Pereinitte Slaaten von Nordamerika und Kanada. (Dezember 4.) 917
würden das eine oder das andere als völlig ungerechtfertigt erachten, völlig
unvereinbar mit den Grundsätzen betrachten, nach welchen wir zu leben
und die wir durch unser Leben als Nation hoch und heilig zu halten erklärt
haben. Dem deutschen Volke sagen heute die Männer, denen gestattet
ist, es zu hintergehen und als seine Herrscher zu handeln, daß es geradezu
für das Leben und die Existenz seines Reiches einen Krieg verzweifelter
Selbstverteidigung gegen einen geplanten Angriff führe. Nichts könnte gröblicher
und leichtfertiger falsch sein, und wir müssen durch die äußerste Offenheit
und Aufrichtigkeit in bezug auf unsere wirklichen Ziele versuchen, es von
jener Falschheit zu überzengen. Wir kämpfen tatsächlich für seine Befreiung
von Furcht, sowie auch für die unfrige — von der Furcht sowohl, als von der
Vorstellung eines ungerechten Angriffs durch Nachbarn oder Rivalen oder
solche, die nach Weltherrschaft streben. Niemand aber bedroht die Existenz
oder die Unabhängigkeit oder die friedliche Unternehmungslust des Deutschen
Reiches. Das Schlimmste, was zum Nachteil des deutschen Volkes geschehen
könnte, wäre, wenn es nach Beendigung des Krieges weiter unter der ehrgeizigen
und ränkesüchtigen Herrschaft leben müßte, die nur Interesse hat,
den Frieden der Welt zu stören; wenn Männer oder ganze Klassen weiter
regieren sollten, denen die übrigen Völker der Welt nicht trauen konnten, —
in diesem Falle wäre es unmöglich, das deutsche Volk in die Gemeinschaft
der Nationen einzubeziehen, die künftig den Frieden der Welt gewährleisten
müssen. Jene Gemeinschaft muß eine solche der Völker sein, nicht eine bloße
Gemeinschaft von Regierungen. Es möchte auch unter solchen widrigen Umständen
unmöglich sein, Deutschland zur freien wirtschaftlichen Wechselbeziehung
zuzulassen, die unvermeidlich aus der Gemeinschaft eines wirklichen
Friedens hervorgehen muß. Allein darin würde kein Fehler liegen,
und eine solche angesichts des Mißtrauens unvermeidliche Sachlage würde
durch die innere Natur der Dinge, durch Prozesse, welche unbedingt eintreten
würden, sich selbst korrigieren. Das Unrecht, das entsetzliche Unrecht,
das in diesem Kriege begangen worden ist, muß wieder gutgemacht werden.
Das ist selbstverständlich. Doch es darf nicht dadurch gutgemacht werden,
daß gegen Deutschland und seine Verbündeten ähnliches Unrecht begangen
wird. Die Welt wird das Begehen ähnlichen Unrechts als Mittel zum
Wiedergutmachen und zur Schlichtung nicht dulden. Die Staatsmänner
müssen nachgerade die Einsicht bekommen haben, daß die Welt allenthalben
zu klarer Erkenntnis erwacht ist und die in Frage kommenden Dinge vollauf
versteht. Kein Vertreter einer sich selbst regierenden Nation wird es wagen,
diese Erkenntnis durch den Versuch ähnlicher selbstsüchtiger Verträge und
Kompromisse zu mißachten, wie sie beim Wiener Kongreß eingegangen
wurden. Der Gedanke des schlichten Volkes hier und überall in der Welt,
des Volkes, das sich keiner Vorrechte erfreut und das einen sehr einfachen
und unverdorbenen Maßstab von Recht und Unrecht besitzt, ist die Luft,
in der hinfort alle Regierungen atmen müssen, wenn sie leben wollen. Im
vollen schonungslosen Lichte dieses Gedankens muß in dieser Mittagsstunde
der Welt alle Politik entstehen und ausgeführt werden. Den deutschen
Herrschern ist es nur darum geglückt, den Frieden der Welt zu stören, weil
dem unter Vormundschaft stehenden deutschen Volk nicht gestattet war, die
Kameradschaft der andern Völker der Welt, weder in ihrer Auffassung, noch
nach ihren Zielen, zu teilen. Es war ihm nicht gestattet, eine eigene Meinung
zu haben, die für diejenigen, die es beherrschten, als Verhaltungsmaßregel
hätte aufgestellt werden können. Doch der Kongreß, der diesen Krieg beendigt,
wird die ganze Gewalt der Strömungen fühlen, welche die Herzen
und das Gewissen der freien Menschen allenthalben erfüllen. Seine Beschlüsse
werden mit diesen Strömungen gehen. Alle diese Dinge haben schon beim