Stimmen, die den Kaiser vor der Erstarkung Preußens
warnten, ihm die Unterstuͤtzung Frankreichs als im
russischen Interesse liegend dringend anrieten. Aber der
Wille des Selbstherrschers aller Reußen, dem sein Kanzler
zustimmte, war damals in Rußland noch maßgebend,
und solange Alexander II. lebte, konnte Berlin auf
seine freundschaftlichen Disposieionen rechnen. Anders
Fuͤrst Gortschakow in seinen späteren Jahren. Er hatte
den jüngeren Diplomaten Bismarck einst als seinen gelehrigen
und ergebenen Schüler anzusehen sich geschmeichelt#:);
als er wahrnahm, daß der Schüler sich
zu einem selbständigen Meister, das Deutsche Reich sich
zu einem mächtigen Staat im gentrum Europas entwickelt
hatte, erwachte die persönliche Eifersucht des alten
Staatsmannes und sein politisches Mißtrauen. In
den siebziger Jahren bahnte er die Freundschaft mit
Frankreich an. Bismarck erkannte richtig die Wandlung
der Dinge in Rußland, wo die nationalistische Sersmung
der Aksakow, Katkow, Miljutin, Ignatiew usw.
mehr und mehr Einfluß auch auf die politische Richtung
gewann. Er setzte den Abschluß des Bündnisses mit
Osterreich-Ungarn durch. Das bedeutet einen Wendepunkt
der deutscherussischen Beziehungen, denn alte und
1) Der Kampf, den Bi#smarsk als Bundestagsgesandter in Frankfurt
a. M. gegen die oͤsterreichische Diplomatie geführt hatte, mochte ihn
dem russischen Kanzler, dessen Abneigung gegen Österreich bekanne war,
wohl noch besonders sompathisch machen.
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