Nur die mit einem * bezeichneten Abschnitte sind zum Abodrucke kreigegeben.
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* Kriegserfahrungen im Spinastoffgewerbe.
MNon Dr. Otto Goehbel, Maln.
Mitglied der Wissenschaftlichen KomB tmission des Krig#ominnsertums.
Ohne Vorbilder hat bie Kriegswirkschaft der Spinnstoffe
im Welkkrieg ausgebildet werden müssen. In
sasern Kriegen konnte die Versorgung des Heeres mit
Geweben für die Mobilmachung als eine Frage der vorhandenen
Bestände der Heeresverwaltung erscheinen, und
für den Nachschub während des Krieges war die weitere
Beschaffung im wesentlichen eine reine Geldfrage, da der
freie Markt im eigenen oder in neutralen Ländern mit
seinen Herstellun Sinöglichkeiten und Lagerbeständen alle
Anforderungen obne weiteres zu decken imstande war. Der
technische Bedarf an Spinnstossen und Geweben für bie
Kriegführung war gegenüber den Verhälinissen des Weltkrieges
verschwindend, und eine besondere Fürsorge für die
Rültungsindustrie und für den unentbehrlichen Vedarf der
bürgerlichen Bevölkerung, durch dessen Nichterfullung die
Kriegführung gefährdet erscheinen konnte, kam noch nicht
in Frage. Der Weltkrieg mit seinen Massenbedürfnissen
und seiner Absperrung von den Zufuhrwegen hat alle
Voraussetzungen von Grund aug geändert: deshalb wurde
die Kriegsbewirtschaftung der Spinnstoffe reich an ungewohnten
Aufgaben, an Versuchen, an Amwegen und an
Feblgriffen, ebenso reich aber auch an Erfahrungen. und
Erfolgen, und sie bietet in ihrer Entwicklung ein Schulbeispiel
für das Wesen aller Kriegswirtschatt.
Betrachtet man rückwärtsblickend die Entwidlung, so
ebt sich an Voraussetzungen, die ger glatten Durch-#hrung
der Kriegsbewirkschaftung hälten erfüllt sein
müssen, und an Ausgaben. Leren Eelsne im Laufe des
Krieges organisiert wurde, folgendes herdot.
sitlegg, #an, die örtliche und fachliche Gliederung
und die Leistungsfäbigkeit des Gewerbes mußten festestellt
werden. - «.«. 1
gesell, war erforderlich zu erfahren, welcher Anteil an
der Leistungsfähigkeit der jabrikation im Frieden zur
Ausfuhr gelangte, in welchem Amfang anderseite notwendige
Nohstoffe und Oalbsabriitate cur Einfuhr
gelangten; es war ferner festzustellen. wie sich die Erzeugnisse
auf. unenkbehrlichen Bedarf, auf mehr oder veri
entbehrlichen und Luxusbedarf, auf den Bekleidungsde all
und den gechnischen dede, ! Industrie, des Handels
und des Verkehrswesens vertellten. « sz,
und Rach ähnlicher Glieberung mußte die Ermittlung des
Heeresbedarfs für verschieden angenommene Kriegsdauern
und Kriegslagen vorgenommen ind Wirhchaftspiäne auf
diese Ermiktlungen gegründet werden.
iese so ermittelten Bedarl gepentber waren alle Einschränkungs-
und Ersatz-Möglick leiten und zwar sowohl
nach der Seite der Menge als wie der Güte abzuwägen.
Zur Feststellung eines Wirtf aftsplanes war dem
Bedarf der Vorrat (einschließlich Zugängen) gegenüberzustelsen.
Zunächst war der greifbare Vorrat in den
Händen von Einfuhrhändlern, Fabrikanten. und Ferkigwarenhändlern
zu ermitteln, zuzüglich derjenigen rollenden
und schwimmenden Vorräte, deren Eintreffen gesichert
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erschien, ohne Einrechnung der nur gaufs dem Papler gesicherten
Vorräte. 1 ipn–p-t
Zu prüsen waren ferner die Auffüllungsmoglichkeiten
der Vorräte, und zwar nach der Richtung der eigenen
Inlanderzeugung unter Berücksichtigung ihrer im HKrieg
eingekretenen Steigerungen oder Minderungen, ferner der
Gewinn oder Verlust von Nohskoffvorräten und Erzeugungsmöglichkeiten
durch Besetzung oder Raumung bestimmter
Gebietsleile, endlich die bestehenden Einsuhrmöglichkelten
aus verbündeken und neulralen Gebieten
nach Mengen, Güte und Preisen, je nach den verschiedbenen
Kriegslagen.
In ähnlicher Weise mußten die Gewinnungomöglichkeiten
von Ersatzstoffen und auch die von Alt- und Abfall.
stoffen ermittelt werden.
Flür die Eigenerzeugung von Nohstoffen und Ersah—
stoffen war nicht nur zu ermitteln, welche Mengen gewinnbar
waren, sondern auch, welche anderen Erzengussse von
öhnlicher oder größerer Wichtigkeit durch sie zurückgedrängt
wurden, welche Belastung der Finanzen, des Mbeiksmarktes
und des Verkehrswesens die gesleigerte inländische
Erzeugung zur Folge haben mußte. Es durfte auch nicht
unbeachtet bleiben, ob aus Gründen der Vorratshallung
für (ätere Kriege die Gewinnung sich nur auf den Kriegsfall
beschränken sollte oder dauernd anzustreben war.
Bei allen Eingrissen der Heeresverwaltung in die
Kriegsverhältnisse mußle nach Möglichkeit an die Rückwirkung
auf die zukünftige Gestaltung des Erwerbslebens
gedacht werden. *r’ 1
Es muhten endsich auch die für die Friedensbedingungen
erwünschten Einwirkungen auf die Nohstoffbeschaffung
geprüft und die ganze Frage der Kriegsbewirkschaftung
der Spinnstoffe auch im Oinblick auf die Demobllifation
und auf die zukünftige Kriegsvorbereitung hin
geprüft werden. 1
Diie Aehnlichkeit und die Anähnlichkeit der Kriegswirtschaft
mit der lebergangs- und der normalen Wirtschaft
und ihre gegenseitigen Beeinflussungen mußten sorgfältig
beobachtet werden.
Für die Durchführung aller der angedeuleten Aufgaben
mußten die entsprechenden Organisationen geschaffen
oder wenigstens weitgehend ausgebaut werden, und zwar
nach den Richtungen der kriegswirtschafllichen Organisalion
des Beschaffungswesens, der Nohstoffverwaltung, der Industrieförderung,
der Finanz-- und Arbeilerfragen.
Betrachtet man die Reihe der angedeuteten Aufgaben,
so sieht man ohne weiteres, daß die Mehrzahl erst im
Kriege in Erscheinung gelreten sein kann. In der Tat bat
sich in den Zeiten der freien Privatwirtschaft, wie sie vergleichsweise
in der Wirtschaftsepoche vor Ausbruch des
Weltkrieges noch durchgehend herrschend war, die Einflußnahme
der Behörden auf wenige und nur auf Teilgeblete
der genannten Punkte erstreckt.
Was zunächst die statistisch-betriebstechnische Kenntnis
der Rohstoffe, ibrer Berardeitung, der Leistungsfähigkeit
der Betriebe usw. betrifft, so war sie im Frieden dürftig
und lückenhaft. Manches aus der Technik der Verarbeltung
wurde als Geschäftsgehei#mnis gebütet, daber war die Ausnu#zung
der Herstellungs= und Betriebsstosse sowie der