Inhaltsverzeichnis : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

die  bayerischen  berlufllisten.

München.  23.  Nov.

Die  Verlustlisten  Nr.  70,  71,  72  und  7.
thalten  im  ganzen  3969  Namen,  und  zwar
jallen  486,  schwer  verwundet  49,  leicht  verundet
  46.3,  verwundet  1752,  vermißt  618,
ckfangen  genommen  1.  Auf  die  einze  inen  Trupconformationen
  verteilen  sich  die  Verlusie  wie
1gt:  22.  Inf.-Rgt.  Zweibrücken  (3.  Bat.):
efallen  72,  schwer  verwundet  90,  leicht  verwuntt
  22,  verwundet  446,  vermißt  93,  gefangen
NRes.=  Juf.  Rgt.  N.  4  Geallen
  35,  verwundet  205.  Res.-Juf.-Igt.
Kr.  2  München  (Stab,  J.  Bat.):  Gefallen  86,
bwer  verwundet  100,  leicht  verwundet  13,  vervundet
  324,  vermißt  137  Bayerisches  Briade-
  Ersahbataillon  Nr.  3  (Stab,  2.,  3.  und
Kompanic):  Gefallen  67,  schwer  verwundet
6.  leicht  verwundet  72,  verwundet  46,  vernißt
  93.  21.  Juf.  -gt.  in  Fürth  (3.  Bat.:
sejallen  119,  schwer  verwundet  171,  leicht  verrundet
  333,  verwundet  20,  vermißt  300.

Kei.  Inf.-Rgt.  Nr.  7  (2.  und  J.  Bat.):  Geallen
  107,  schwer  verwundet  12,  leicht  verwunsel
  23,  verwundet  711,  vermißt  195.

Höchslpreise  süce  Karkoffel.

Verlin,  23.  Nov.  Amtlich.  Der  Bundeskal
  legte  in  seiner  heutigen  Sitzung  die  Höchstrreise
  für  Kartoffeln  sel.  Die  Preise  gellen
fur  die  Kartoffelproduzenten.  Das  Reich  ist  mit
Rucssicht  auf  die  Verschiedenheit  der  Produk.
tetoe  in  vier  Preisbezirke  geteilt.  Der

1.  Bezirl  umaHô  etwa  die  Gebiete  östlich  der
Elre,  der  2.  Bezirk  umfaht  die  Provinz  Sachjen,
  das  Königreich  Sachsen  und  Thüringen,
der  3.  Bezirk  erstreckt  sich  auf  die  nordwestkeanärn
  Gebiete  mit  ihrer  großen  Schweinesucht.
  Der  Westen  und  der  Süden  des  Reiches
fallt  in  den  4.  Bezirk.

Die  Preise  für  die  besten  Speiselartoffeln,  wie
daber,  Imperator,  Magnum  bonum,  Up  to
date,  find  um  25  Pfg.  für  den  Zeniner  höhergeient
  als  für  die  übrigen  Speisekartoffeln.  Die
Landeszentralbehörde  lamm  noch  andere  Sor-#sen
  bester  Speisekartoffeln  in  diese  erste  Gruppe
bineinsetzen.  Die  Höchstpreise.  sind  für  Speiselartojfeln
  der  besten  Sorten  im  Osten  auf  2.75
Marl,  in  Mitteldeutschland  auf  2.85  Mark,
*  Nordwestdeutschland  auf  2.95  Mark,  in
West=  und  Süddeutschland  auf  3.05  Mark  für
den  Zentner  festgesetzt.  Für  die  nicht  herausgehobenen
  Sorten  sind  die  Preise  entsprechend
2.50  2.80  Mark  für  den  Zentner.

Die  Verordnung  über  die  Höchstpreise  für
zrenelatioffel  tritt  am  26.  Nov.  1914  in
Kraft.  Für  Futter=  und  Fabrilkartoffeln  ist  die
gensetzung  von  Höchstpreisen  in  Vorbereilung.

Hos-  und  Peesenalnachrichlen.

UMünchen.  23.  Nov.  Obersthofmeister  Graf
Seinoheim  ist  auf  sein  Ansuchen  in  den  Ruheiud

  Lars=  t  worden.  Zu  seinem  Nachfolger
hurde  Oberstallmeister  Frhr.  v.  Leonrod  ernannt.
  Mit  0  Dbersthofmeiser  Grafen  v.  Seinsbeim
  slleidet  der  Senior  der  bayer.  Hofbeam--en
  aus  seinen  Aemtern,  denen  er  mit  Umsicht
und  vorbildlicer  Treue  füt  das  Haus  Wittels-*
  i.  durch  lange  Jahre  vorgestanden  hat.  Sein
Nack  folger  ist  der  bisherige  Oberststallmeister
Wilhelm  Frhr.  von  Leonroo,  ein  in  den  Dienden
  des  früheren  Prinzen  und  jetzigen  Königs
Ladwig  altbewährter  Hofwürdenträger.

 

 

 

Gewmhen  uber  das  Vorgefallenc  erlangt  hatte,
berlietz  ich  meinen  Brobachterposten  und  eilte
in  das  Haus.  Aber  ich  haue  die  Tür  nicht  ohne
iedes  Geräusch  ösffnen  kömen,  und  ich  mußte
die  Diele,  sowie  ein  Vorzimmer  passieren,  bevor
ich  in  den  Raum  gelangle,  in  dem  sich  der  Russe
bejand.  Es  waren  gewiß  nur  Sekunden,  die
darüber  vergingen,  aber  für  meinen  durch  das
Knarren  der  Haustür  gewarnten  Besucher  hatte
diese  kurze  Zeit  doch  ausgereicht,  sich  auf  die
Komödie  zu  bereiten,  die  er  mir  vorzuspielen
gedachte.  Als  ich  auf  die  Schwelle  des  Arbeitszunmers
  trat,  saß  er  mit  leidender  Miene  da,
wo  wir  ihn  vorhin  verlossen  hatten.  Von  den
Papieren  war  nichts  zu  sehen,  und  die  Schublade
  des  Schreibsschee  war  geschlossen  wie  zuvor.
„Ah,  Herr  Lazar!“"  sagte  er  mit  einer  un.
befangenen  Gietchgnlngic.  die  mir  unter
anderen  Umständen  gewiß  einige  Bewunderung
fu#  seine  schauspielerischen  Talente  abgenötigt
hütre.  „Sie  sind  ja  lehr  schnell  zurück.  Haben
Sie  Fwas  vergessen?“
ch  suchte  meine  zoruige  Aufregung  nieder.
M#halten,  so  gut  ich's  vermochte;  aber  ich  bemühte
  mich  nicht,  in  dem  Ton  meiner  erwfdde.
rung  die  Verachtung  zu  verbergen,  von  der  ich
gegen  diesen  erbärmlichen  Spion  erfüllt  war.
a,  ich  vergaß,  den  Uhan  meines  Schrelblisches
  in  Sicheiben  Zu  brin
„Eine  sehr  lobenswerte  Vorscht!  Zumal
wenn  man  etwas  Werlvolles  zu  hüten  hat.
Ihr  Haus  liegt  wirklich  ein  bihchen  zu  einsam.
als  daß  es  für  die  iaAstbewahrung  kostbarer
Schäge  besonders  geeignet  wäre
Ich  lehnte  mich  an  ben  ich  und  fixierte
ihn  mit  durchdringende  im  Blick
e  keine  ——  zu  hüten,

Ba#werische  Nachüchten.

Augsburg,  23.  Nov.  Auf  dem  Lager  Lechseld

  lind  die  esten  russischen  Gesangenen
950  an  der  Zahl  —  angekommen.
.  Memmingen,  23.  Nov.  Bei  der  heutigen
hier  flattgehabten  Wahl  der  Gemeindebevollmächtigten
  wurden  9771  Stimmen  abgegeben.
Auf  die  Liste  der  Sozialdemokratie  entfielen
1858,  auf  die  Liste  der  Liberalen  5761,  auf
die  iste  des  Zentrums  2152  Stimmen.  Die
Liberalen  erhalten  sechs,  das  Zentrum  und  die
Sozialdemokratie  je  zwei  Sitze.

B  weriiches  Lderiand.

Bad  Uibling,  23.  Nov.  Fabrikbesitzer  F.
W.  Krauth  hat  seine  Stelle  als  Magistratsrat
wegen  Krankheit  niedergelegt.  An  seine  Stello“
wurde  der  Gemeindebevollmächtigte  Schreinermeister
  Alois  Brunauer  zum  Magistratsrat  gewählt.
  An  seine  Stelle  tritt  Gärtnereibesitzer
Lutzenberger,  als  letzter  Ersahmann,  in  das  Gemeindekollegium
  ein.

Schliersee,  23.  Nov.  Der  zum  ersten  Male
dahier  eingetroffene  Sportszug  brachte  600  und
die  übrigen  fahrplanmäßigen  Züge  brachten
100  Personen,  so  daß  zur  Ausübung  des  Win
sports  am  Sonntag  zirka  1000  Personen  im
Schlierseer  Gebiet  weilten.

 

 

Warum  wurden  die  Krankenlassenbeiträge
  erhöht7
Rosenheim,  24.  Nov.

In  letzter  Zeit  find  wegen  der  Erhöhung  der
Krankenkassenbeiträge  häufig  Fragen  über  den
Grund  dieser  Maßnahme  ausgetaucht.  Um  dieien
  zu  begegnen,  sei  Nachfolgendes  festgestellt:

Durch  kaiserliche  Verordnung  vom  4.  August
914  sind  im  ganzen  Deutschen  Reiche  die  Bei
träge  auf  41  vom  Hundert  feslgesetzt.  worden.
Diese  Erhöhung  der  Beiträge  trat  in  Kraft
ohne  Zutun  der  Kassen.  Nur  bei  jenen  Kas.
sen  konnte  es  bei  den  früheren  niedrigeren  Säen
  belassen  werden,  bei  denen  die  Leistungsähigkeit
  auch  ohne  die  Erhöhung  gesichert  war.
Die  Gewihheit,  auch  mit  den  niedrigeren  früheren
  Beiträgen  durchzukommen,  dürfte  jedoch  nur
lei  diesen  wenigen  Kassen  vorhanden  gewesen
zein,  die  schon  aus  früheren  Jahren  einen  beträchtlichen
  Reservefonds  zur  Seite  hatten,  um
aus  diesem  ein  etwaiges  Defizit,  das  während
dher  Dauer  des  Krieges  entsleht,  decken  zu  können.

Die  zweite  Frage  ist  diese:  Warum  wurde
diese  oben  erwähnte  kaiserliche  Verordnung  erlassen?
  Warum  hatben  die  Krankenkassen  während
  der  Dauer  des  Krieges  eine  schlechtere
Eristenz

In  den  ersten  10  NMobilmachungstagen  wurden
  ungesähr  25  Prozent  aller  männlichen  Verlicherten
  abgemeldet.  Das  bedeutet  eine  ganz
rachniche  Mindereinnahme.  Diesem  mag  entnegengehalten
  werden:  Wenn  eine  Kasse  weniger
  Mitglieder  und  infolgedessen  weniger  Einnahmen
  hat,  hat  sie  auch  weniger  Ausgaben.
Dieser  (GGrundsatz  ist  jedoch  hier  ganz  zu  verwersen.
  Betrachten  wir  die  Personen,  die  inbolge
  des  Kri2ges  abgemeldet  murden  und  dir,
die  der  Kasse  verdlieben.  Erstere,  fast  durchwegs
  zum  Kriegsdienst  eingerogene  Versicherte,
Waren  gesunde  Leute,  die  die  Kasse  wenig  in
Anspruch  nahmen  und  infolge  ihres  guten:  Ver- 



 

 

„Ich  ha
durchlaucht!  Und  deshalb  bin  ich  außerordent.

Sienstes  die  holen  und  hochsten  Beiträge  zahluch

  gespannt  zu  erfabren,  was  an  meiner  bescheidenen
  Habe  in  so  hohem  Masse  das  Interesie
des  Prinzen  Dolgorutow  zu  erregen  verma

„Mein  Interesse!  Sie  sprechen  in  Rätseln,
junger  Mann!  Und  ich  muß  Sie  schon  ersuchen,
  sich  etwas  verständlicher  aus  zudrücken.“

In  diesem  Augenblick  war  er  ganz  und
gar  der  vornehme  Aristokrat,  der  durch  die  stolze
Würde  seiner  Haltung  und  seiner  Mienen  den
unverschämten  Bürge  rlichen  in  dic  geziemenden
Schranken  zurückweist.  Aber  nach  dem,  was
ich  gesehen  hatte,  konnte  er  damit,  wie  meister—
haft  auch  immer  er  seine  Rolle  spielen  mochte,
naturgemaß  keine  Wirkung  mehr  auf  mich
hervorbringen.

„Meine  Reden  sind  sicherlich  nicht  rätsel.
hafter,  als  die  Handlungen  Eurer  Hoheit,“  er.
widerte  ich  mit  allem  Nachdruck,  der  mir  der
Situation  angemessen  schien.  „Ich  war  leichtsiunig
  Lemug.  Sie  hier  allein  zu  lassen,  weil

ch  Ihren  Namen  und  Ihren  yesellschaftlichen
r  ndn  als  ausreichende  Bürgschaften  ansah,
Ihnen  trauen  zu  dürfen.  Aber  Eure  Hoheit
waren  glücklicherweise  nicht  unbeobachtet.
mein  Diener  rief  mich  noch  zur  rechten  Zeit
urück.

„In  der  Tat?  —  Ein  Muster  von  einem
iener,  das  muß  ich  sagen.  Und  nebenher
eln  kompletter  Idiot!“

„Darüber  darf  ich  wohl  meine  eigene
Meinung  haben.  Zumal  ich  micht  unterlassen
will  hinzuzusügen,  daß  ich  von  draußen  durch
das  Fenster  ins  Zimmer  geoiar  habe,  bevor
ich  eintrat.“

„Wenn  es  Ihnen  Vergnügen  macht,  hinter
Türen  und  Fenstern  zu  spionieren  oder  Ihren
Diener  auf  dergleichen  zu  dressieren,  was
kümmert  euv  mich  !.  Das  sind  Sachen  der  ECrten.

  Die  nach  den  ersten  Mobilmachungstagen
der  Kasse  verbliebenen  Mitglieder  waren  also
zum  großen  Teil  weibliche  Personen,  Lehrlinge,
Lehrmädchen  und  ältere  Versicherte,  die  naturgemäß
  niedrige  Beiträge  r2ahlen  und  erfahrungsgemäß
  durch  Ar#t  und  Apothele  an  die
Kaise  die  meisten  Anforderungen  stellen.  Die
nun  mit  der  Zeit  als  Ersatz  für  die  Kriegseinberusenen
  Angemeloeten  sind  natürlich  zum
gröhten  Teil  nur  ältere  kränkliche  Personen  und
können  infolgedessen  keinesfalls  die  jüngeren  gesunden
  Versicherten,  die  im  Kriegsdienst  sind,
ersetzen,  da  sie  durch  den  niedrigeren  Verdienst
geringere  Beiträge  zahlen  und  mehr  krank  sind
als  erstere.

Schließlich  kommt  noch  in  Betracht,  daß  viele
Kriegsteilnehmer  ihre  Rechte  an  die  Kasse  durch
rechtzeitige  Anmeldung  zur  Fortsetzung  der  Mitglierschaft
  gewahrt  baden  und  die  Kassenleistungen
  infolge  Verwundung,  Krankheit  usw.
schon  häufiger  in  Anspruch  nehmen  mußten  und
noch  nehmen  werden  müssen,  als  wie  dieses  der
Fall  sein  würde,  m#nn  sie  in  Arbeit  stünden.

Durch  die  Erhöhung  der  Beiträge  wurde  also
crreicht,  daß  die  Leillungssähigkeit  der  Kasse
auch  während  der  Dauer  des  Krieges  erhallen
wird.  Es  sleht  sicher  zu  erwarten,  daß  sofort
nach  „Beendigung  des  ur  wieder  die  früheren
  Verhältnisse,  d.  k.  die  niedrigeren  Beiträg:e,
in  Kraft  treten.

Die  Goldbestände  im  Bezirk
Rosenheim.
Rosenheim,  24.  Nov.

Die  Aufforderung  zum  Vertausche  des  Goldes
gegen  Papiergeld  ist  im  Amtsbezirk  Rosenheim
  von  unerwartet  gutem  Erfolg  begleitet.
Jeden  Tag  lausen  bei  der  hiesigen  Reichsbank
30  O0  bie  40  000  Mk.  ein.  Schon  beziffert  sich
der  Einlauf  auf  fast  2  Millionen  Mark.  Diese
erfreuliche  Eischeinung  ist  ein  glänzendes  Zeugnis
  für  den  patriolischen  Sinn  unserer  Bebölkerung
  und  das  große  allseitige  Vertrauen  auf
die  unerschütterliche  Wirtschaftskraft  unseres
von  allen  Seiten  angegriffenen  Vaterlandes.
Tauschten  Toch  ältere  Austragsbauern  ihr
ganzes  verfügbares,  in  Gold  beslehendes  Vermögen
  um.  Es  waren  dies  ihre  Sparpfennige,
welche  sie  bisher  keiner  Bank  oder  Kasse  anvertrauen
  zu  dürfen  glaubten.

Ganz  hervorragende  Tätigleit  in  Belehrung
und  Aufmunterung  der  Bevölkerung  entwit
kelten  di:  Herren  Geistlichen  im  gangen  Bezirke.
wie  auch  viele  Herren  Bürgermeister  und  Lehrer
in  eifriger  und  erfolgreicher  Weise  sich  beteiligten.
  Die  Einsammlung  erfolgte  vielfach  von
Haus  zu  Haus  und  gar  oft  kamen  wider  alles
Erwarten  reidiche  Goldvorräte  zum  Vorschein.
In  einigen  Tagen  wurden  70000  Mk.  schon
allein  zum  Rentamt,  welches  Papiergeld  zur

fügung  gestellt  hatte,  abgeliefert,  der  weitaus
  größte  Teil  wurde  bei  den  Postansialten
umgetauscht.

(Hrößte  Anerlennung  verdienen  solche  Männer.
  welche  ohne  jegliches  Entgeli  sich  in  den

Dienit  des  Materlandes  gesiellit  haben.  Um
nur  einige  Beispiele  anz4uführen,  haben  die  Herren
  Pfarrer  in  Flintsbach,  Rohrdorf.  Pang,
Vogtarenth,  Prutting,  Hirusberg  10½00  Mi.
und  der  Herr  Burgermeister  in  Oberaudorf
130  2,  Ml.  an  einem  Tage  beim  Rentamt  abgeliefert
  und  noch  weilere  Lieferungen  in  Ausricht
  gestellt.

Mogen  diese  patriotischen  Männer  noch  viele
Nachahmer  finden.  Insbesondere  wäre  zuwün- 



schen,  dah  auch  in  der  Stadt  Rosenheim  eine
solche  Sammlung  vorgenommen  würde.  Nach
den  bisherigen  Wahrnehmungen,  die  bei  der
Sammlung  gemacht  wurden,  ist  noch  biel  Gold
in  Privatbesiß,  welches  aus  Unkenntnis  und  Beauemlichkeit
  zurückgehalten  wird.  Leicht  konnte
noch  im  Beiirk  eine  halbe  Milliön  zusammengebracht
  werden.

 

Orlssammelftelle  für  Liebesgoben.
(Magistratsimmer  Nr.  16.)

Nachdem  die  Haupxtaufgabe  unserer  Weihnachtssammlung
  von  Liebesgaben  fur  die  Krieer
  im  Felde  erfüllt  ist,  soll  in  Kürze  darüber
richtet  werden.  Recht  lebhaft  geslaltete  sich
*  Arbeit  der  zehn  Helferinnen,  die  täglich  mit
olnnahme  und  Verpadung  der  Liebesgaben  beschäftigt
  waren.

Bis  jetzt  find  45  große  und  lleine  Kisten  mit
Siebesgaben  an  die.  Hauptsammelstelle  Münen
  atgegangen.  Von  den  hiesigen  Sammeli
  ellen  wurde  an  Geldmitieln  der  Betrag  von
171  Mk.  abgeliefert.  der  Leiterin  der  Ortsimmelstelle
  kie  SZumme  von  845.75  Mk.  perjnlich
  übergeben,  darunter  eine  Sammlung  in
urstãtt  mit  145  Mark  u.  vom  Veteranen=  und

Kriegerverein  Großholihausen  30  Mkl.  Der  geuimte
  Geldbetrag  wurde  hier  am  Playe  in
Waren  umgeseßzt.

Die  höhere  Mädchen=  und  Mädchenvolksschule
aben  sich  gan:  besonders  bemultt,  an  der  Weih
chtpende  für  unsere  lapferen  Soldaten  mit.
.larbeitlen.  Teils  von  heigener,  teils  von  Rote-Kreuz-Wolle
  striäten  die  Schulerinnen  der  Volksichule
  150  Paar  Soten,  260  Paar  Pulswärmer.

Die  höhere  Mädchenschule  übergab  uns  23  schön
gearbeilete,  warme  Hemden,  50  Lungenschützer,
(2  Hauben,  22  Paar  Pulswärmer,  128  Paar

Socken.  Von  der  protestantischen  Schule  erielten
  wir:  13  Paar  Solen,  9  Paar  Pulswärmer.


Außerdem  arbeiteten  die  verschiedenen  Frauenrereine
  beirer  Konfessionen  fieiqzig  Liebesgaben
Ller  Art.  zu  gedenken  ist  auch  all  jener  Striklerinnen,
  welche  so  rasch  die  von  uns  ausgegeben:
Note-Kreu.-Woltie  verarbeiteten.  Eine  Auswahl
ler  Gaben  wanderte  in  die  bekannten  Ge
ichenkpalete,  von  denen  200  ohne  Wösche  à  0
Mark,  und  50  mit  Hemd  und  Unterho'e  im  Wert
ron  10  bis  12  Mk.  angefertig:  wurden.  Uncrefähr
  40  570  fertige  abgegebene  Palcte  eran:en
  die  Sendungen.  We  iter  gi  igen  ab  Kijten
kit  Woliwasche,  Unterhosen.
iele  Kisten  mit  Vaäwerk,  Lekenemitteln  und
VGetränken  und  als  Lieblingsweihnacktsgeschenk
ine  Kift:  mil  Zigarren,  Zigaretten,  eine  Kist:
auchtab#k,  zum  Tei.  ein  Geschenk  der  Präpaandenschüler
  Rosenheims.  Auch  rührende  kleine
Nindergaben  waren  en  verreichnen.  Der  Chriitliche
  Mütterverein  hat  200  büb'che  Säterln
rit  Dörrobst  gespendek.

Die  neuen  Kiüflen  waren  alle  von  der  Firma
Jamberger  zur  Verfugunz  genellt.  Der  Haus
eier  der  Herrn  Magistratsrats  Wolf  ha  1.
asmttide  Kisten  ugenagelt,  siher  auch  einc  tück
iige  Arbeitsleislung.

Die  Cemeinde  Rußdorf  hat  sich  zu  rechler
heit  noch  mit  drei  Kisten  Liebesgaben  ein
neilellt.  di:  und  DHerr  Regierungstat  Baur
ꝛ.  berwieĩen  hat.

Unsere  Sammeliteile  konnte  auf  diese  Wrile
eine  Wihnack  t#liebesgale  im  Mr.te  von  un
nefähr  401  Mk.  in?  Felo  schicken.  Oefsentlicher

 

älehung  und  des  guten  Geichmacks.
schlt  es  mir  noch  an  jeder  ptausiblen  Erklarung
für  Ihre  sonderbaren  Rede

ie  Notwendigkeit,  Erkiarungen  ab#ngeben,
scheini  mir  viel  eher  auf  Ihrer  Seite,  als
der  meinigen  zu  liegen.  Ich  bot  die  Gastfreundschaft
  meines  Hauses  einem  Edelmanne,

nicht  einem  Menschen.  der  die  Gelegenheit
wahrnahm,  meine  Prioatpapiere  zu  durchstöbern.“


„Sie  schlagen  da  einen  sehr  hohen  Ton
an,  Herr  Lazar!“

„Es  ist  der  Ton.  zu  dem  meine  Kenntnis

„  Dinge  mich  berechligk.  38  Sie  an
-  Schreibtisch  —  und  ich  sah  Sie  im
Besitz  von  Papieren,  die  sorgiöhiig  verschlossen
gewesen  waren.  als  ich  Sie  verließ.“

e  sollten  einen  öieer  konsultieren.
mein  Bot  Seitdem  Sie  fortgingen.  habe
ich  decsen  Sessel  noch  nicht  verlassen

ügen  gut.  mein  Prinz.  aber  leider
nicht'  8  genug.“

Er  geriet  noch  immer  nicht  aus  der  Fassung.
und  er  betrachtete  mich  mit  einer  gewissen  neu-Lierigen
  Verwunderung,  so  wie,  man  ein  merk.
würdiges.  Vhier  zu  vetrachten  pilegt.

S  sagte  er  nach  zihes  kleinen  Weile,
„daß  *  ven  den  Sitten  und  Gewohnhbeiten
dieses  wundervollen  Balkanlandes  noch  nicht
volltommen  vertraut  bin.  In  Rußland  oder
in  Frankreich  pflegt  man  a  in  solchem  Fall
seine  Sekundanten  zu  schicken.  Wie  aber,  mein
werter  Herr  Lnzar,  oerfährt  man  bei  Ihnen
mit  einem  Michschen.  von  dem  man  ein  Lügner
genannt  worden  ist?“

„  Sagen  Sie  Mir  lieber,  Prin)  Dolgorukow,
wie  man  in  Rußland  oder  in  Frankreich  mit

 

einem  Menschen  verfährt,  de:n  eine  vertrauens-Dank

  allen  Spendern  von  Gaden,  allen  Ge-Vorlaufig
  voll  gewähre  Gastireundichairn  dazu  brufe
lich  zu  bei  lehmen  wie  ein  nun.  Wurilin  solle
ich  sögern.  es  auszusprechen?  lie  ein  ge
meiner  Dieb“
auf  Der  Gefragte  machte  eine  gerinnichatzige

Bewegung  mit  den  Schultern  und  nahm  sich
eine  Zigarette  aus  dem  Kasichen,  dar  ich  d#hin
für  ihn  bereitgestellt  hatie.

ie  sind  noch  sehr  jung,  Herr  Lazar!  —
Und  Sie  rechnen  ohne  Zweritel  jelieniest  darauf.
eine  glan  zende  Karriere  zu  machen.  Ich  kann
nicht  beurteilen,  wie  in  dieser  Hiniunt  Ihre
Chancen  stehen.  Aber  ich  denke,  daß  Sie  es
begreiflich  finden  werden,  wenn  auch  andere
Leute  Karriere  machen  wollen.  Und  ich  sche
nicht  ein,  warum  Sie  nicht  vorziehen  wollten,
sich  von  jemandem,  der  auf  für  Sie  unerreichbaren
  Höben  wandelt,  gewissermahen  ins
Schlepptau  nehmen  zu  lassen.  Das  würde
Ihren  Weg  unter  allen  Umständen  bedeutend
beguemer  machen.  Wollen  Sie,  daß  ich  ganz
frei:  nütig  zit  Ihnen  rede?“

»  ebe  keinen  Anspruch  auf  das  Vertrauen
  Errer  Hobeit.  Denn  ich  wüßte  nicht,
was  mich  an  dem.  was  Sie  mir  mitteilen
könnten,  irgendwie  interessieren  soilte.“

.Seien  Sie  nicht  so  voreillg  in  Joren
Schlüssen.  GEs  moöchte  doch  sei,  daß  wir
uns  gegenseit:  g  recht  nützlich  werden  könnten.
Und  wenn  Sie  mich  besser  kennten,  wurden
Sic  wissen,  daß  es  noch  niemanden  gereut  hat,
dem  Prinzen  Dolgorutow  zu  Diensten  gewesen
  zu  sein.“

.Das  ist  möglich.  Aber  es  kümmert  mich
nicht.  Ich  habe  ganz  und  gar  nicht  den  Wunsch.
Ihnen  zu  Diensten  zu  sein,  und  es  erübrigt
sich  deshalb  mohl,  weiter  danon  zu  reden.“

 

„Wie  ungeduldig  Sie  lind  —  und  wie