Contents : Fürst Bismarck und der Bundesrat. Fünfter Band. Der Bundesrat des Deutschen Reichs (1881-1900). (5)

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III.

Bericht  des  Bundeskanzlers  Grafen  Bismarck  an  Seine  Majestät
den  König.!4)
Donchery,  den  2.  September  1870.

Nachdem  ich  mich  gestern  abend  auf  Eurer  Königlichen  Majestät  Befehl
hierher  begeben  hatte,  um  an  den  Verhandlungen  über  die  Kapitulation  teilzunehmen,
  wurden  letztere  bis  etwa  1  Uhr  nachts  durch  die  Bewilligung  einer  Bedenkzeit
  unterbrochen,  welche  General  Wimpffen  erbeten,  nachdem  General  v.  Moltke
bestimmt  erklärt  hatte,  daß  keine  andere  Bedingung  als  die  Waffenstreckung
bewilligt  werden  und  das  Bombardement  um  9  Uhr  morgens  wieder  beginnen
würde,  wenn  bis  dahin  die  Kapitulation  nicht  abgeschlossen  wäre.  Heut  früh
gegen  6  Uhr  wurde  mir  der  General  Reille  angemeldet,  welcher  mir  mitteilte,
daß  der  Kaiser  Napoleon  mich  zu  sehen  wünsche  und  sich  bereits  auf  dem  Wege
von  Sedan  hierher  befinde.  Der  General  kehrte  sofort  zurück,  um  Seiner
Majestät  zu  melden,  daß  ich  ihm  folgte,  und  ich  befand  mich  kurz  darauf  etwa
auf  halbem  Wege  zwischen  hier  und  Sedan,  in  der  Nähe  von  Frénois,  dem
Kaiser  gegenüber.  Seine  Majestät  befand  sich  in  einem  offenen  Wagen  mit
drei  höheren  Offizieren  und  ebensovielen  zu  Pferde  daneben.  Persönlich  bekannt
waren  mir  von  letzteren  die  Generale  Castelnau,  Reille,  Moskwa,  der  am  Fuße
verwundet  schien,  und  Vaubert.  Am  Wagen  angekommen,  stieg  ich  vom  Pferde,
trat  an  der  Seite  des  Kaisers  an  den  Schlag  und  fragte  nach  den  Befehlen
Seiner  Majestät.  Der  Kaiser  drückte  zunächst  den  Wunsch  aus,  Eure  Königliche
Majestät  zu  sehen,  anscheinend  in  der  Meinung,  daß  Allerhöchstdieselben  sich
ebenfalls  in  Donchery  befänden.  Nachdem  ich  erwidert,  daß  Eurer  Majestät
Hauptquartier  augenblicklich  drei  Meilen  entfernt,  in  Vendresse,  sei,  fragte  der
Kaiser,  ob  Eure  Majestät  einen  Ort  bestimmt  hätten,  wohin  er  sich  zunächst
begeben  solle,  und  eventuell,  welches  meine  Meinung  darüber  sei.  Ich  entgegnete
ihm,  daß  ich  in  vollständiger  Dunkelheit  hierher  gekommen  und  die  Gegend  mir
deshalb  unbekannt  sei,  und  stellte  ihm  das  in  Donchery  von  mir  bewohnte  Haus
zur  Verfügung,  welches  ich  sofort  räumen  würde.  Der  Kaiser  nahm  dies  an
und  fuhr  im  Schritt  gegen  Donchery,  hielt  aber  einige  hundert  Schritt  von
der  in  die  Stadt  führenden  Maasbrücke  vor  einem  einsam  gelegenen  Arbeiterhause
  an  und  fragte  mich,  ob  er  nicht  dort  absteigen  könne.  Ich  ließ  das
Haus  durch  den  Legationsrat  Grafen  Bismarck-Bohlen,  der  mir  inzwischen  gefolgt
war,  besichtigen;  nachdem  gemeldet,  daß  seine  innere  Beschaffenheit  sehr  dürftig

1)  Das  Original  dieses  Berichts  befindet  sich  in  den  Akten  des  Auswärtigen  Amts,
eine  Abschrift  im  Kriegsarchiv  des  Großen  Generalstabs.  Der  Bericht  ist  mit  Auslassungen
bereits  am  12.  September  1870  im  „Staatsanzeiger“  veröffentlicht  worden;  hier  folgt  er
vollständig  nach  dem  Militär-Wochenblatt.