Contents : Blätter für Rechtsanwendung. LXXII. Band. (72)

370  Zur  Anwendung  des  §  254  Be#.

bens  auf  gespanntem  Fuße  steht.  In  einem  solchen  Falle  wird  man  in  dem  Unterlassen
  eines  Einstellungsantrages  durch  den  A.  ein  Verschulden  dann  nicht  finden
können,  wenn  zwischen  der  Kenntnis  der  Pfändung  und  der  Versteigerung  nur
ein  kurzer  Zeitraum  liegt,  zumal,  wenn  A.  von  dem  Versteigerungstermine  gar
keine  Kenntnis  hat.  Keinesfalls  aber  darf  A.  die  Hände  längere  Zeit  ruhig  in
den  Schoß  legen  und  die  Sache  laufen  lassen,  wie  sie  will.  Er  muß  vielmehr,
sobald  es  tunlich  ist,  eine  Tätigkeit  entwickeln,  wie  er  sie  ja  hinterher  auch  entwickelt,
wenn  er  seinen  Schaden  einklagt.  Die  Verpflichtung,  tätig  zu  werden,  erscheint
um  so  berechtigter,  weil  ja  der  Eigentümer,  der  eine  ihm  gehörige  Sache  im  Besitze
  eines  anderen  beläßt,  dadurch  einen  Zustand  herbeiführt,  dessen  täuschender
Schein  dem  wahren  Sachverhalte  widerspricht.  Es  erscheint  deshalb  nicht  unbillig,
  wenn  er  dann  die  daraus  sich  ergebenden  Unzuträglichkeiten  zu  tragen  hat.
Dies  muß  umsomehr  gelten,  als  andererseits  dem  C.  eine  Rechtsvermutung  zur
Seite  steht,  daß  die  bei  B.  gepfändete  Sache  Eigentum  des  B.  ist.  Denn  der
Besitz  begründet  die  Vermutung  des  Eigentums  und  diese  Vermutung,  die  zu
Gunsten  des  Besitzers  gilt,  darf  aus  dessen  Person  auch  von  seinem  Gläubiger,
gegenüber  einem  Eigentumsprätendenten  geltend  gemacht  werden.  Der  Gläubiger,
  welcher  eine  im  Besitze  seines  Schuldners  besindliche  Sache  pfänden  läßt,
übt  daher  lediglich  sein  gutes  Recht  aus  (§  1006  BGB.;  OLG.  Hamburg,  Seuff.
Arch.  Bd.  57  Nr.  225).

III.  Eine  besondere  Beachtung  verdient  noch  der  Fall,  daß  der  Eigentümer
nach  Kenntnis  der  Pfändung  in  Unterhandlungen  mit  dem  Pfändungsgläubiger
tritt.  Auch  hier  wird  es  auf  die  Persönlichkeit  und  die  Umstände  ankommen.

a)  Ist  A.  ein  geschäftsgewandter  Mann  und  sieht  er,  daß  bis  zur  Erledigung
der  Unterhandlungen  soviel  Zeit  verstreichen  muß,  daß  die  Zeit  bis  zur  Versteigerung
  nicht  ausreicht,  so  muß  er  —  falls  er  hierzu  nach  den  oben  ausgefühten  in
der  Lage  ist  —  sofort  den  Einstellungsantrag  stellen.  Dies  muß  umsomehr  gelten,
wenn  er  nicht  in  der  Lage  ist,  dem  C.  sein  Eigentum  glaubhaft  zu  machen,  wohl
aber  dem  Gerichte,  z.  B.  sein  Mietvertrag  liegt  bereits  in  einem  Prozeßakte  des
Gerichtes  in  Würzburg.  Hat  A.  dagegen  noch  genügend  Zeit,  daß  er  bei  normalem
  Verlaufe  der  Korrespondenz  annehmen  kann,  dieselbe  werde  noch  vor
der  Versteigerung  erledigt,  so  wird  er  berechtigt  sein,  zuerst  die  Unterhandlungen
mit  C.  aufzunehmen.  Verschiebt  sich  hierbei  dann  infolge  eines  nicht  voraussehbaren
  Zufalles  die  Möglichkeit  für  A.,  die  Einstellung  rechtzeitig  zu  beantragen,
so  kann  es  ihm  nicht  als  Verschulden  angerechnet  werden,  daß  er  von  Anfang  an
nicht  die  Einstellung  beantragt  hat.  Z.  B.  A.  hat  8  Tage  vor  der  Versteigerung
Kenntnis  von  der  Pfändung  erhalten.  Er  schreibt  nun  sofort  dem  C.  unter
Beilage  seines  Mietvertrages;  C.  gibt  nicht  frei;  durch  einen  Zufall  (Verschicken
  des  Briefes)  erhält  A.  den  Brief  des  C.  mit  seinem  Mietvertrage  erst
nach  der  Versteigerung  zurück.  Allerdings  erhebt  sich  hierbei  noch  die  Frage,
ob  nicht  A.  einen  oder  zwei  Tage  vor  der  Versteigerung,  ohne  die  Antwort  des
C.  nun  weiter  abzuwarten,  die  Einstellung  hätte  beantragen  müssen.  Allein
hier  kommen  die  schon  oben  erwähnten  Momente  wieder  in  Betracht.  Den  Mietvertrag
  hat  A.,  weil  er  ihn  ja  an  C.  geschickt  hat,  nicht,  es  fehlt  ihm  also  dieses
Mittel  der  Glaubhaftmachung  zur  Begründung  seines  Einstellungsantrages.
Hinsichtlich  der  Versicherung  an  Eidesstatt  gilt  das  oben  Ausgeführte.  Anders
dagegen  würde  der  Fall  liegen,  wenn  A.  z.  B.  zwei  Exemplare  des  Mietvertrages
zur  Verfügung  hätte.  Hier  muß  er  als  geschäftsgewandter  Mann  kurz  vor  dem
Versteigerungstermin  den  Einstellungsantrag  stellen,  weil  er  ja  nicht  weiß,  aus
welchem  Grunde  sich  die  Antwort  des  C.  verzögert  hat  —  die  Verzögerung  kann

ja  ohne  jedes  Verschulden  des  C.  erfolgt  sein  —  und  weil  er  außerdem  mit  der