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Ueberhaupt befand sich seit der Mitte des fünfzehnten
Jahrhunderts die ganze Christenheit wie in Ansehung der
Hierarchie so besonders auch in Ansehung der Dogmatik in
einer sehr wichrigen Krisis, ob zur endlichen Enthüllung der
Wahrheit oder ihrer mehrern Verdunklung, war damals noch
gar nicht vorauszusehen. Wohl wurde durch die erfundene
Buchdruckerei die allgemeine Ideencirculation unendlich mehr
beschleunigt, als vorher auch bei den engsten und häufigsten
Verbindungen der Menschen möglich gewesen war; aber alles
bieng alsdenn doch davon ab, welche Ideen in einen so allgemeinen
Umlauf gebracht wurden, und ob nicht die Möbste
und der Klerus, wie es doch bald schien, Gewalt bekamen,
diesen Strom zu hemmen und zu leiten, wohin er ihren Absichten
gemäß fließen sollte.
Durch die in Italien und Frankreich wieder hervorbrechen
den Wissenschaften wurden zwar die Köpfe aufgeklärter, aber
diese Aufklärung schien dem Laster oft nur mehr Verfeinerung,
der Philosophie nicht mehr Wahrheit, sondern nur mehr Skepticismus
zu geben. Fegfeuermährchen und Marienthorheiten
waren zwar zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts das Thema
der witzigsten Köpfe geworden, aber die. Geistlichen vergalten
den Spott mit Feuer und Schwerdt, und wenn es auch
nicht so weit kam, so hätten wir doch durch allen diesen Spott
höchsiens eine verfeinertere päbstliche Religion bekommen.
Die Wirkung aller solcher Hülfsmittel war ohnedjeß immer zu
langsam; wie viele Umstände konnten dazwischen--kommen,
bis sie nur zu einiger Vollendung kam. Wenn je einmak ddie
Wahlheit in ihre ganze Rechte wieder eingesetzt werden sollte,
so schien so viel günstiges zusammentreffen zu müssen, als
kaum von dem glücklichsten Zufall erwartet werden konnte.: