§ 129 Die kommunalen Organe des Provinzialverbandes. 365
fügt ist. Die Wahlperiode der Abgeordneten beträgt sechs Jahre.
Die Wahl verliert dauernd oder vorübergehend ihre Wirkung mit
dem gänzlichen oder zeitweisen Aufhören einer der für die Wählbarkeit
vorgeschriebenen Bedingungen. Der Provinziallandtag beschließt
darüber, ob einer dieser Fälle cingetreten ist. Die Vornahme
der Wahlen ordnet der Oberpräsident an. Er hat auch
die Namen der neugewählten Abgeordneten durch das Amtsblatt
bekannt zu machen. Dagegen liegt ihre Einführung dem Vorsitzenden
des Provinziallandtages ob.
Die Ersatzwahlen für die im Laufe der Wahlperiode Ausgeschiedenen
nehmen dieselben Wahlversammlungen vor, welche die
letzteren gewählt haben. Die Vollziehung der Ersatzwahlen muß
innerhalb längstens sechs Monaten und wo möglich vor dem Zusammentritte
des nächsten Provinziallandtages erfolgen. Die Ersatzmänner
bleiben nur bis zum Ende desjenigen Zeitraumes in
Tätigkeit, für welchen die Ausgeschiedenen gewählt waren.
Gegen das stattgehabte Wahlverfahren kann jedes Mitglied
der Wahlversammlungs) innerhalb zehn Tagen Einspruch bei dem
Vorsitzenden des Wahlvorstandes erheben. Die Beschlußfassung
über den Einspruch, über welchen die Beteiligten vorab zu hören
sind, steht dem Provinziallandtage zu. Auch sonst prüft der
Provinziallandtag die Legitimation seiner Mitglieder von Amtswegen
und beschließt darüber. Gegen Beschlüsse des Provinziallandtages,
welche die Wählbarkeit seiner Mitglieder oder die
Giltigkeit des Wahlverfahrens betreffen, findet innerhalb zwei
Wochen die Klage beim Oberverwaltungsgerichte statt. Sie hat
zwar keine aufschiebende Wirkung, doch dürfen bis zur rechtskräftigen
Entscheidung Ersatzwahlen nicht vorgenommen werden
(§§ 14—24 Pr. O., E.G. für Schleswig-Holstein Art. I.).
In der Provinz Posen gilt für die Bildung des Provinziallandtages
noch jetzt die Verordnung vom 27. März 18245), welche
durch einige spätere Verordnungen in Einzelheiten ergänzt und
abgeändert ist. Die Provinzialvertretung gliedert sich hier nach
drei Ständen. Der erste Stand besteht aus dem Fürsten von
Thurn und Taxis wegen des Fürstentums Krotoschin, dem
2) Also nicht der Kreistag als solcher. Vgl. Entsch. des O#G. vom
6. November 1888. Bd. 17, S. 1.
5) G. 1824, S. 141.