseits  der  Weltmeere  einzubringen.  Und  so  faßte
Ignatius,  wie  er  selbst  nach  Köln  an  den  Kurfürsten-Erzbischof  geschrieben
  hat,  zu  dem  schönen  Deutschland  „eine  ganz  besondere
Liebe“.  Die  gelehrigen  Schüler  des  Liguori  nutzen  heute  diesen
Brief  natürlich  aus,  um  den  deutschen  Michel  glauben  zu  machen,  daß