Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

Gesen  bie  Gas-HLomben.

Unser  Bild  zeigt  die  verschiedenartigen  Systeme,
  die  zurzeit  als  Schutz  gegen  die  Gasund
  Rauchbomben  gebraucht  werden.  Links
oben  und  unten:  Schutzmasken  und  Respirationen
  der  Engländer.  Rechts  oben:  Ein  deulscher
  Sheltakesolan  mit  Gesichtsmaske.  Es  sind
dies  dicke,  mi!  Walte  und  Mull  über  Nase

 

 

 

und  Mund  geleglte  Binden,  womit  vor  allen
Dingen  unsere  Sanitätsmannschaften  ausgerlstet
  sind.  Außerdem  führen  diese  noch  Sauerstoffapparate
  mit  sich,  um  den  Betäubten  usw.
Hilfe  bringen  zu  können.  Rechts  unten:  Ein
französischer  Soldat  mit  Schutzmaste

 

 

gedrungenen  Feinde  aus  eigener  Kraft  hinausgequetscht,
  an  den  beiden  anderen  hatte  der
Einsatz  von  Reseroen  dieses  Ziel  erreicht.  Der
Versuch,  dem  Schicksal  zu  entgehen  und  in  die
eigenen  Gräben  zurückzufliehen,  kostete  die  Engländer
  zahllose  Tote.  Ganz  erbitterte  Nahkämpfe
  gegen  die  durchgebrochenen,  verzweiselt
sich  wehrenden  Engländer  spielten  sich  hinter
unserer  Front  unterdessen  ab.  An  jeden  allen
Graben,  an  jedes  Wasserloch,  jeden  Trümmierhausen
  llammerten  sich  ihre  Reste  an.  Vielfach
mußten  Ober=  und  Niederbayern  zur  heimischen
Waffe  greifen,  um  den  Widerstand  zu  brechen.
Von  der  Erbitterung  der  Kämpfe  zeugt  es,  daß
nur  140  Gefangene  mit  7  Maschinengewehren
in  unsere  Hand  fielen,  während  1500  englische
Leichen  allein  binter  unserer  Front  begraben
wurden.  Nicht  weniger  als  143  tote  englische
Offiziere  zählten  wir,  eine  Anzahl,  die  nur  unerheblich
  unter  der  unserer  gefallenen  Mannschaften
  blieb.

Glänzend  hatte  eine  bayerische  Division  den
Angriff  des  dreifach  überlegenen  verstärkien  4.
englischen  Armeekorps  abgewiesen.

Nicht  gleichzeitig  setzte  der  kommandierende
General  des  durch  eine  indische  Division  verstärkten
  1.  englischen  Armeekorps  seinen  Angriff
gegen  den  Abschnitt  Bois  du  Biez-La  Quinque
Rue  an.  Nachdem  am  Vormittag  seine  Infonterie
  nur  schwächlich  herangetastet  hatte,  sleigerte
  er  von  4  Uhr  inuten  nachmittags
an  sein  Feuer  zur  äußersten  Heftigkeit.  Um
5  Uhr  15  Min.  brach  der  Angriff  los.  Voran
eine  Welle  farbiger  Engländer,  dann  ueiße,
stürzen  aus  den  vom  Feind  für  große  Massen
sehr  geschickt  angelegten  Versammlungsgräben
heraus;  noch  einmal  farbige  und  wieder  n#eiße
Engländer  folgen  ihnen.  Bis  in  unsere  Drahtker

  als  des  Feindes  Wille  ist  das  Feuer  unserer
Westfalen.  Kein  einziger  Feind  gelangt  in  unseren
  Graben.  Massen  von  Engländern  verschiedener
  Rassen  decken  das  Feld.

So  war  es  trotz  eingehendster  Vorbereitung,
genauester  Kenntnis  der  schwachen  Besetzung  unserer
  Linien,  großer  Ueberlegenheit  an  Zahl.
gewaltigen  Munitionsaufwands  und  rücksichtslosen
  Einsatzes  guter  Truppen  dem  Führer  der
1.  englischen  Armee  nicht  gelungen,  irgendwo
Vorteile  zu  erringen.  Was  er  beabsichtigt  hatte,
war  nicht  etwa  nur  eine  Demonstration  zugunsten
  der  Verbündeten.

Was  er  gewollt  hatte,  darüber  geben  uns
seine  Befehle  Ausschluß:

„Die  geplanten  Operationen  zielen  auf  einen
entscheidenden  Sieg,  nicht  auf  einen  lokalen  Erfolg
  ab.  Das  Ziel  der  1.  Armee  ist:  Durchbruch
  der  eibe  Linie,  um  sich  in  den  Besitz
  der  Straße  La  Bosser-Fournes  zu  setzen
und  dann  auf  Don  vorzustoßen.“

Aber  auch  die  Erfolge  der  Franzosen  blieben
weit  hinter  dem  zurück,  was  der  kommandierende
  General  des  33.  Armeekorps  seinen
Truppen  angekündigt  hatte:

„Nach  neunmonatlicher  Feldzugsdauer  ist  es
an  der  Zeit,  eine  endgültige  Anstrengung  zu
machen,  die  feindlichen  Linien  zu  durchbrechen
und  zunächst  als  erstes  die  Deutschen  von  Frankreichs
  Boden  zu  verjagen.

Der  Augenblick  ist  günstig.  Riemals  war
das  Heer  stärker,  noch  von  größerem  Mut  beseelt.


Der  Feind  scheint  nur  einige  Divisionen  vor
unserer  Front  zu  haben,  unsere  Kräfte  sind
viermal  so  stark  als  die  seinigen.  Wir  versügen
über  die  stärkste  Artillerie,  die  je  auf  einem

Es  handelk  sich  heuke  nichk  um  einen  Handstreich
  oder  um  die  Wegnahme  von  Schützengräben.
  Es  handelt  sich  dorum,  den  Feind  mit
äußerster  Heftigkeit  anzugreisen,  ihn  zu  schlagen.
mit  beispielloser  Harlnäckigleit  und  Zähigkeit
zu  verfolgen,  ohne  Rücksicht  auf  Strapazen,
Hunger,  Durst  und  Leiden.“

Das  wollte  der  Feind,  dazu  hatle  Joffre  einen
der  besten  seiner  Unterführer,  den  General  Foch.
mit  der  Leitung  des  Angriffs  betraut,  dazu
hatte  er  Frankreichs  ganze  versügbare  Kraft
vereinigt.

Schon  am  9.  Mai  abends  sland  es  fest,  daß
sie  selbst  nicht  die  schwachen  deutschen  Kräfte,
die  hier  sofort  zur  Hand  waren,  über  den  Haufen
  werfen  konnte.

Die  große  Sturmflut  war  überwunden,  doch
der  Kampf  nicht  beendigt.

der  Kampf  ##r  ee.

Versenkt.

London,  5.  Juli.  In  Plymouth  sind  68
Mann  von  den  Baatungen  der  Dampser  „Reufreo“
  und  „Larchmore“  angekommen,  die  von
einem  deutschen  Unterseebvot  versenkt  worden
sind.  Beide  Dampfer  hatten  versucht,  zu  entkommen
  und  waren  heftig  beschossen  worden.
Ein  Mann  vom  Dampfer  „Larchmore“  ist  tot,
einer  wurde  verwundet.  (.3.)

Christiania,  5.  Juli.  Die  norwegische
W.  esandtschaft  in  London  sandte  an  das  Ministierium
  des  Aeußern  folgenden  Bericht:  Nach
einer  Mitteilung  der  britischen  Admiralität  stieß
der  norwegische  Dampfer  „(Cjejoe“  am  29.  Juni
25  Seemeilen  vom  Tyne  auf  eine  Mine.  Die
Besatzung  wurde  am  Tyne  gelandet.  (.3.)

Der  C  Bootserfolg  der  letzten

Woch  he.

Amsterdam,  5.  Juli.  Die  Londoner  Morning
  Post  besorich  Englands  Verluste  durch
den  Unterseebootskrieg:  Mindestens  14  Schiffe
sind  in  einer  Woche  an  ein  und  derselben  Stelle
versenkt  worden.  Viele  daron  waren  sehr  wertvoll.
  Scottish  Monarch  hatte  eine  Ladung  von
75/X.  Tonnen  Zucker,  der  Armenian  hatte  3825
Tonnen,  Lomas  3048  Tonnen;  Dumfrieshire
war  ein  großer  Viermaster,  der  mit  Getreide
vollbeladen  war,  ebenso  Thistlebank.  Weder
ihre  Größe,  noch  ihre  Geschwindigkeit  konnte
diese  Schiffe  vor  deutschen  Unterseebooten  retten.
  Tatsache  ist,  daß  größere  Geschwindigkeit
und  schwere  Geschütze  die  Zerstörungskraft  der
Jeutschen  Unterseebvote  in  letzter  Zeit  sehr  vergroßert
  haben,  und  es  wird  noch  schlimmer;
denn  Deutschland  baut  wahrscheinlich  jetzt  schon
Unterseeboote,  die  die  Große  eines  Kreuzers
erreichen,  weil  es  die  See  für  Handelsschiffe
sperren  will.  (Z.)

Die  Verluste  der  feindlichen
Handelsflotten.

Berlin,  5.  Juli.  In  Erwiderung  auf  einen
  Artikel  im  „Journal  de  Geneve““,  der
falsche  Zahlen  über  die  Verluste  der  britischen
Handelsmarine  angibt,  schreibt  die  B.  J.  nach
Erkundigung  an  zuständiger  Stelle:  Ein  zutref.
fendes  Bild  für  die  Wirkung  des  U-Bootkrie.
ges  ist  der  Vergleich  der  Tonnenzahl  der  vernichteten
  Schiffe  mit  dem  Gesamtionnengehalt
der  britischen  Handelsflotte.  Hiezu  ist  festzustellen,
  daß  vernichtet  sind:  1.  durch  U.  Bootkrieg
in  der  Zeit  vom  18.  Februar  bis  24.  Juni
Da  Schiffe  mit  mehr  als  31“,1  Tonnen  Ge- 



 

hindernisse  stürmen  die  Tapfersten.  Aber  stär-Schlachtfeld  verwendet  worden  ist.  halt  124  mit  400  000  Tonnen;  b)  Fischer-Blakt
  fur  Blall  ambob.  Ta  war  u.  a.  der  sankar  elend  gemackt  hatte-  Freilich  wucte  der  zit'as  Mat  ·-I  kI

ist-Waiklicn,ichmbemcianimmt  jahre
Brief  eines  bolländischen  Kaufmanns,  welcher  den  semfule  Junker  laum,  wie  er  die  wichutge  Kunde  lang  Buße  #artan  für  ein  Lasehen  •
Empfang  von  Waren  bestäligte  und  eine  neue  moglichil  rasch  in  Worte  lleiden  sollte,  um  dem  mich  gar  nicht  schuldig  gemacht  baite'  Und
Sendung  bestelltr.  Randbemerlungen  in  der  Waurz-  den  er  rien  alles  Led,  das  er  durch  sener  Menich,  so  beanrien  Zie.  Grai  Varel.  habe
charalteristischen  Handschrist  des  Schmuggler,  denielhen  jahren,  innig  verehrte,  Musc#ung  und

lapitänd  stempelten  diesen  Brief  zu  einem  un.
widerleglichen  Beweisstuck,  daß  Lucifer  Schmuggel
und  bei  Gelegenheit  auch  Seerauberei  getrieben.
Ein  anderer  Brief  von  einem  Angestellten  des
Bundes,  den  dieser  Dämon  in  Menschengestalt
in  ähnlicher  Weise  umgarnt  haben  mochte  wie
weulich  nachts  den  armen  Georg,  legie  sonnen.
!  eine  geheimen  Machinationen  gegen  das
Oberhaupt  der  geheimen  Srganisttan  dar.  Nicht
minder  gravierend  war  ein  Brief  von  Lais
Hausen,  dem  schurlischen  Sekrelär  „o  Reichsgrasen
  Wilhelm,  in  welchem  dieser  von  Fälschungen
berichuet  die  er  im  Auftrag  Lucifers  begangen,
um  den  „Meister  zu  täuschen.  In  cynisch  frecher
Weise  rühmte  sich  der  verbiecherüche  Dane  sener
Geschicklichleit,  auch  hielt  er  sich  jur  die  Zukunft.
bestens  empfohlen:  denn,  so  wie  er  seinen  Auftraggeber
  kenne,  werde  dies  ja  nicht  der  letzte
Stneich  der  Art  sein.  Der  Graf  versagte  es  sich,
die  übrigen  Blätter  cinzufehen,  und  orducte  die
Papiere  stillschweigend

Endlich  erhob  sich  Sophiens  Vater  wirder
von  der  Erde.  Seine  Züge  waren  verstört  und
seine  Augen  schienen  allen  Glanz  verloren  zu
aben.  Ludwig  Günther  zögerte,  ob  er  dem
chon  2  schwer  Lrofsenen  auch  noch  den  letzten,
nfamsten  Streich  jenes  Schurlen  mitteilen  dürste.

*7  Und  war  die  Mitteilung,  die  er
machen  atte,  für  den  Bedauernswerten  andererseits
  nicht  auch  Galsam  und  Trost  und  brachte
ihm  Heilung  des  Schmerzes,  der  länger  als  zwei
Jahrzehnte  in  seiner  Seele  gebrannt  und  ihn  un- 



Pein  zu  ersparen.  Mecht  eden  geschickt  nel  er  zuletzt
  Eedann  mit  der  Tür  ins  Haus,  zudem,
sagte:  „Noche#  Herr!  Leuer  Schuft,

dessen  Schuld  *  *  ja  nunmehr  überzeugt  boben
wunßte  seil  Jahren,  daß  eine  Person,  die  Sie  als
tol  bellagen,  lebt;  er  sah  ihr  Leid  mit  an  und
freute  sich  an  dem  Weh,  das  Sie  litten.  Mit
einem  Wort  konnte  er  die  surchtbare  Last  von

Ihrer  Seele  nehmen  —  er  tat  es  nicht.“

.Golt  im  Himmel""  rief  der  andere,  indem
er  den  Junker  mit  starren,  weit  geöffneten  Augen
anblickte.  „Was  meinen  Sie,  Graf  Vare1L7“

„Nabbi-  Islafar,“  antwortete  Ludwig  Günther,
eist  dicht  von  Ihnen  erschlagen  worden;  er  lebt
noch  im  gegenwärtigen  Augeublick  auf  Schloß
Varel.  Ich  lenne  ihn  gut,  den  alten  Kabbalisten.“

Beide  Hände  abwehrend  gegen  den  jungen
Grasen  erhoben,  während  Staunen,  Schrecken  und
Unglauben  nacheinander  in  seinen  Zügen  sich
ausdrückten,  so  stand  der  „Meister-  gleichsam
erstarrt  da;  dann  aber  trat  er  auf  den  jungen
An  zu.  sete  ihn  schmerzhaft  an  die  Schultern
und  blickte  ihm  fast  drohend  in  die  Augen:

„Sei  barmherzig,  Junler,  wenn  Du  ein
Mansch  bist  und  ein  menschlches  Herz  in  der
Brust  trägst,  täusche  mich  nicht  durch  trügerische
Hoffnungen!  Rabbi  Islafar,  der  Nabbanc  lebt!-„Nabbi

  Islafar  ben  Josef  ben  Halem  lebt
—  lebt  auf  Schloß  Varel,  allerdings  ein  gelähmter.
hilfloser  Greis,  nGepflegt  von  seinem  Diener,  dem
alten  Mardochai

„Wie,  der  alte  Mardochai  ist  ebenfalls  noch
am  Leben?  Ob  mein  Oott,  mein  Gottl

gewußt,  daß  der  judriche  Mabhi,  um  desisien  Tod
ich  wehklagte.  noch  am  Leben  i##i
Nabe  sich  aufballe
„Er  hat  es  Lewußt.
.Erzahlen  Sic,  büle,  doch  noch  einmal  von
Anfang.  au.  Herr  (Graf,  und  io  genau  wie  mog.
lich  von  dem  Aunr#bich  n,  we  dir  Zigeunctin
Sie  zu  dem  nachtüchen  Gange  arholle.  Olt,

Janz  in  der

Znueit“

mann  lragt  vielleicht  de  Kmr  voraus  in  seine
Wohnung:  wir  beide  jolgen  langsam  nach.  Ich

brauche  Iu  wohl  nicht  erit  zu  empiehlen,  mein
Aller,  wandie  er  sicht  un  den  granlopfigen  Schiffer,
„genau  Obacht  zu  geben,  daß  memand  die  Truhe

und  ihren  IAnhall  auch  um  beruhrt:  ich  will
nachher  noch  einmal  alles  nenan  diuchmustern.“
Cs  geschah  diesen  Worten  gemaß.  Wahrend

der  Alle  mit  der  Kine  am  der  Squullei  voraus
schrm.  solate  Indmin  Gumtber  mu  d#m  Vater
seiner  Giwahlien  und  beichtete  dabet  nochmals
aufs  eingehende  von  jeinen  Gubmmen  in  jener
Nacht.  Ein  paarmal  im  ißte  er  unterwegs  unwid.
lurlich  zur  Sene  auf  seinen  Begleuer.  dlicken.
Derselbe  kam  ihm  auf  einmal  nech  hoher  und
stattlicher  vor  als  souft:  dazu  schiin  er  so  clasisch
dahin:  jede  Bewegung  leugle  von  Kraft  und
Enerie.  Vor  dem  Dauechen  angelommen  das
Oumann  gcborte,  verabschiedete  der  „Meister-  den
jungen  Grasen,  indem  er  sagte:  .  S#  haben  nur
zu  gleicher  Zeit  unendlich  wobl  und  uberaus
wehe  getau,  mir  eine  boch  derrliche  und  eine  har
böse  Kunde  übermittelt.  danle  Ihnen  fur

 

 

beides,  Guniher  ron  Vare
leigt

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