Metadata : Meyers Fach-Lexika; Lexikon der deutschen Geschichte.

Thugut  —

an  der  Weichsel,  berühmt  durch  zwei  Friedensschlüsse.
  Der  erste  Thorner
Friede  wurde  im  Februar  1411  zwischen
dem  Hochmeister  Heinrich  von  Plauen,
dem  König  Jageilo  von  Polen  und  dem
Großfürsten  Witowd  von  Litauen  geschlossen.
  Darin  trat  der  Deutsche  Orden
das  Land  Samaiten  an  Polen  und  Litauen
  ab.  Der  zweite  Thorner  Friede
wurde  19.  Okt.  1466  zwischen  dem  Hochmeister
  Ludwig  von  Erlichshausen  und
dem  König  Kasimir  IV.  von  Polen  geschlossen.
  rin  trat  der  Deutsche  Orden
das  westliche  Preußen,  d.  h.  Pommerellen
und  die  Bistümer  Kulm  und  Ermland,
an  Polen  ab  und  behielt  Ostpreußen,  d.  h.
die  Bistümer  Samland  und  Pomesanien,
als  polnisches  Lehen.  Damit  war  die  Verbindung
  des  Ordenslands  mit  dem  Deutschen
  Reich  aufgehoben.  —  Das  Thorner
  Blutbad  (7.  Dez.  1724)  heißt  die
Hinrichtung  des  Stadtpräsidenten  Rößner
und  von  neun  Bürgern  auf  Befehl  der  polnischen
  Regierung.  Beie  elegenkeit  einer
Prozession  hatte  nämlich  das  Volk  das  Jesuitenkloster
  gestürmt  (16.  Juli),  und  die
Regierung  machte  die  städtische  Verwaltung
  dafür  verantwortlich.  Außer  andern
protestantischen  Fürsten  verwandte  sich  der
König  Friedrich  Wilhelm  I.  von  Preußen
vergeblich  für  die  Unglücklichen.

hugnt,  Franz  Maria,  Freiherr
von,  österreich.  Staatsmann,  geb.  1734
zu  Linz,  hieß  eigentlich  Tunicotto  und  erhielt
  den  Namen  T.  von  der  Kaiserin
Maria  Theresia.  Er  wirkte  zuerst  als  Dolmetscher
  bei  der  giehc  in  Konstantinopel
  und  übernahm  1759die  Vertretung
Osterreichs  bei  der  Pforte.  Auf  dem  Friedenskongreß
  von  Fokschani  1772  bewies
erals  österreichischer  Gesandter  große  diplomatische
  Gewandtheit  und  ward  von  Maria
  Theresia  dafür  in  den  Freiherrenstand
erhoben.  Durch  ein  übereinkommen  mit
der  Pforte  bewirkte  er  1776  die  Abtretung
der  Bukowina  an  OÖsterreich.  1780  wurde
er  Gesandter  in  Warschau  und  1787  in
Neapel  und  verwaltete  dann  bis  1790  die
eroberten  Donaufürstentümer.  Er  beteiligte

  sich  darauf  an  den  Friedensunterhand-He#

lungen  mit  der  Pforte  zu  Sistowa  und
leitete  in  Paris  die  Unterhandlungen

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zwischen  der  Königin  Maria  Anteinette
und  dem  Grafen  Mirabeau.  1794  zum
Minister  der  auswärtigen  Angelegenheiten
ernannt,  schärfte  er  den  Gegensatz  zwischen
Osterreich  und  Preußen,  dessen  Plänen  er
in  Polen  auf  jede  Weise  hindernd  in  den
Weg  trat,  verhinderte  aber  ebenso  dieenergische
  Führung  des  Kriegs  gegen  Faulreich,
  weil  ihm  an  dem  Besitz  der  österreichischen
  Niederlande  wenig  gelegen  und
eine  passende  Entschädigung  im  Oen,  vielleicht
  in  Bayern  oder  in  Polen,  erwünschter
  war.  Dennoch  drang  er  immer  auf
Füsnesgiiun  des  Kriegs  gegen  Frankreich,
o  sehr  auch  das  Volk  nach  den  Siegen
Bonapartes  den  Frieden  herbeisehnte.  Das
linke  Rheinufer  an  Frankreich  abzutreten,
machte  ihm  keine  Gewissensbisse,  obgleich
er  seine  Sorge  für  die  Integrität  Deutschlands
  gelegentlich  zur  cu  trug,  natürlich
  vorausgesetzt,  daß  Osterreichs  Entschädigung
  groß  genug  war.  Für  Thuguts
diplomatische  Künste  hegte  Kaiser  Franz
keine  große  Bewunderung,  um  so  mehr
billigte  er  dessen  Grundsätze  in  der  Verwaltung,
  da  das  Polizeisystem,  das  jener
in  Osterreich  durchführte,  garz  nach  des
Kaisers  Sinn  war.  1798,  während  des
Rastatter  Kongresses,  trat  T.  für  kurze
Zeit  aus  dem  Ministerium,  leitete  dassel
dann  wieder  während  des  zweiten  Koalitionskriegs
  und  gab  erst  8.  Okt.  1800,
nach  dem  Vertrag  von  Hohenlinden,  endgültig
  die  Leitung  der  auswärtigen  Angelegenheiten
  ab,  weil  Graf  Cobenzl  geeigneter
  erschien,  um  über  den  Frieden  zu
verhandeln.  Fortan  lebte  T.  in  Kreßug
und  Wien  bis  zu  seinem  29.  Mai  181
erfolgenden  Tod.  Vgl.  Vivenot,  T.,
Clairfayt  und  Wurmser  1794—970(1869);
Derselbe,  Vertrauliche  Briefe  des  Freiherrn
  von  T.  (1872).

Thüringen,  der  Landstrich  zwischen  der
Werra,  der  Saale,  dem  Harz  und  dem
Thüringer  Wald,  war  zu  Anfang  des  5.
Jahrh.  von  den  Thüringern,  die  wahrscheinlich
  Nachkommen  der  alten  Hermunduren
  ((.  d.)  sind,  bewohnt.  An
ihrer  Spitze  standen  Könige,  unter  denen
rmanfried,  der  Eidam  des  großen  Theoderich,
  durch  sein  trauriges  Ende  besonders
  bekannt  geworden  ist.  König  Theode-Thüringen.