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ufer vorgehen würden. Er sollte sich in allen Punkten verrechnet
haben und scheiterte gerade daran, daß einerseits die Deutschen, wie
wir sehen werden, auf dem nördlichen Maasufer sehr viel stärker
waren, als er irgend angenommen hatte, und er sich von ihnen völlig
überraschen ließ, andererseits die 3. und 4. Armee trotz ihrer von
Joffre selbst zugegebenen Hberlegenheit platterdings geschlagen
wurden. «
Kür einen eventuellen Rückzug war übrigens so weit als tunlich
gesorgt.
Der französische Vormarsch war so angelegt, daß der Armee im
Falle des Mißerfolges der Rückzug auf Paris unter allen Umständen
gesichert blieb. Allerdings mußte auch die englische Armee, wenn
sie nicht die Gefahren eines Rückzuges in der Richtung auf England
und der Trennung von den Franzosen auf sich nehmen wollte, in der
gleichen Richtung zurückgehen wie diese. Dafür aber mußten die
Deutschen, wenn sie zum Rückzuge gezwungen wurden, zwischen der
holländischen und deutschen Grenze in arges Gedränge kommen. Auch
hoffte man zuversichtlich auf den Sieg der Entente, der seit Jahren
ausgezeichnet vorbereitet war, und schließlich auf die russische Dampfwalze,
die einen deutschen Dormarsch, wenn er ja eintreten sollte,
nur allzubald zum Stehen bringen und den ganzen Derlauf der
Kriegshandlung ändern mußte.
Rußland hatte mit seiner Mobilmachung schon viel früher angefangen,
als Deutschland etwas davon erfuhr. Auch hatte es die
rasche Versammlung seiner Armee, wie unserem Generalstabe wohl
bekannt war, in zweckmäßiger Weise vorbereitet und damit seinen
Aufmarsch wesentlich beschleunigt. Man war daher deutscherseits
auf eine anfängliche Hreisgabe Ostpreußens, wie wir sahen, durchaus
gefaßt. Dennoch war RZußland, als der Krieg ausbrach, mit
seinem Aufmarsch viel weiter vorgeschritten, als man allem Anschein
nach diesseits annahm. Auch GEsterreich war, wie wir sahen, dem
gleichen Irrtum verfallen. Wie stark zudem die Russen eigentlich
waren, läßt sich nach dem heutigen Stande der Cuellen noch gar
nicht ũbersehen. Jedenfalls sind sie nach Millionen zu zählen. Sie
sollen im ganzen an die 12 Millionen Mann allmählich unter die
Waffen gerufen haben.
Der russische Aufmarsch verfolgte, den politischen Absichten des
Reichs entsprechend, einen doppelten Sweck. Die Kauptkräfte wurden
gegen Esterreich eingesetzt, gegen Ostpreußen aber wurden zwei
Armeen aufgestellt, die man für stark genug hielt, die in dieser
Drovinz versammelten Kräfte zu schlagen. Sie wurden geführt von
General von Rennenkampf, der etwa aus der Linie Milna—Grodno
gegen Königsberg vorgehen, und vom General Samsonow, der über
Ortelsburg, Reidenburg und Soldau in Cstpreußen einfallen sollte.
Die ersse, die ZTjemen-Armee, war zusammengesetzt aus sechs Armee-