Full text : Allgemeines Baugesetz für das Königreich Sachsen vom 1. Juli 1900.

24  Einleitung.

dere  ein  Massenmiethaus,  errichten  will.  „Demjenigen,
der  ein  Haus  für  sich  selbst  baut,  kann  man  fast  volle
Freiheit  gewähren“,  bemerkt  treffend  Geheimer  Baurat
Stübben  in  Köln:  „die  eigene  Fürsorge  wird  in  der
Regel  ersprießlicher  sein,  als  alle  baupolizeiliche  Bevormundung
  .  .  Die  Ubertragung  des  ganzen  Heeres  der
für  das  Alassenmiethaus  notwendigen  Bauvorschriften
auf  das  Rkleine  Wohnhaus  und  besonders  auf  das  Einfamilienhaus
  ist  zwechlos  und  ungerechtfertigt.  Hier
wirkt  die  polizeiliche  Maßregelung  oft  nachteilig  und
hinderlich  und  treibt  unbeabsichtigterweise  das  Bauvorhaben
  dem  Massenmiethause  entgegen.“  (Vgl.  den
Vortrag  Stübbens  im  „Technischen  Gemeindeblatt"
1898  Nr.  18  und  19.)

Der  Staat  hat  alle  Ursache,  auch  den  Minderbemittelten
  die  Erwerbung  eines  eigenen  Hauses  zu  erleichtern,
  da  die  bekannte  Erfahrung,  daß  in  der  ansässigen
Bevölkerung  eine  der  zuverlässigsten  Stützen  für  die
Aufrechterhaltung  der  bestehenden  staatlichen  und  gesellschaftlichen
  Ordnung  zu  finden  ist,  doch  in  erster  Linie
für  diejenigen  gilt,  die  auf  eigenem  Grund  und  Boden
wohnen  und  wirtschaften.  „Im  eigenen  Heim  und  am
eigenen  Herd“,  bemerkte  Staatsminister  von  Metzsch
bei  Einführung  des  Gesetzes  in  der  II.  Kammer  (LTMitt.  II
S.  205),  „wird  die  Liebe  zur  Heimat,  zum  Hause,  zur
Familie  begründet  und  bestärkt  und  die  Zufriedenheit,
dieses  leider  oft  geflissentlich  verkümmerte  Gut,  erhalten
und  gewahrt.“  Selbstverständlich  läßt  sich  das  hiernach
anzustrebende  Ziel  nicht  allerorten  und  nicht  allein  durch
Bauvorschriften  erreichen.  Doch  können  diese  dadurch
mitwirken,  daß  sie  die  baupolizeilichen  Anforderungen
an  das  zu  eigenen  Wohn=  und  Mirtschaftszwechen  zu
errichtende  Gebäude  auf  das  niedrigste  zulässige  Maß
herabsetzen  und  die  zur  Annehmlichheit  des  Wohnens
und  Lebens  wesentlich  beitragende  Befriedigung  individueller
  Geschmackhs=  und  anderer  Bedürfnisse  nach  Alöglichneit
  begünstigen.  Auch  wird  die  Errichtung  kleiner
Wohnhäuser  dadurch  gefördert,  daß  die  Bauabgaben  für