640 Die wissenschaftliche Bedeutung der Akademie (1786-1812).
Mineralogische und geologische Studien mit chemischen zu verbinden,
war eine alte Tradition in der Akademie (von PoTT, Marc-GRAF,
LEUMANN, FERBER und GERHARD her), in der sie Glänzendes
geleistet hat. In Dirrricn Lunwis Gustav Karsten! (1768-1810)
aber empfing sie im Jahre 1803 einen (scognosten aus WERNER’S
Schule’, der schon als einundzwanzigjähriger Jüngling durch seine
» Beschreibung des Mineraliencabinets des Herrn LEskeE« (Marburg) ein
für die Mineralogie epochemachendes Werk geleistet hatte”. Der
Minister vos llevsıtz zog ihn nach Berlin, und dort stieg er rasch zu
den höchsten Stellen im preussischen Bergwesen auf. Im Wesentlichen
Anhänger der Werser schen Auffassungen bleibend, hat er
doch in seinen »Mineralogischen Tabellen« (1800, 1808) das System
desselben erweitert, durch zahllose Abhandlungen die Wissenschaft
gefördert und wurde von den berühmtesten Gelehrten des fortschreitenden
Zeitalters als eine Autorität anerkannt. Ein früher Tod
endete dieses arbeitsreiche Leben, in dem er doch noch Zeit gefunden,
auch der Akademie bei ihrer Reorganisation die erspriesslichsten
Dienste zu leisten. Die Königin Lrtise hat von ihm gesagt:
» Mineralien darf man nur mit Karsten schen; denn nur KARSTEN
weiss die Steine lebendig zu machens. Dieses Wort hat von Buch
in seine Lobrede auf den. grossen Mineralogen aufgenommen (Abhandlungen
ıSı4'15 S. 22).
Aber die wissenschaftlichen Verdienste Karstens sind weit
überstrahlt worden durch den Gelehrten, den ALEXANDER von Humer
auch die Schriften Lavoisier’s -- zur Verbreitung und Ausbildung der chemischen
Studien in unserem Vaterlande wesentlich beigetragen.
’ Er ist der Onkel von Karı Jonann BERNHARD Karsten (1782 —1853), der
auch Mineraloge und Mitglied der Akademie gewesen ist.
2? Karsten war schon in seinem 14. Jahre nach Freiberg gegangen.
3 In welchem Zustande sieh noch um 1790 die geologische Wissenschaft an
den Universitäten Deutschlands befand. darüber belehrt am besten die Schrift des
Prof. Wrrre in Rostock Ȇber den Ursprung der Pyramiden in Aegypten und die
Ruinen von Persepolis« (1789). Nach ihn sind die Pyramiden Reste eines vulcanischen
Ausbruchs. »die sich mit einer gewissen feierlichen Langsarnkeit emporgedrängt«
(dies und anderes Ähnliche bei Bruns, ALEXANDER von Humsoupr,
Bd.1 S.93f.. Aber noch einige Jahrzehnte später schrieb SteErrens: »Ist der
Basalt nicht eine ungeheure meteorische Bildung, ein gemeinsames Product des
Planetensystems? Schliessen sich nicht, eben indem die inneren Tiefen des eigentthürnlichen
Lebens in ihrer vollen Unendlichkeit vorherrschen, die Abgründe der bildenden
Kräfte des Universuns auf, wie das Licht, so auch die Schwere, die Mutter
aller Dinge, in ihrer erzeugenden Kraft, den starren Urgegensatz tragend, hervortritt,
als wolle die Welt eine Welt gebären? Diese Basaltformation mit allen
Gliedern ihrer Bildung scheint uns nun Vulcan erzeugend, nicht Product derselben «
(Alt und Neu Bd. ı S.190fl.).