Die österreichisch ungarische Ronarchle (Febr. 27. — Märtz 2.) 225
die Zunahme der Bewerbung in Steiermark, Kärnthen, Oberöslerreich, Tyrol,
Sal ½3. und Böhmen.
7. Februar. (Oesterreich.) Ofenheim wird von dem Geschworss.uiliar
freigesprochen.
Das Verdict der Geschwornen lautet mit Stimmenmehrheit „nicht
schuldig."“ Denselben sind 9 Fragen vorgelegt worden und in den meisten
Punlten anerkennen nur 2, 3 Stimmen eine Schuld; in der Schwellenfrage
gar keine, selbst in der „Provisionsfrage“ sprechen nur 5 ein „Schuldig.“
Das Urtheil des Gerichtshofs lautet demnach: „Viktor Ofenheim, Nitter von
Ponteuxin, wird von der gegen ihn wegen Verbrechens des Betruges erhobenen
Anklage freigesprochen; die Privalbekheiligten werden mit ihren Ersahanfsprüchen
auf den Cioilrechtsweg gewiesen, die Kosten des Prozesses sind vom Staale
zu tragen."
Während das im Gerichtssaale versammelte und wie behauptet wird,
künstlich gausienmengesee Mublikum die Schamlosigkeit hat, die Freisprechung
mit hellem Jubel zu begrüßen, entringt sich in den ausgeregten Stunden der
darauffolgenden Abende der Bevölkerung doch vielfach ein Aufschrei sittlichen
Entsetzens. „Staatsanwalt wie VBertheidiger hatten die als Geschworene ausgelosten
Mitglieder der intelligenten Stände abgelehnt. Es saß daher auf
der Geschworenenbank überwiegend jener gerade in Wien so denkfaule und
sittlich haltlose Spießbürger, der, wo es sich nicht um seinen eigenen Vortheil
handelt, am Liebsten fünf gerade sein läßt“
Der Handelsminister Banhans geht nach Beendigung des Prozesses
mit Urlaub nach Italien.
28. Februar. (Ungarn.) Das neue Cvalitionsministerium ist
gebildet: Wenckheim behält nebst dem Präsidium die Stelle am Hoflager,
das Innere erhält Tisza, die Communication Thomas Pechy,
die Finanzen Sgell, den Handel Frhr. v. Simonyi, die Justiz Bela
Perczl, Trefort den Cultus, Szende das Honved-Ministerium und
Graf Pejacsevics das croatische. Tisza ist ohne Zweifel die Seele und
thatsächlich das Haupt der neuen Regierung, Baron Wenkheim steht
nur formell und um der Deakpartei den Uebergang des entscheidenden
Einflusses auf die bisherige Linke zu erleichtern, an der Spitze.
1. März. (Oesterreich.) Abg.-Haus: Eine Conferenz der
Majorität beschljeßt, den Antrag Wildauer, der dahin ging, die
Schulaufsicht in Tyrol trotz des Widerstandes der clericalen Mehrheit
des dortigen Landtags gesetzlich zu regeln und die Sonderstellung
des galizischen Landesschulraths zu beseitigen, für diese Session
fallen zu lassen, da die Regierung denselben für inopportun erklärt,
weil er die Gefahr eines erneuerten Ausscheidens der polnischen Abgeordneten
aus dem Reichstag nahe lege.
2. März. (Ungarn.) Unterhaus: Conferenz der Deakpartei.
Dieselbe beschließt die Fusion mit der Linken und ferner, das neue
Cabinet auf Grund des von Baron Wenkheim ihr vorgelegten Pro-15