Full text : Der Kanzler.

Order  von  1852  ausdrücklich  zu  beziehen.  Die  Existenz  der—
selben  und  die  Gewißheit,  daß  ich  das  Vertrauen  der  beiden
hochseligen  Kaiser  Wilhelm  und  Friedrich  besaß,  genügten,
um  meine  Autorität  im  Kollegium  sicherzustellen.  Diese
Gewißheit  ist  heute  aber  weder  für  meine  Kollegen,  noch  für
mich  selbst  vorhanden.  Ich  habe  daher  auf  die  Order  vom
Jahre  1852  zurückgreifen  müssen,  um  die  nötige  Einheit  im
Dienste  Euerer  Majestät  sicherzustellen.

Aus  vorstehenden  Gründen  bin  ich  außerstande,  Euerer
Majestät  Befehl  auszuführen,  laut  dessen  ich  die  Hufhebung
der  vor  kurzem  von  mir  in  Erinnerung  gebrachten  Order
von  1852  selbst  herbeiführen  und  kontrasignieren,  trotzdem
aber  das  Dräsidium  des  Staatsministeriums  weiterführen  soll.

Uach  den  Mitteilungen,  welche  mir  der  General  von
Hahnke  und  der  Geheime  Kabinettsrat  Lucanus  gestern  gemacht
  haben,  kann  ich  nicht  im  öSweifel  sein,  daß  Euere  Majestät
  wissen  und  glauben,  daß  es  für  mich  nicht  möglich  ist,
die  Order  aufzuheben  und  doch  Minister  zu  bleiben.  Dennoch
bhaben  Euere  Moajestät  den  mir  am  15.  erteilten  Befehl
aufrechterhalten  und  in  Zussicht  gestellt,  mein  dadurch  notwendig
  werdendes  Kbschiedsgesuch  zu  genehmigen.  Nach  früheren
  Besprechungen,  die  ich  mit  Euerer  Moajestät  über  die
Frage  hatte,  ob  Kllerhöchstdemselben  mein  Derbleiben  im
Dienste  unerwünscht  sein  würde,  durfte  ich  annehmen,  daß
es  Kllerhöchstdemselben  genehm  sein  würde,  wenn  ich  auf
meine  Stellungen  in  HAllerhöchstdero  Dreußischen  Diensten  verzichtete,
  im  Reichsdienste  aber  bliebe.  Ich  habe  mir  bei  näherer
  Hrüfung  dieser  Frage  erlaubt,  auf  einige  bedenkliche
UKonsequenzen  dieser  Teilung  meiner  ämter,  namentlich  des
kräftigen  Kuftretens  des  Kanzlers  im  Reichstage,  in  Ehrfurcht
aufmerksam  zu  machen,  und  enthalte  mich,  alle  Folgen,  welche
eine  solche  Icheidung  zwischen  Preußen  und  dem  Reichskanzler
haben  würde,  hier  zu  wiederholen.  Euere  Majestät  geruhten
darauf  zu  genehmigen,  daß  einstweilen  alles  beim  alten  bliebe.
Wie  ich  aber  die  Ehre  hatte,  auseinanderzusetzen,  ist  es  für
mich  nicht  möglich,  die  Stellung  eines  Ministerpräsidenten
beizubehalten,  nachdem  Euere  Majestät  für  dieselbe  die  capitis

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