Full text : Preußische Geschichte. Dritter Band. (3)

II.  Der  Krieg  von  1758—1763.  121

lösenden  Tod  hätte  finden  können.  Noch  nie,  auch  1760  nicht,
hatte  er  sich  zu  so  ohnmächtiger  Thatenlosigkeit  verurteilt  gesehen.
  Nicht  immer  glücklich,  aber  schließlich  doch  in  der  Hauptsache
  erfolgreich,  focht  Ferdinand  von  Braunschweig  im  Westen
gegen  die  Franzosen.  Prinz  Heinrich  behauptete  den  Rest  von
Sachsen,  während  er  selbst  in  Schlesien  die  Vereinigung  Laudons
  mit  den  Russen  unter  Butturlin  nicht  hindern  konnte  und
zufrieden  sein  mußte,  durch  das  Lager  bei  Bunzelwitz,  in  das
er  sich  förmlich  eingrub,  die  feindliche  Uebermacht  Wochen  hindurch
  an  anderen  Unternehmungen  zu  hindern.  Nur  eine  Schule
zur  Uebung  der  Geduld,  nicht  zu  größerer  Tüchtigkeit  sah  er
in  einer  solchen  Kriegführung.  Noch  nie  hatte  er  so  trüb  in
die  Zukunft  geblickt,  so  völlig  verzagt  an  der  Möglichkeit  einer
rettenden  Wendung.  Ein  freiwilliger  Tod  allein  schien  ihn  aus
einer  Lage  retten  zu  können,  in  der  er  sich  sagen  mußte,  nur
noch  dank  der  Unfähigkeit  seiner  uneinigen  Gegner  überhaupt
aufrecht  zu  stehen.  Und  als  die  Russen  endlich  ohne  den  vernichtenden
  Streich  geführt  zu  haben  nach  Polen  zurückgingen,
da  trafen  ihn  neue  Unglücksbotschaften.  Am  1.  Oktober  überrumpelte
  Laudon  Schweidnitz,  und  am  5.  trat  Pitt  aus  dem
englischen  Ministerium.  Unter  solchen  Umständen  machte  es
Friedrich  kaum  noch  Eindruck,  daß  ein  verwegener  schlesischer
Edelmann,  v.  Warkotsch,  der  früher  in  österreichischen  Diensten
gestanden  hatte,  ein  Komplott  spann,  um  ihn  in  dem  Lager
aufzuheben  und  in  die  Hände  seiner  Feinde  zu  liefern,  das,
durch  seine  Bediensteten  verraten,  vereitelt  werden  konnte.
Er  meinte,  die  Sache  habe  aus  der  Entfernung  gefährlicher
ausgesehen,  als  sie  in  Wirklichkeit  gewesen.

Trostlos  war  das  Facit  auch  dieses  Feldzuges,  wie  Friedrich
  es  beim  Beziehen  der  Winterquartiere  gegen  Finckenstein
zog  (10.  Dezember  ).  „Die  Oesterreicher  sind  in  Schlesien  Herren
Schweidnitz'  und  des  Gebirges;  die  Russen  stehen  hinter  der
Warthe:  in  meiner  unsicheren  Stellung  hänge  ich  durchaus  ab
von  meinen  Feinden.  Wenn  ein  Bund  Stroh,  ein  Transport
Rekruten  oder  Geld  zu  mir  gelangt,  verdanke  ich  das  ihrer
Gnade  oder  ihrer  Nachlässigkeit.  In  Pommern  ist  Kolberg  so
gut  wie  verloren:  nur  ein  Wunder  könnte  es  retten.  Das  Ge-