Full text : Geschichte der Deutschen Frauenwelt. Erster Band. (1)

Karlingische  Zeit.  115

Vom  8.  Jahrhundert  an  wurde  die  Zahl  der  deutschen
Jungfrauen  und  Frauen,  welche  sich  als  Förderinnen  der
Kirche,  als  Gründerinnen  von  Klöstern,  als  Nonnen  und
Reklusen  hervorthaten,  in  deutschen  Landen  immer  größer
und  größer  und  wissen  uns  die  Legenden  eine  Menge  von
weiblichen  Ganz=  oder  Halbheiligen  vorzuführen.  Die
Nonnenkutte  war  auch  außerhalb  der  Klöster  ein  begehrtes
und  geehrtes  Gewand.  Es  gab  eine  nicht  geringe  Anzahl
von  Frauen,  welche  dasselbe  trugen  und  als  „Gottesmägde“,
  „Verschleierte",  „Gottgeweihte“  ehelos  in  ihren
Familien  lebten,  zeitweilig  oder  für  immer.  Kloster=  und
Weltleben  spielte  überhaupt  in  dieser  Zeit  und  noch  lange
nachher  mannigfaltig  in  einander,  und  obgleich  eine
Nonne,  welche  ihr  Gelübde  brach,  um  in  den  Ehestand
zu  treten,  exkommunicirt  wurde,  kam  doch  dieser  Fall,  besonders
  in  den  höheren  Gesellschaftssphären,  häufig  genug
vor  und  scheint  man  sich  vor  der  Zeit  der  Gregore  und
Innocenze  aus  dem  Kirchenbann  überhaupt  nicht  eben  viel
gemacht  zu  haben.  Als  Regel,  die  freilich  viele  Ausnahmen
zählte,  galt,  daß  kein  Mädchen  vor  erreichtem  25.  Lebensjahr,
  also  nicht  vor  Eintritt  des  Altjungfernthums,  das  bindende
  Klostergelübdeablegen  sollte.  Die  Kapitularien  Karls
des  Großen  bezeugen  übrigens,  daß  die  Nonnen  dem
großen  Organisator  und  Gesetzgeber  nicht  wenig  zu  schaffen
machten.  Es  ist  darin  von  Nonnen  die  Rede,  welche  ein
vagirendes  Leben  führten,  statt  ihrem  himmlischen  Bräutigam
  treu  zu  bleiben  sehr  weltliche  Liebschaften  pflegten,
sogar  um  Geld,  und  die  Folgen  derselben  mittelst  Verbrechen

  beseitigten,  gegen  welche  mit  strengen  Strafen
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