Full text : Württembergische Geschichtsquellen. Erster Band. (1)

118  Johann  Herolt

solten  ire  meidt”  nit  lang  mentel,  wie  zu  Hall  preuchig,  sonnder
kurtz’)  tragen®?).  Gedachter  dechant  trug  solches  dem  cappittel
fur.  Die  antwurtten,  wan  ein  rath  dis  willens  were,  so  solten  sie
den  pfaffenmeyden  unnd  (denen,  so®)  mit  den  pfaffen  verleimpt  ®°),
ein  besundern  stul  in  die  kirchen  machen,  doch  weit  genug,  darmit
sie  all  darinnen  stehn  möchten,  so  sehe  man  wer  dieselbigen  weren.
Also  ward  nichts  daraus;  besorgten,  es  wurdt  vielleicht  eine®  in  den
stul  komen,  die  man  nit  gern  darinnen”  sehen  würt.  Diser  dechant
ist  gestorben  anno  1509.

Anno  domini  1529  hat  bischoff  Conradt  zu  Wurtzburg‘)  ein
mandat  gen  Hall  geschickht,  begerendt  von  dem  capittel  den  fünfftheil
  alles  einkommens  aller  pfründt,  damit  er  seine  kirchen  furen  ®  °)
möcht.  Als  man  aber  das  capittel  versamblet  und  ein  jeder  sollichs
seinem  collatori  anzeigen  begert,  verbotten  die  von  Hall  iren  priestern,
sie  solten  dem  bischoff  nichts  geben.  Deszgleichen  theten  auch  andere
  herrschafften.  Also  wardt  nichts  daraus®).

Die  pfarr  zu  Münckhen  ’)  haben  Hohenloe  zu  verleyhen.  Sie
haben  aber  im  41.  jar®  kein  pfarherrn  da  gehapt  bis  uff  das  42.  jar.
Alsdann  haben  die  von  Hall  ein  pfarherr  dargesetzt”®),  darvon
hernach  im  Hohenloischen  (gezänck  weiter”).

a)  iren  magden  T.  b)  machen  unnd  tragen  lassen  T.  c)  aus  H!  und  T,;  fehlt  St!
d)  den  andern,  so  mit  innen  verdacht  T.  e)  möchten  vielleicht  etliche  7.  f)  man  lieber
herauszen,  dann  darinnen  T.  8)  füren,  durch  Korrektur:  renovieren  Hi;  seine  kirchenthürn
  damit  zu  machen  T.  h)  in  41  Jahren  7’;  von  anno  1541  bisz  über  ein  jar  H'.
j)  gesetzt  unnd  ime  genugsame  competentz  gemacht  MI.  k)  uus  H3;  sanck  meldung  goschicht
  T,  gezeugt  St!.

1)  Kurze  Mäntel  waren  den  Dirnen  der  Frauenhäuser  vorgeschrieben,
8.  Alo.  Schultz,  Deutsches  Leben  im  14.  und  15.  Jahrh.,  grosse  Ausg.  ».  7.

3)  sc.  lassen.

®)  Verleumdet,  ins  Geschrei  gebracht.

*)  Conrad  III.  von  Thüngen,  reg.  1519—1540,  üher  ihn  Lorenz  F'riess,
Bischöfe  zu  Würzburg  in  Ludwig,  Ser.  rer.  Herbipol.  668  f.  Das  Vorgehen
des  Bischofs  erklärt  sich  aus  der  Absicht,  die  Beschlüsse  des  Speirer  Reichstags
  durchzuführen  und  den  schwer  geschädigten  bischöflichen  Finanzen  aufzuhelfen.
  Ob  es  ein  Zeichen  völliger  T/nkenntnis  der  Hallischen  Verhältnisse
war  (Bossert,  WVjh.  1881,  292),  oder  nicht  vielmehr  ein  Versuch,  die  widerspenstigen
  FLlemente  durch  eine  scharfe  Massregel  zu  zähmen,  muss  dahingestellt
  bleiben.

6)  Unterhalten.

°)  Das  Nühere  bei  Bossert,  1.  I.

?)  Untermünkheim  OA.  Hall.

s)  Hall  war  in  diesem  Vorgehen  unterstützt  vom  Kurfürsten  von  Sachsen
und  Jaandgrafen  von  Hessen;  es  handelte  sich  vor  allem  um  kinführung  der
evangelischen  Lehre.  Der  neu  eingesetzte  Pfarrer  war  Thomas  Widemann  von

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