9e Das Deutschtum in übersee
des Deutschen Reiches mit Mexiko hat 1910 den Wert von 70. 6 Millionen
Mark, 1911 von 76,6 Millionen Mark erreicht. Derzeit tobt
in Mexiko allerdings der Bürgerkrieg. Einzelne Deutsche sind hart getroffen,
z. T. grausam ermordet worden. Das tatkräftige Eingreifen des
Deutschen Reiches wird, so darf man zuversichtlich erwarten, eine sühnende
Bestrafung der Schuldigen und eine materielle Schadloshaltung der
Geschädigten oder ihrer Erben erzwingen.
Ebenso nachdrücklich macht das deutsche Element (auf 1100 Köpfe
geschätzt) in Guatemala sich geltend. Dort befindet sich ein erheblicher
Teil der Kaffeeplantagen in deutschem Besitz. Bewundernswertes ist
in der Umwandlung dichten Urwaldes in Kaffeepflanzungen geleistet.
Eine blühende Plantage reiht sich an die andere. Hunderte von Millionen
deutschen Kapitals sind dort im Grundbesitz angelegt. Dabei
ist zu erwähnen, daß die deutsche Tätigkeit sich nicht auf wirtschaftliche
Ziele beschränkt. Die deutsche Schule in Guatemala, die sich der besonderen
Fürforge der deutschen Gesandtschaft erfreut, ist eifrig bemüht,
der dortigen deutschen Jugend deutsches Wesen zu eigen zu machen.
Mit welchen Elementen unter der eingesessenen Bevölkerung zu rechnen
ist, darüber belehrt eine Mitteilung in dem Jahresbericht der Hamburger
Handelskammer von 1910.:
„Ein Dekret der Regierung, wonach im Falle eines Brandes eines gegen
Feuersgefahr versicherten Hauses der Eigentümer oder sonstige Personen,
die an der Erlangung der Versicherungssumme eine Interesse haben, festgenommen
und bis zum Nachweis ihrer Schuldlosigkeit in Verwahrsam gehalten
werden sollen, hat zu lebhaften Protesten der dort ansässigen ausländischen
Firmen geführt. Die eingeleiteten Verhandlungen haben wohl zu
einer jormellen Abänderung des Dekrets, nicht aber zu einer gänzlichen Aufhebung
dieser Vorschriften geführt.“
In den größeren, innerlich gefestigten Staaten des Südens, in Brasilien,
Argentinien und Chile sieht es doch anders aus. Da ist die Bevölkerung
seßhafter geworden. Neben der Viehzucht hat der Ackerbau
an Bedeutunggewonnen. Eineaufblühende Wirtschaft und Kultur schließt
die früher auch hier nicht seltenen revolutionären Störungen aus.
Am stärksten ist das südamerikanische Deutschtum in Brasilien vertreten.
Dort betrug nach der Volkszählung von 1900 die Bevölkerung
17¼, Millionen Seelen, 1908 wurde sie nach amtlicher Schätzung auf
20% Millionen angegeben. Von 1820 —1909 sind in Brasilien insgesamt
234 Millionen curopäischer Einwanderer verzeichnet. Unter
ihnen haben Italiener und Portugiesen weitaus das Übergewicht, an