1006 Zur Geschichte der Akadeimie in den Jahren 1860-1899.
beiten der Akademiker und die Beschlüsse der Akademie bereits nach
acht Tagen der wissenschaftlichen Welt mittheilen zu können'!. Sechstens
endlich erhielt der Paragraph über die wissenschaftlichen Unternelımungen
nun folgende Fassung*:
Die Akadeinie hat ihrer im $ ı angegebenen Bestimmung zufolge?
wissenschaftliche Unternehmungen ihrer Mitglieder oder anderer Gelehrter
zu fördern, insonderheit solche, für welche die gemeinsame Thätigkeit
verschiedener Gelehrter nöthig erscheint, sowie solche, welche durch
ihren Umfang, ihre Dauer oder ihre Kostspieligkeit das Eintreten der
Akademie erfordern. Ferner gehört es gemäss der Bestiminung der Akademie
zu ihren Aufgaben, rein wissenschaftlichen Zwecken gewidınete
Stiftungen zu verwalten oder bei deren Verwaltung mitzuwirken, sowie
endlich durch Ertheilung von Preisen Forschungen auf bestiimten Gebieten
anzuregen oder zu begünstigen *.
Diese Fassung reicht noch nicht aus; es wird vor allem dieser Paragraph
sein, den die fortschreitende Entwicklung der Akademie ausgestalten
muss. Die übrigen Bestimmungen des neuen Statuts”, welche
von den älteren abweichen, haben keine allgemeinere Bedeutung und
dürfen hier unerwähnt bleiben". |
I Seit dem Jahre 1882 erscheinen diese Sitzungsberichte.
2 Vergl. den $ 62 des Statuts von 1838.
® Der $ 1 lautet: »Unsere Akademie der Wissenschaften ist eine Gesellschaft
von Gelehrten, welche zur Förderung und Erweiterung der allgemeinen Wissenschaften
ohne einen bestimmten Lehrzweck eingesetzt ist«.
* Preisaufgaben sind wie bisher in den Jahren 1860—1899 gestellt worden;
s. eine Übersicht über dieselben im Urkundenband Nr. 229. Zu den Stiftungen
traten in deın Jahre 1874 bez. 1830 zwei neue. Frau Wittwe CHARLOTTE STIEPEL
geb. Freiin von Horrrsarten errichtete testamentarisch bei der Akademie die
»CHARLOTTEN -Stiftung« zur Förderung junger, dem Deutschen Reiche angehöriger
Philologen, welche die Universitätsstudien vollendet haben, aber zur Zeit noch ohne
feste amtliche Anstellung sind. Auf Grund eines Concurrenzthemas aus deın Gebiete
der Philologie soll alle vier Jahre dem Befähigtsten ein Stipendium auf die
Dauer von vier Jahren aus den Zinsen des 10000 Tlılr. betragenden Stiftungscapitals
ertheilt werden. Die Stiftung trat im Jahre 1874 in Kraft. — Im Jahre 1880 trat
die »Dırz.-Stiftung« zur Förderung der romanischen Sprachwissenschaft in’s Leben.
Ihven Vorstand bilden sieben Gelehrte, von denen fünf durch die Berliner Akademie,
je einer von der Wiener und der Accademia de’ Lincei ernannt werden. Von den
durch die Berliner Akademie ernannten Mitgliedern müssen ihr zwei als ordentliche
Mitglieder angehören und eines aus der Zalıl der Gelehrten eines Landes
romanischer Zunge entnommen sein. Der Zinsertrag der Stiftung wird im Maximalbetrag
von 2000 Mark zunächst dazu verwandt, hervorragende Publicationen aus
dem Gebiete der romanischen Philologie zu prämiiren, eventuell die besten Lösungen
zu stellender Preisaufgaben aus demselben Gebiete zu krönen. Siehe die Statuten
der beiden Stiftungen im Urkundenband Nr. 230 und 231.
% Siehe den Abdruck im Urkundenband Nr. 232. Die »Reglementarischen Bestiimmungen«
sind nicht mit aufgenommen.
© Beimerkt sei, dass das neue Statut das Gehalt der ordentlichen Akademiker
auf 900 (gegen 600) Mark, das der Secretare auf 1800 Mark festsetzt, und dass