Volltext : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1844. (35)

Pereinitte  Slaaten  von  Nordamerika  und  Kanada.  (Dezember  4.)  917

würden  das  eine  oder  das  andere  als  völlig  ungerechtfertigt  erachten,  völlig
unvereinbar  mit  den  Grundsätzen  betrachten,  nach  welchen  wir  zu  leben
und  die  wir  durch  unser  Leben  als  Nation  hoch  und  heilig  zu  halten  erklärt
  haben.  Dem  deutschen  Volke  sagen  heute  die  Männer,  denen  gestattet
ist,  es  zu  hintergehen  und  als  seine  Herrscher  zu  handeln,  daß  es  geradezu
für  das  Leben  und  die  Existenz  seines  Reiches  einen  Krieg  verzweifelter
Selbstverteidigung  gegen  einen  geplanten  Angriff  führe.  Nichts  könnte  gröblicher
  und  leichtfertiger  falsch  sein,  und  wir  müssen  durch  die  äußerste  Offenheit
  und  Aufrichtigkeit  in  bezug  auf  unsere  wirklichen  Ziele  versuchen,  es  von
jener  Falschheit  zu  überzengen.  Wir  kämpfen  tatsächlich  für  seine  Befreiung
von  Furcht,  sowie  auch  für  die  unfrige  —  von  der  Furcht  sowohl,  als  von  der
Vorstellung  eines  ungerechten  Angriffs  durch  Nachbarn  oder  Rivalen  oder
solche,  die  nach  Weltherrschaft  streben.  Niemand  aber  bedroht  die  Existenz
oder  die  Unabhängigkeit  oder  die  friedliche  Unternehmungslust  des  Deutschen
Reiches.  Das  Schlimmste,  was  zum  Nachteil  des  deutschen  Volkes  geschehen
könnte,  wäre,  wenn  es  nach  Beendigung  des  Krieges  weiter  unter  der  ehrgeizigen
  und  ränkesüchtigen  Herrschaft  leben  müßte,  die  nur  Interesse  hat,
den  Frieden  der  Welt  zu  stören;  wenn  Männer  oder  ganze  Klassen  weiter
regieren  sollten,  denen  die  übrigen  Völker  der  Welt  nicht  trauen  konnten,  —
in  diesem  Falle  wäre  es  unmöglich,  das  deutsche  Volk  in  die  Gemeinschaft
der  Nationen  einzubeziehen,  die  künftig  den  Frieden  der  Welt  gewährleisten
müssen.  Jene  Gemeinschaft  muß  eine  solche  der  Völker  sein,  nicht  eine  bloße
Gemeinschaft  von  Regierungen.  Es  möchte  auch  unter  solchen  widrigen  Umständen
  unmöglich  sein,  Deutschland  zur  freien  wirtschaftlichen  Wechselbeziehung
  zuzulassen,  die  unvermeidlich  aus  der  Gemeinschaft  eines  wirklichen
  Friedens  hervorgehen  muß.  Allein  darin  würde  kein  Fehler  liegen,
und  eine  solche  angesichts  des  Mißtrauens  unvermeidliche  Sachlage  würde
durch  die  innere  Natur  der  Dinge,  durch  Prozesse,  welche  unbedingt  eintreten
  würden,  sich  selbst  korrigieren.  Das  Unrecht,  das  entsetzliche  Unrecht,
das  in  diesem  Kriege  begangen  worden  ist,  muß  wieder  gutgemacht  werden.
Das  ist  selbstverständlich.  Doch  es  darf  nicht  dadurch  gutgemacht  werden,

daß  gegen  Deutschland  und  seine  Verbündeten  ähnliches  Unrecht  begangen
wird.  Die  Welt  wird  das  Begehen  ähnlichen  Unrechts  als  Mittel  zum
Wiedergutmachen  und  zur  Schlichtung  nicht  dulden.  Die  Staatsmänner
müssen  nachgerade  die  Einsicht  bekommen  haben,  daß  die  Welt  allenthalben
zu  klarer  Erkenntnis  erwacht  ist  und  die  in  Frage  kommenden  Dinge  vollauf
versteht.  Kein  Vertreter  einer  sich  selbst  regierenden  Nation  wird  es  wagen,

diese  Erkenntnis  durch  den  Versuch  ähnlicher  selbstsüchtiger  Verträge  und
Kompromisse  zu  mißachten,  wie  sie  beim  Wiener  Kongreß  eingegangen
wurden.  Der  Gedanke  des  schlichten  Volkes  hier  und  überall  in  der  Welt,

des  Volkes,  das  sich  keiner  Vorrechte  erfreut  und  das  einen  sehr  einfachen

und  unverdorbenen  Maßstab  von  Recht  und  Unrecht  besitzt,  ist  die  Luft,

in  der  hinfort  alle  Regierungen  atmen  müssen,  wenn  sie  leben  wollen.  Im

vollen  schonungslosen  Lichte  dieses  Gedankens  muß  in  dieser  Mittagsstunde

der  Welt  alle  Politik  entstehen  und  ausgeführt  werden.  Den  deutschen

Herrschern  ist  es  nur  darum  geglückt,  den  Frieden  der  Welt  zu  stören,  weil
dem  unter  Vormundschaft  stehenden  deutschen  Volk  nicht  gestattet  war,  die
Kameradschaft  der  andern  Völker  der  Welt,  weder  in  ihrer  Auffassung,  noch

nach  ihren  Zielen,  zu  teilen.  Es  war  ihm  nicht  gestattet,  eine  eigene  Meinung
zu  haben,  die  für  diejenigen,  die  es  beherrschten,  als  Verhaltungsmaßregel
hätte  aufgestellt  werden  können.  Doch  der  Kongreß,  der  diesen  Krieg  beendigt,
  wird  die  ganze  Gewalt  der  Strömungen  fühlen,  welche  die  Herzen

und  das  Gewissen  der  freien  Menschen  allenthalben  erfüllen.  Seine  Beschlüsse

werden  mit  diesen  Strömungen  gehen.  Alle  diese  Dinge  haben  schon  beim