Full text : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

Mussmer  148

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muitlktwech,  7.  Juli  1017

 

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Brannenburg,  29.  Juni.  Eine  seltene  Abhormität
  kam  hier  am  28.  Juni  zur  Welt.  Eine
Henne  des  Herrn  Wäschereibesitzers  Josef
Steuner  in  Grießenbach  bei  Brannenburg,  der
Speraalzucht  der  Gold-Wyandottes  betreibt,
brülete  ein  Külen  aus,  das  vier  Beine  hat.
Obwohl  es  gut  entwickelt  war,  konnte  das  lleine

sen  nur  einen  Tag  leben.  Herr  Steuner
brachte  es  zum  Präparator  Oeller  in  Rosenheim,
  bei  dem  diese  Abnormität  becsichtigt
bder  erworben  werden  kann.
Fischbach  am  Inn,  29.  Juni.  Nachvem  dem
bekannten  Hoswirt  Herrn  X.  Pindl  am  26.
August  1912  der  rechte  Fuß  abgenommen  worden
  war,  mußte  vor  kurzem  auch  das  linke
Bein  amputiert  werden.  Herru  Pindl  und  des-Jen
  Frau,  die  als  rührige  Wirtsleute  einen
bekannten  Ruf  haben,  wendet  sich  allgemeine
Teilnahme  zu
Aenrrh#  29.  Juni.  Unser  stilles  Dorcf
wwar  heute  das  Ziel  einer  großen  Menschenmenge,
  die,  in  der  Frühe  angelockt  durch  fei
#erliches  Glockengeläute  und  u#  Völkerschusse
herveigeeilt  war,  um  Patroziniumsfest
  mitzufeiern.  Auch  da  raste  Flintsbacher
Volkstheater  hatte  überaus  zahlreichen  Besuch.
Unter  lebhaftem  Beifall  wurde  das  NRitterschaupiel,
  Der  Mohr  oder  das  Wiederfinden  am
Trauerfels“  gegeben.  das  von  der  Gesellschaft
worzüglich  einstudiert  war.  Große  Freude  befreitete.
  es,  daß  auch  die  Herrschaften  vom
Schlosse  in  Neubeuern  erschienen  waren  und
mit  größtem  Interesse  der  Aufführung  folgten.
HEie  sprachen  sich  sehr  anerlennend  über  die
Warbietungen  der  Spieler  aus.  Das  Theater
war  gänzlich  ũberfüllt.  Der  stattliche  Besuch  #ist
bester  Lohn  für  die  Mühen  und  Arbeiten  der
Dorsteller.  Mögen  die  weiteren  Aufführungen
ksich  gleicher  Beliebtheit.  ersreuen!.  Spieltage
Mind  der  5.  und  12.  Juli,  der  2.,  d.,  16.,  23.
lund  30.  August.
Oberauborf,  29.  Juni.  Die  Restauration
Der  hiesigen  Pfarrkirche  wurde  dieser  Tage
hum  glücklichen  Abschluß  gebracht  durch  die  Aufstellung
  einer  neuen  Orgel.  Chordirektor  Berberich-München
  unterzog  das  Werk,  das  von  Sitann
  u.  Co.  in  ünchen  erbaut  wurde,  einer
fachmännischen  Prüfung,  die  ein  sehr  günftiges
Mesultat  ergab.  Die  Orgel  besitzt  21  llingende
timmen,  Register=  und  Jalousien  Schweller,
lelektr.  Gebläscantrieb  und  ist  mit  allen  moder-#nen
  Spielhilfen  ausgestattet,  wie  sie  das  Rasfinement
  der  pneumatischen  Druckknöpfe  ermöglicht.
  Die  Orgel  bot  in  den  verschiedenen  Voruunh
  im  Triospiel  eine  musikalische  Wirns
  von  seltener  Schönheit  und  Mannigfaltigse

  S  Aibling,  29.  Juni.  Im  67.  Lebensgahre
  starb  heute  nacht  an  den  Folgen  eines
Schlaganfalles  Herr  Bäckermeister  Martin
Schwarzfischer,  langjähriges  Mitglied  des  Gemmeindekollegiums.

  Ein  bleibendes  Verdienst,  diees
  biederen  Bürgersmannes  ist  die  Anlage  der
prãchtigen  Birlenallee  von  Bad  Aibling  nach
Harthausen,  die  auf  ihn  und  den  verstorbenen
Herin  Meggendorfer  zurüczuführen  ist.

Drien,  29.  Juni.  Die  Fürstin  Luise  zu
Dsenburg,  geb.  Erzberzogin  von  Oesterreich-To#2
ana,  traf  zu  mehrtägigem  Besuche  bei  Frau
Thereĩe  v.  Wedells  in  Prien  ein.  Auch  der  Etz—
"ver  login  Adelsgunde  von  Modena  auf  MWildenvarth,

  welche  Schwägerin  des  Fürstin  ist.  sowie
  der  freiherrl.  Familie  von  Cramer  Kielt
wurden  Besuche  abgestattet.

Prien,  29.  Juni.  Dieser  Tage  hat  Herr
J  os.  Löw  im  Chiemsee  einen  Karpfen  mit  dem
Lespektablen  Gewicht  von  21  Pfund  gefangen.
Der  Fisch  wurde  im  Chiemsee-Sanatorium  zubereilel
  und  schmeckte  vorzüglich.

Colalnachrichlen.

2  Rosenheim,  20.  Juni.

(GHoldene  Hochzeit.  Am  Samstag  den
7.  Juni  seierten  in  Dillingen  die  Privatiersbeleute
  Josef  und  Anna  Simson,  geb.  Kain,
a  Fest  ihrer  goldenen  Hochzeit  im  Kreise
PFrer  6  Kinder  und  18  Enkellinder.  Das  Jnbelzaar
  sind  die  Eltern.  des  Herrn  Hosphotograthen
  Simson  in  Rosenheim.  Das  weithin  beannte
  photographische  Atelier  Gebr.  Simson
8  Dillingen,  dessen  Gründer  der  Jubilar  ist,
onnte  gleichzeitig  auf  ein  halbes  Jahrhunderi
eines  Bestehens  zurütblicken.  Der  Jubilar  beleidete
  24  Jahre  das  Amt  eines  Gemeindeerollmächtigten
  und  Magistratsrates  in  Dilsute
  und  ist  dort  allgemein  beliebt.  Das  Juelpaar

  steht  jetzt  im  Alter  von  je  74  Jahren.
Nögen  ihm  noch  viele  Jahre  beschieden  sein!

Vom  Straßen=  und  Flußbauamt.
Flußaussichtsgchilfe  des  Straßen=  und  Fluß-#auamtes
  Rosenheim,  Matthias  Hierl,  wurde
um  Flußaufseher  beim  Straßen=  und  Flußbaumt
  München  in  etatsmähiger  Eigenschaft  er- 



annt.

Votden  am  Geburtsfest  der  Köigin.
  Am  Donnerstag  den  2.  Juli  werden
ie  Postschalter  dahier  offen  gehalten:  vormit-16s
  von  7  bis  8  Uhr  und  von  10  bis  12  Uhr,
achmittags  von  12  bis  8  Uhr.  Die  Ortszusteling
  erfolgt  um  6.30  Uhr  vormitlags;  nachsitlags
  wird  die  Zusiellung  wie  an  Werktlagen
.usgefũhrt.  Im  Lauobezirk  ruht  der  Zustellierst
  bezw.  wiro  wie  an  Sonntagen  volliogen.

Alle  Postboten

und  Hostanstalten  nehmen  noch  immer  Bestellungen
  auf  den
„Rosenheimer  Anzeiger“

entgegen.  Die  bereits  erschienenen  Nummern
  werden  kostenlos  nachgeliefert.

 

L##  den  tüclich  erschemenden  #
Anzeiger“  mi  seinem  ach#ettigen
Anftrierten  „Mofenheimer  SConntagsblan“
lan  für  die  Monale

Juli,  August,  Seplember—
hler-  -in  der  Expedition  oder  dei  den  verschlebenen
  Mbholeitellen,  auswärts  bel  b
Kal.  Rostamtern  und  Pofüboten,  sowie  bei
den  belo#ten  Agenturen  um  den  Preis  von
Mi.  1  80  abonniert  werben.

 

 

 

Wahl  der  Versicherungsvertreter.
Bei  der  Wahl  der  Versicherungsvertreter  als
Beisitzer  des  Versicherungsamtes  sür  Rosenheim-Land
  waren  im  ganzen  22  Wahlberechligte
  anwesend.  Diese  vertraten  zusammen  5411
Stimmen.  Davon  sielen  auf  die  Vorschlagsliste
  &A,  das  ist  die  Liste  der  christlichnationien
  Vereine,  5265  Stimmen,  auf  die  Liste  B,
das  ist  die  Liste  der  sosialbemolralisoen
Gewersschaften,  242  Stimmen.  Zu  wählen  waren
  6  Beisitzer,  die  sämtlich  den  Nbristlichnationalen
  zusielen.

Gesährdete  Roggen=  und  Weizenernte?
  Eine  schlimme  Krankheit  an  den
Roggenfeldern  zeigt  sich,  wie  schon  lurz  borich
tet,  allentbalben  im  südbsllichen  Vayern,  im
Salzburger  Land  sowie  im  Vnnviertel:  der
Celb#ros  oder  Gelbbrand,  der  die  Roggenähren
mit  einec  gelblichen  aubmasse  anfüllt  und
das  Korn  völlig  zermürbt.  Auffallend  ist,  daß
die  mit  Kunstdünger  behandelten  Aecker  von  der
Krankheit,  der  gegenüber  die  Landwirkschaft
machtlos  ist,  frei  bleiben,  während  die  mit
Stallmist  gedüngten  Fluren  durchwegs  angegrifsen
  sind.  Auch  vom  Weizen  sind  bereits  ble
Blätler  mit  Gelbrost  bedect,  so  daß  eine  schlechte
Ernte  in  Aussicht  steht.  Zurüdgeführt  wird  die
seltene  Erscheinung  auf  die  nasse  Witterung  des
Vorjahres.

Der  Feuerwehrbezirksverband  Nosenheim-Land
  hiell  seine  39.  2  Firksversammlung
  am  Sonntag  in  Endorf  ab.  Sie  erfreute.
  sich  eines  sehr  zahlreichen  Besuches  und
nahm  einen  harmonischen  Verlauf.  Auch  die  im
Anschlusse  daran  vorgenommene  Feuerweh'  besichtigung
  befriedigte  sehr.  Ueber  die  Tagung
lassen  wir  in  nächster  Nummer  einen  aueführlichen
  Bericht  folgen.

Jubiläum  des  Wendelsteinlirchiein.
  Am  1.  Juli  sind  25  Jahre  verflossen
seit  der  Grundsteinlegung  zum  Wens  elsteinkirchlein.
  Troß  schlechlen  Weilers  fanden  sich  zu
diesem  seltenen  Alt  auf  hober  Bergeospihe  zahl.
reiche  Gaste  ein,  besonders  aus  Rosenheim  und
Münchens  Umgebung.  Stolz  thront  auch  jetzt
noch  Deutschlands  höchstes  Kirchlein  auf  dem

rielbesuchten  Wendelstein  und  wird  noch  manch#
Jahrsehnt  sein  graucs  Antlitz  auf  das  friedlich
u:  nensiegende  Tal  herabschauen  lassen.  Das
Kirchtein  verdankt  seine  Entschung  der  Opserwilligkeit
  der  Bergfreunde,  die  freudig  ihr
Scherflein  beilrugen,  um  auf  dem  Wendekslein
einen  Tempel  Gottes  zu  erbauen.  Im  Otklolet
  1888  begann  man  mit  den  Sprengungen
an  der  Schwaigerwand,  im  Mai  des  nächsten
Nüdter.  legte  man  die  Fundamente  und  am

Juli  jeierte  man  die  Grundsteinlegung.  Am

7  Auguit  noch  wurde  der  Dachstuhl  aufgerichlet
  und  am  7.  September  war  das  Türmchen
ferlig.  Wenige  Tage  später  wurde  das  Turmkreunan
  Ort  und  Stelle  gebracht.  Während
des  Minters  und  Frühjahrs  hat  die  Kapelle
eine  gediegene  innere  Ausschmüdung  erhalten.
Gesliftet  wurden  in  hochher#ziger  Weise  vo#  verschiedenen
  Firmen  aus  München  u.  au.  die  Mensa,

die  Madonnenstatue,  die  Glasgemälde,  die
Glocken,  das  Harmonium,  Stühle,  Bänke  und
Kästen,  Leo  XlIII.  schenlte  einen  kunstvollen

Kelch,  während  die  Leuchter,  Kreuze,  Tücher
und  Paramenten  usw.  ebenfalls  aus  Schaulungen
  herrühren.  Das  Mesnerhäuschen,  die
Klause,  ließ  Kommerzienrat  Leib-München  auf
seine  Kosten  herstellen.  Am  20.  August  18290
sand  durch  Erzbischof  von  Thoma  die  Konse-=trierung
  des  Kirchleins  zu  Ehren  der  Palrona
  Bavariae  unter  ungeheurer  Beteiligung
der  Landbevölkerung,  des  Klerus  der  Umgegend
  und  von  Festgästen  aus  ganz  Bayern
stalt.  Der  Kirchenfürst  zelebrierte  auch  das
Festamt,  und  uberaus  weihevoll  und  seierlich
ceihang  das  Tedeum  hinaus  in  die  Vergeinsamkeit.
  Im  Laufe  der  25  Jahre  hat  so  mancher
Bergfreund  die  andachtsvolle  Stille  des  friedlichen
  #  Lergtempels  gesucht.  Er  wird  auch  fernerhin
  Zeugnis  geben  von  dem  frommen  Sinn
der  schlichten  Bergbewohner  und  bayerischer
Irrer

 

*  Verbrechen  non  Serajewo  br
gechsas  seit  Sonntagabend  das  gesamie  öffeni- 



liche  Gespräcm  Nachmittag  nsisag-raf  dle  Nachricht
  von  der  Ermordung  des  österreichischen
Ihronfolgerpaares  hier  ein,  überall  liefsten  Abscheu
  über  die  feige  Tat  bervorrufend.  An  unseten
  Telegrammtaseln  konnten  wir  die  schmerzliche
  Nachricht  alsbald  bekannt  geben.  Nachts
ließen  wir  weitere  Einzelheiten  über  das  ruchlose
  Verbrechen  solgen  und  am  Monlag  gaben
wir  in  Ertrablättern  weitere  Kunde  von  der
blutigen  Tat.  Die  Schaufenster  des  „Nosenheimer
  Anzeiger“  und  seine  Telegrammtafeln
waren  den  ganzen  Tag  über  von  Menschenmassen
  dicht  umlagert,  welche  die  Einzelheiten  des
Menchelmordes  mit  größtem  Interesse  verfolgten.
  Woll  noch  nie  hatten  die  Anschlagtafeln
so  Jroßen  Massenbesuch  wie  gerade  diesmal,  namentlich
  zwischen  10  und  12  Uhr  mittags  und  i  in
den  Abendstunden.  Als  die  Ertrablätter  am
Vormittag  auogegeben  murden,  riß  man  sich
sörmlich  darum.  Auch  das  Inntal  usw.  konnten
  wir  am  Montag  früh  schon  mit  Ertrablättern
  versorgen.  Die  Kunde  von  der  schauerlichen
  Tat  verbreilete  sich  so  rasch  in  die  weilesten
  Kreise.  Auch  am  Montag  abeno  ließen
mir  noch  weitere  Einzelheiten  aus  Serajewo
belannt  geben.  Noch  in  der  Nacht  waren  die
Anschlagtafeln  dicht  umlagert.

Die  Liedertafel  Rosenheim  versam,
melte  ihre  Mitglieder  und  deren  Angehörig:
am  Sonntag  in  großer  Zabl  zu  einem  Ausslug
  nach  Bad  Aibling,  der  mil  einem  Besuch
  bei  der  dorligen  Liedertasel  verbunden
murde.  Am  Bahnkbof  in  Aibling  wurden  dse
Rosenbeimer  Gäste  von  der  Liedertafel  Aibling
  freundlichst  begrüßt  und  unter  den  schnei
digen  Klängen  der  Harthauser  Kapelle  in  fesllichem
  Zuge  mit  fliegenden  Fahnen  zum  Kurhaus
  geleitet:  woselbst  sich  gar  bald  regstes,  frohes
  Leben  in  den  prichtigen  Anlagen  entwikelte.
  Erfreulicherweise  war  auch  die  Kurmusil
versmoben  worden,  so  daß  das  Kon:erl  von  5
bis  6  Uhr  Engenehme,  sehr  willkomme  ine  Abwechslung
  bot.  Die  Feier  am  Abend  spielte  sich
im  seillich  geschmücthten  Saale  des  Kurhauf:
ab.  Dazu  hatte  sich  zahlreicher  Besuch  aus  MAibling
  eingefunden,  an  der  Sihe  Herr  Neg.-Ral
Bezirleamtmann  Popp.  Tir#se  Erregung  erfaßt:
die  Aersammlung,  als  Herr  Reg.  Ral  Popp
Mitteilung  machte  vom  Anschlag  auf  das  ösierr.
Thronfolgerpaar,  dem  man  dann  in  tiefer  Ergriffenheit
  ein  stilles  Gedenlen  widmete.  Herr
Neg.-Rat  Popp  entbot  dann  den  Nosenkeimer
Cästen  herilichen  Willlommgruß.  Er  verknüpfte
damit  den  Wunsch,  daß  innige  echte  Freundschaft
  zwischen  beiden  Vereinen  bestehen  und  daraus
  auch  gute  Folgen  für  das  allgemeine  Verhältnis
  der  beiden  Nachbarorte  entstehen  mögen.
Die  Zeit,  in  der  man  gesagt  habe,  der  Stärlere
  ist  am  mächtigsten  allein,  sei  vorbei;  heute

beiße  es,  zusammenarbeiten.  Möge  vieser  Besuch
  n  einer  goldenen  Brücke  dauernder  Freund
schaft  zwischen  Rosenheim  und  Aibling  werden.
Diesen  frohen  Gruß  ermiderte  Hr.  Seminar
lebrer  Rillas  mii  Worten  herzlichen  Danles.
Er  lonnte  darauf  binweisen,  daß  zwischen  beiden
  Vereinen  schon  lange  Jahr:  gule  Freundschaft
  belland,  durch  unbelannte  Gründe  sei  aber
eine  vewisse  Entsremdung  eingetreten.  Unter
Herru  Hofrat  Dr.  Dirr  wären  die  beiderfeiligen
Beziehungen  wieder  recht  innig  geworden.  Mö32
rer  heutige  Tag  den  Ansang  bilden  iu  dau
erndem,  freundnachbarlichem  Verlehr.  An  den
Stätten  desn  Gesange:  lenne  man  nicht  Lader
und  Streit,  nicht  Mißgunst  und  Neid.  Der  Ein
ltrach“  gelte  sein  Schlußwort.  „Eintracht  und
Harmonie  begleilen  die  Vereine  für  und  für“.
Leblafter  Beifall  folgte  den  beiden  Ampradoen.
  Und  dann  trat  der  Gesang  in  seine  Rechte.
Den  reichen  Kran  der  Lieder  eröffnele  der  Män:
nerchor  der  Liederlafel  Bad  Aibling  unter  Leitung
  ihres  Dirigenten  Herrn  Mamertus  Pers
mayer  mit  Podbertslys  „Zur  Begrüßung“  in
vollem,  kräftigem  Fole.  Die  Liederlafel  Ro
senheim,  oirigiert  von  ilrem  Chormeister  Heren
Lehrer  Amort,  brachte  vann  die  beiden  reitfenden
  Lieder:  „Beim  Holderstgauch  von  Kirh
ner  und  „Der  Spielmann  ist  da“  von  Henne
Herr  Friedrich  Schottenhammel  (Aibling#  er
sreute  uns  mit  der  proßen  Soloparlie  aus
Webers  Freischüs  „Durch  die  Wälder,  durch
die  Auen“.  In  diesem  prächligen  Ar#  ortrage
wurde  die  strenge  Schulung  der  Stimme,  die
reine,  gut  accentnierte  Sprache,  wie  das  worl.
llingende  Organ  gleich  sehr  bewundert.  Herr
M.  Perzlmayer  begleitete  ihn.  dabei  am  Kla.
rier  sehi  wirlsam.  Drei  gemischte  Chöre  von
Mendelsohn:  „Entflieh  mit  mir“,  „Es  fiel  ein
Reif“  und  „Auf  ihrem  Grabe“  gelangten  von
der  Rosenheimer  Liedertafel  zu  tadellosem  Vortrage;
  hierbei  brillierte  besonders  der  schöre
Sopran  der  jungen  Damen.  Die  Aiblinger  Liedertafel
  stellte  sich  darauf  mit  zwei  Doppe  lauartetten
  ein:  „Der  Soldat“  von  Silcher  und
„Waldabendschein“  von  Oser,  und  erntete  damil
reichsten  Beifall.  Des  weiteren  brachte  sie  „Soldatenlied
  aus  dem  7jährigen  Krieg“  von  Preu,
Männerchor  mit  3  Pauen  in  schöner  Ausführung.
  „Das  Deutiche  Lied“,  von  dem  Gesaml-4
  der  Liedertafeln  Nosenheim  und  Aibling
gesungen,  beschloß  den  Liederkranz  in  breit  und
wmuchtig  hinslutendem  Forlissimo.  Dann  war  der
Jugend  noch  ihr  Teil  gegönnt,  dem  Tanze  zu
huldigen.  In  animiertester  Stimmung  erfolgte
der  Abmarsch  mm  Zuge,  wo  sich  die  beiden
Liedertafeln  verabschiedeten  mit  dem  Versprechen
  erneuter  Zusammenlunft  in  dauerndem,
freundschaftlichem  Verkehr.

 

ängerausflug.  Aus  Inzell  wicd  uns
von  gethühtrr  Seite  geschrieben:  Der  Herzensdrang,
  wieder  einmal  die  Stätte  seines
langjährigen  Wirkens  aufzusuchen  und  mit  Inbells
  Bewohnern  einige  vergnügte  Stunden  zu
verleken,  hatte  Herrn  Knabenschullehrer  Sölch
ron  Rosenheim  veranlaßt,  mit  dem  Männecgelangrerein
  Nosenheim,  an  dessen  Spitze  er  als
Dirigent  steht,  die  diesjährige  Sängerfahrl  nach
Inzell  zu  machen.  Von  Ruhpolding  kamen  die
Sänger  —  eiwa  50  Mann  stark  —  in  unser
schönes  Gebirgsdorf,  wo  bei  Mutter  Spanring
(ost)  das  Miltagemahl  eingenommen  wurde.
Fn  Nachmittagsausslug  nach  der  Schmölz(Brauerei)
  war  nur  der  Auflalt  für  das  abendliche
Konzert.  Unter  den  Klängen  der  einheimischen
Mmiikkapelle  zogen  die  Sänger  auf  der  „Poll“
ein  und  bald  war  das  letzte  Plätchen  im  groben
  Saale  besetzt.  Abwechselnd  trugen  die
Sänger  und  die  hiesige  Musikkapelle  ihre  Lieder
  und  Weisen  vor,  Quartette  wurden  gesunden
  und  die  Firelitas  lam  voll  zu  ihrem  Rechte.
Der  prätise  Vortrag  der  Lieder  in  hübscher
Auswabl  macht  dem  rübrigen  Männergesangverein
  und  seinem  Dirigenten  alle  Ehre.  Anzuerlennen
  ist,  daß  der  Ueberschuß  des  abendiichen
  Eintrittsgeldes  von  den  Sängern  dem
Verschönerungsverein  Inzell  in  loyalster  Weise
zur  Verfügung  gestellt  wurde.  Am  Montag
früh  gingen  die  Sänger  zu  Fuß  über  Mauih.
haufel  nach  Reichenhall.  An  dieser  Skelle  den
Sanzeebrüdern  von  Nosenheim  ein  herzliches
Vergelto  Gott  und  ein  ebenso  herniches  „Auf
Wiedersehen!“  „Grüß  Gott  mit  hellem,  heben
Kians  Heil  deiitß  schem  Wort  und  Sang!“

Die  neue  Innbrülde  steht  unmittelbar
vor  ihrer  Vellendung.  Bereits  zum  1.  Juli
wolile  man  sie  dem  allgemeinen  i  Verleh.  über-Leten,
  doch  wurde  noch  eine  leine  Verzögerung
rolwen#ig.  Wie  wir  ersahren,  soll  sie  jetzt
am  10.  Juli  dem  Verkebr  übergeben  werden.
*  biesem  Termine  wicd  dann  auch  die  Nolbrüce
  abgebrochen.  weiche  nach  Essen  a.  R.
rerlauft  ist  und  vort  wieder  zur  Aufflellung  gelauen
  wird.

Ceschäftsumbau.  Herr  Jol.  Schmid,
Vesiher  der  Weißbierbraue:  ei  in  der  Heiliggeiitstrate,
  hal  die  von  ihm  läuflich  erworbene  Wristlierbraucrei
  einer  gründlich  en  Nenovalion  unlergen.
  Der  Aueschant  von  Weizenbier  aus
der  Prauerei  Schneider  u.  Sohn  in  München
*  i*“  dain  beitragen,  den  Ausenthalt  im  neuen
Lolal  nur  angenehm  zu  gestalten.

Lolal

Freiwillig  in  den.  Tod  gegangen
f.  Herr  Josef  Kersc,  baumer,  ehemaliger  Seisensabrirante
  in  Rosenheim.  Aus  Meran  lient
namich  folgende  telegraphische  Meldung  vor:
„Kier  erschoß  sich  der  eben  angekommene  52jäh
rige  Besi  er  des  Schlosses  Tausers  im  Pusterlal,
  in  welchem  demnächst  der  König  von  Sach
n  Aufen  tbalt  nimmi.  Die  Ueberführung  der
Leiche  erfolgt  üach  Rosenn#eim,  wo  der  Verstor
tene  eine  Seifenjabrit  befasßt.  Der  Anguliche
lill  an  bochgradiger  Nervofi.  äl.“  Diese  Nachricet
  lkam  für  Rosenheim  gänziich  überraschend.
Velanntlich  hatte  sich  Herr  Kerschbaumer  im
rorigen  Jahre  mit  Frau  L.  Hülebrand  wieder
rermähl!,  mit  der  Besitzerin  des  Shhloßhotten
und  der  Pension  „Schrottwinlel“  S##us  im
Laufererlal  bei  der  Stalion  Bene  im  Pusterlal.

  Mit  illem  is  eine  Persönlichleit  dahin
Prichieden,  weiche  in  weilesten  Kreisen  bekann!
war.  Seit  längerer  Zeit  schon  war  er  schwer

a#lhmaleidend.  Seinen  Angehörigen  we#det  sich
allgemeine  Teilnahme  zu.

Im  Gesängnie  erhängt.  Von  Sa.-burg
  aus  wurden  zwei  Zigeuner  wegen  Velru=Hercien
  an  einem  Vauern  in  der  Salzburger
Gegend  rerfolgl.  Es  gelang  der  hiesigen  Poliei,
  beide  hier  festmmehmen.  Während  der
eine  wieder  entlassen-  wurde,  ist  der  andere  im
Aneneril  gefängni:  untergebrach!  worden,
us  er  mehrere  Tage  schon  weilte.  Am  Sonntag
  abendo  zerriß  er  sein  Handtuch  und  lnüpfle
darans  einen  Strick,  mit  dem  er  sich  erhängte.
Es  scheint,  bdaß  der  Mann  noch  Schlimmeres  auf
d'm  Kerblol  hatte.  Das  Geld,  das  er  dem
Saliburger  Bauern  abnahm,  ist  ihm  angekblich
  wieder  von  dritter  Seile  geslohlen  worden.

Ausweisung.  Durch  Magistratebeschluh
com  209.  Mai  1914  wurde  mit  Wirkung  vom
20.  Februar  1915  der  wige  Schreiner  Thowas
  Limmer,  geboren  am  Juni  1802  zu
Märdlseld,  B.-A.  Neuburg  a  D.,  beheimatet  in
Pir  aundorf,  B.=  A.  Nosenheim,  auf  die  Dauer
ron  zwei  Jahren  aus  der  Stadt  Rosenheim
und  den  benachbarten  Gemeinden  Aising,  Grohlarolinenfeld,
  Happing,  Kolbermoor,  Pang.
Niedering,  Stefanslirchen  und  Westerndorf  ausgewiesen.


Bĩcherschan.

Das  Juliheft  von  Velhagen  und  Klaslings
  Monatsheften  (Herausgeber  Hanns
ren  Zobeltitz  und  Paul  Oskar  Hötker)  macht
die  Leser  in  einem  reich  und  farbig  illustrierten
Auflob  von  Ir.  Otto  Weiß  mit  einem  der
eigentämlichsten  Maler  unserer  Zeit  bekannt,
dem  jüngst  verstorbenen  Düsseldorfer  Otto
Boyer.  Mit  farbigen  Illustrationen  ist  auch  der
dem  neuen  Hapagdampfer  „Vaterland“  gewidmele
  Aussatz  „Ein  Ozeanriese  im  Bau“  von
Einst  Trebesius  geschmickt.  -on  praktischen
Cesichlspunten  aus  ist  der  reich  illustrierle

ꝛ