Full text : Jahrbuch für Gesetzgebung, Verwaltung und Volkswirthschaft im Deutschen Reich. Dritter Jahrgang. (3)

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„Es  bleibt  der  in  dieser  Weise  bearbeitete  Boden  den  ganzen  Sommer  hindurch
unberührt  liegen  bis  zur  Weinlese.  So  oft  sich  während  des  Seinmers  höheres  Unkraut
  entwickelt,  wird  dasselbe,  wenn  es  zu  blühen  anfängt,  ausgej  itet  und  im  Weinarten

  zerstreut,  das  weiter  an  der  Erde  kriechende  aber  nicht  berchtet,  weil  es  dem

achsthun  der  Reben  nicht  hinderlich  ist,  sondern  beim  Umste  hen  dem  Boden
wieder  als  grüne  Düngung  dient,  und  zugleich  bei  heißen  Winden  den  Reben
eine  befruchtende  Kühlung  gewährt.

Ein  solches  Uebergehen  des  Weinberges  behufs  Jätens  während  des  Sommers
ist  nur  dreimal  nöthig  und  kostet  somit  kaum  so  viel  als  ein  einmaliges  Durchhacken.
Sämmtliche  Abfälle  verbleiben  als  Dünger  wieder  dem  Weinberg,  n  ozu  die  bereits  verholzten
  Neben  verbrannt  werden;  dieses  Alles  wird  während  der  Herbstarbeit  unter
die  Erde  gebracht,  wozu  auch  der  nöthige  Stalldünger  kommt.“

Der  Esfin  er  dicser  interessanten  Kulturmethode,  ein  Weinberge  besitzer  in  Mähren,
Namens  Johann  Bier  bringt,  wenn  sonst  der  Boden  gut  und  in  einen  mineralischen
Bestandtheilen  von  Natur  fruchtbar  ist,  keinen  Dünger  in  die  Weinberge,  außer  den
Abfällen,  welche  der  Weinberg  selbst  gibt,  und  macht  çute  und  große  Erträge.
  Er  spart  viel  Arbeitslohn  im  Jahr  und  empfiehlt  die  Methode  seines  Verfahrens
  im  Interesse  des  Weinbaues  dringend.  —  habe  diesen  Gegenstand  etwas
eingehender  behandelt,  weil  die  Ausdehnung  dieser  Kulturmethode  auch  auf  den  Gemüe,
  und  Obstbau  sich  wohl  in  Erwägung  ziehen  läßt,  sie  entspricht  auch  im  Wesentlichen
  dem  Gedanken,  welchen  der  Verfasser  der  oben  genannten  Vroschüre  auf  Seite
9  bezüglich  des  Anbaues  der  Waldpflanzen  entwickelt.  In  jedem  Falle  erscheint  es
wünschenswerth  diesen  interessanten  Kulturgedanken  zunächst  in  weiteren  Kreisen  im
Betriebe  des  Weinbaues  praktisch  einzuführen,  weil  er  in  der  That  rationell  und
darum  gut  ist.  Auch  darf  nicht  übersehen  werden,  daß  die  im  Laufe  des  Winters  dem
Mest  unterworfenen  Erdschollen  der  Dämme  durch  den  nachfolgenden  Sfiuß  von

e  und  Feuchtigkeit  alljährlich  eine  Menge  von  Mineralien  und  alien  in
einem  für  die  Wurzeln  der  Pflanzen  aufnehmbaren  Zustande,  also  für  die  Pflanzennahrung
  abgeben  werden.

Endlich  habe  ich  in  meiner  „Bodenkultur  und  das  Wasser“  auf  Seite  87
bis  98  eine  eingehende  Beschreibung  über  die  „künstliche  Bewässerung  der
Gärten  und  Felder  gegeben,  wie  sie  in  verschiedenen  Städten  und  Ländern  und
zwar  namentlich  auch  zur  Förderung  der  Rübenkultur  in  Masny  in  der  Nähe
von  Lille  mit  Hilfe  von  Dampfwerken  und  mit  Benutzung  des  Grundwassers
und  der  Linien  gleicher  Höhe,  mit  großen  Erfolgen  in  Ausführung  ge  t
werden.

Die  Linien  gleicher  Höhe  entsprechen  auch  dem  Gedanken  der  sogenannten  Ebenenkultur,
  welcher  im  Betriebe  der  Landwirthschaft  als  der  vollendete  praktische  Ausdruck
  eines  modernen  Kulturfeldes  betrachtet  wird,  weil  ein  derartig  konstruirtes
sowohl  in  seiner  geologischen  Basis  und  in  seinen  Feuchtigkeitsverhältnissen  als  auch
auf  seiner  Oberfläche  auf  allen  Punkten  der  Fläche  von  Licht,  Luft  und  Wärme  glei
mäßig  beeinflußt  wird.  Dieser  Zustand  eines  Kulturfeldes  ist  praktisch  und  thatsé
lich  bei  jedem  Felde  vorhanden,  welches  nach  der  Dammkultur-Methode  von  Rimpan
künstlich  geschaffen  worden  ist,  sich  aber  außer  bei  vorhandenen  Grünlandmooren  nur
selten  anderswo  in  Anwendung  bringen  läßt.  —

Außerhalb  der  Wälder  fällt  die  Benutzung  der  Linien  gleicher  Höhe  vor  allen
Dingen  in  den  Geschäftsbereich  der  Kulturingenieure,  welche,  wenn  fie  es  verstehen
auf  dem  angezeigten  Wege  eine  rationelle  Vertheilung  des  Wassers  mit  ihren  Projekten
zu  verbinden,  der  Land=  und  Volkswirthschaft  äußerst  nützlich  sein  können.  Hierzu

ehört  auch  die  Anlage  horizontaler  Sammelgräben,  welche,  weil  fie  zugleich  Schlammänge
  find,  sich  vielfach  und  meist  ohne  große  Kosten,  namentlich  in  mehr  abhängigen
Lagen,  mit  Vortheil  anbringen  und  zweckmäßig  verwerthen  lassen.  —

#  ad.  6.  Bei  der  Anlage  von  Straßen  und  Kanalisirung  von  Wasserläufen  x.
ist  man  erst  in  neuerer  Zeit  bestrebt  gewesen,  die  Linien  Seichrr  Höhe  zu  berückfichtigen
und  wohl  auf  dem  Wege,  wobei  auch  der  Hydrotechniker  nicht  im  Sinne  einer  möglichst
schnellen  Fortschaffung  des  überschüssigen  Wassers  seine  Pläne  ausarbeitet,  sondern  gleichgeitmg
  eine  rationelle  snuhung  desselben  in  Erwägung  zieht,  sei  es  zur  Auflandung  von
Eltwässern,  sei  es  zur  Füllung  der  Kanäle  und  Schiffbarmachung  der  Flüsse.  —  Ohne
ier  den  gewiß  berechtigten  Maßnahmen  unserer  Hydrotechniker  vorgreifen  zu  wollen,
ei  es  gestattet,  meine  persönliche  Meinung  dahin  zusammenzufassen,  daß  es  sich  em-